Daten von Proton führen zu Verhaftung in Spanien
Die spanische Polizei hat einen Proton-Nutzer verhaftet. Zuvor gab das Schweizer Unternehmen dessen Nutzerdaten an die Strafverfolger weiter. Dies ist kein Einzelfall, denn Strafverfolger fordern Proton immer häufiger zur Herausgabe von Nutzerdaten auf.
Proton, ein Unternehmen, das unter anderem einen End-to-End-verschlüsselten E-Mail-Dienst anbietet, hat Nutzerdaten an spanische Behörden weitergegeben. Wie "Restore Privacy" schreibt, fragten die Strafverfolger beim in Genf ansässigen Unternehmen nach der Wiederherstellungs-E-Mail-Adresse eines Nutzers. Mit dieser E-Mail-Adresse wandte sich die Polizei an Apple. Der US-amerikanische Tech-Konzern wiederum lieferte weitere Informationen über die zur E-Mail-Adresse gehörenden Person, was zur Identifikation und am Ende zur Verhaftung des Proton-Nutzers führte.
Der betroffene Nutzer ist ein Mitglied der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung Democratic Tsunami. Laut "Restore Privacy" führt die Gruppierung Proteste und Strassenblockaden durch. Wie Andy Yen, CEO von Proton Mail, auf X (ehemals Twitter) schreibt, berief sich die spanische Polizei auf in der Schweiz geltende Anti-Terror-Gesetze, um Proton Mail zur Herausgabe der E-Mail-Adresse zu zwingen.
The name/address of the terrorism suspect was actually given to police by Apple, not Proton. The terror suspect added their real-life Apple email as an optional recovery address in Proton Mail. Proton can't decrypt data, but in terror cases Swiss courts can obtain recovery email.
— Andy Yen (@andyyen) May 7, 2024
Behörden wollen immer häufiger Daten von Proton
Dass Proton Daten an Strafverfolger weitergibt, ist kein Einzelfall. Im Transparency Report auf der eigenen Website gibt Proton an, dass das Unternehmen im Jahr 2023 5971 Mal Nutzerdaten weitergeben musste. Dies ist etwas mehr als im Vorjahr, in dem Proton Mail 5957 mal Daten herausrückte. 2021 passierte dies noch weniger als 5000 mal.
Apropos: 2021 gab Proton den Schweizer Behörden Daten weiter, die schlussendlich zu der Verhaftung eines französischen Klimaaktivisten führten. Mehr zu diesem Fall lesen Sie hier.
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