Der neue Hyperloop-Pod "Simona de Silvestro"

Hyperloop-Innovationen auch ohne Elon Musk

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von Stefanie Zeller, Empa

Von 2017 bis 2019 richtete Tesla-Gründer Elon Musk jährlich den Hyperloop-Wettbewerb aus, an dem auch der Verein Swissloop mit Studierenden der ETH Zürich bisher jedes Jahr teilnahm. Nachdem klar war, dass der diesjährige Wettbewerb nicht stattfinden würde, konzipierte das Swissloop-Team seinen Pod vollkommen neu und nutzte die Wettbewerbspause, um mehr Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr in die Entwicklung einfliessen zu lassen.

Der Pod des Swissloop-Teams 2019/20 bei der Präsentation im Innovationspark Dübendorf. (Source: Daniel Winkler / Empa)
Der Pod des Swissloop-Teams 2019/20 bei der Präsentation im Innovationspark Dübendorf. (Source: Daniel Winkler / Empa)

Jeden Herbst begann für das Swissloop-Team die heisse Phase; es ging darum, sich mit einem neu entwickelten Pod für den Hyperloop-Wettbewerb im darauffolgenden Sommer in Los Angeles zu qualifizieren. Doch Ende letzten Jahres kristallisierte sich heraus, dass der Wettbewerb 2020 nicht stattfinden würde. So setzte das Team aus Ingenieur-Studentinnen und -Studenten der ETH Zürich für ihren Pod andere Schwerpunkte in der Entwicklung und konzentrierte sich erstmalig nicht allein auf das Erreichen einer möglichst hohen Endgeschwindigkeit, das eigentliche Ziel des Hyperloop-Wettbewerbs.

Ein skalierbarer "Baby-Pod"

Mit dem Pod "Claude Nicollier" schrieb das Team 2019 Geschichte, indem es einen eigens entwickelten linearen Induktionsmotor einsetzte. Diese Technologie entwickelte das Swissloop-Team für 2020 weiter und setzte sie in einem kompakteren, günstigeren, dafür aber skalierbaren Motor um. Der Pod "Simona de Silvestro" – benannt nach der Schweizer Automobilrennfahrerin – wiegt mit 110 Kilogramm nur etwa die Hälfte des vorjährigen Modells. Da die Geschwindigkeit in den Hintergrund rückte, konzentrierte sich das Team auf andere Komponenten und Systeme, die sonst weniger zentral sind.

Software bildet immer einen entscheidenden Teil des Antriebs, kommt aber manchmal zu kurz, da das Zusammenbauen des Pods vor dem Launch viele Ressourcen schluckt. Schliesslich läuft die Arbeit am Pod durchgehend über zwei Semester, auch während der Prüfungsphase. Als gegen März sämtliche bestellten Bauteile nach und nach aus der Produktion eintrafen, konnte sich das Team jedoch wegen des Lockdowns nicht mehr in ihren Werkstatträumen an der Empa treffen, um den Pod zusammenzubauen. Die Konstruktionsphase verzögerte sich damit, doch die Entwicklungsarbeit stand deswegen keineswegs still. Gewisse Bauteile schickten sich die angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure zur Begutachtung hin und her. Und die Arbeit an besagter Steuersoftware konnte vorangetrieben und verfeinert werden.

Das Swissloop-Team 2018/19 mit Astronaut und Namensgeber Claude Nicollier sowie mit dem längeren und deutlich schwereren Pod "Claude Nicollier" bei der Präsentation in der Empa-Akademie am 12. Juni 2019. (Source: Simone Meierhofer / ETH Zürich)

Neues Swissloop-Team gebildet

Aufgrund der Corona-bedingten Verzögerungen stellte das Swissloop-Team 2019/20 seinen Pod "Simona de Silvestro" am 15. September im Innovationspark Dübendorf vor. Das Nachfolgeteam für 2020/21 ist unterdessen bereits neu zusammengestellt. Ob der Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk im kommenden Jahr durchgeführt wird, ist allerdings noch unklar. Der Motivation und dem Interesse des Teams an der Hyperloop-Idee tut dies indes keinen Abbruch. Neben der Forschung und Ausbildung, die beim Projekt immer noch im Mittelpunkt stehen, vernetzt sich das Schweizer Team nun stärker mit anderen europäischen Teams, um vielleicht bald eine eigene Hyperloop-Competition auf die Beine stellen.

Dieser Beitrag ist zuerst auf der Website der Empa erschienen.

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