HR-Barometer

Je digitalisierter, desto deprimierter

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Dank Digitalisierung erhalten viele Arbeitnehmende mehr Eigenverantwortung im Unternehmen. Zu schaffen machen ihnen dagegen Überwachungsmassnahmen, zeigt eine Studie. Die Autoren warnen derweil vor Vorurteilen gegenüber älteren Arbeitnehmenden.

(Source: kite_rin / Fotolia.com)
(Source: kite_rin / Fotolia.com)

Der HR-Barometer, eine regelmässige Untersuchung der ETH mit den Universitäten Luzern und Zürich, befasst sich dieses Jahr mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitnehmenden. Aus Sicht der Befragten seien die Arbeitgebenden in der Schweiz relativ offen gegenüber neuen Technologien, heisst es in einer Mitteilung. Über 74 Prozent der Beschäftigten gaben an, dass ihr Arbeitgeber gewillt sei, digitale Lösungen zu nutzen. Aber: "Je höher der Digitalisierungsgrad des Unternehmens, desto geringer ist die Arbeitszufriedenheit", schreiben die Autoren weiter.

Selbständigkeit und Überwachung

In einer digitalisierten Arbeitswelt spiele die Eigenverantwortung der Beschäftigten eine zunehmend wichtige Rolle. Zwei Drittel Prozent der Befragten sagten aus, von ihren Vorgesetzten ermächtigt zu werden, selbständig Entscheidungen zu treffen.

Für Unzufriedenheit sorgen jedoch Sicherheits- und Überwachungsmassnahmen: Bei 46 Prozent der Befragten blockiere der Arbeitgeber bestimmte Internetseiten. 22 Prozent gaben an, ihr Arbeitgeber überwache ihren Internetverkehr. Entsprechend fühlten sich 20 Prozent in ihrer Privatsphäre eingeschränkt, führen die Autoren aus. "Die Ergebnisse zeigen, dass sich Beschäftigte mit ihrem Unternehmen weniger stark verbunden fühlen, wenn elektronische Überwachung zu oft eingesetzt wird."

Ältere Arbeitnehmende: Negative Stereotypen verringern digitale Selbstwirksamkeit

Einen weiteren Schwerpunkt setzt der HR-Barometer 2020 auf die Alterung unserer Gesellschaft. In der Schweiz seien Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmenden weit verbreitet, schreiben die Autoren. Nur etwas mehr als 10 Prozent der befragten Beschäftigen hätten keine negativen Vorurteile beobachtet.

Es bestehe erheblicher Handlungsbedarf für Arbeitgebende, Führungspersonen sowie Arbeitskollegen, denn "herrschen negative Altersstereotypen vor, verringert dies die digitale Selbstwirksamkeit der Betroffenen. Das heisst: Ältere Beschäftigte schätzen die eigenen Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien tendenziell geringer ein." Zudem wirken sich Vorurteile gegenüber älteren Beschäftigten negative auswirkungen auf ihre Bereitschaft, über das Rentenalter hinaus zu arbeiten.

Über die Studie

Für den diesjährigen HR-Barometer befragten die Forscher 1995 Schweizer Angestellten in der Zeit zwischen März und Mai 2020. Jedes Jahr befasst sich die Studie mit einem anderen Schwerpunktthema. 2016 lieferte der HR-Barometer etwa Erkenntnisse zu den Themen Loyalität und Zynismus.

Webcode
DPF8_193136

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