Bundesrat muss handeln

Update: Nationalrat will eine souveräne Schweizer KI-Infrastruktur

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von René Jaun und Andreas Huber und jor

Zusammen mit diversen Partnern soll der Bund eine souveräne digitale Infrastruktur aufbauen. Nach dem Ständerat befürwortet auch der Nationalrat eine entsprechende Motion. Der Bundesrat wollte den Vorstoss ablehnen, und die Nationalratskommission nahm ihn nur mit hauchdünner Mehrheit an.

(Source: marcelkessler / Pixabay)
(Source: marcelkessler / Pixabay)

Update vom 25.9.2026: Der Bundesrat soll den Aufbau einer souveränen digitalen Infrastruktur ermöglichen. Nach dem Ständerat nimmt auch der Nationalrat die entsprechende Motion an und überweist sie damit an den Bundesrat. Die grosse Kammer stimmte dem Vorstoss mit 126 zu 66 Stimmen zu, wie dem Ratsprotokoll zu entnehmen ist. Sie folgt damit einer – allerdings hauchdünnen – Mehrheit ihrer vorberatenden Kommission, die sich mit 13 zu 12 Stimmen für eine Annahme aussprach.

Diese Mehrheit lobt im Bericht zur Motion die bereits laufenden Bemühung des Bundes, namentlich die Swiss Government Cloud (SGC). Allerdings würden von dieser Infrastruktur lediglich Behörden profitieren und es sei "nicht vorgesehen, dass die SGC für den privaten Sektor Dienstleistungen erbringt", fügt sie hinzu. Die Kommissionsmehrheit sieht zudem einen Handlungsbedarf, der über die bereits überwiesenen Motionen herausgeht. Namentlich nennt sie hier die Bereiche Cybersicherheit und künstliche Intelligenz. Gefordert seien "zeitnahe und umfassende Lösungen", um "Rechtssicherheit in diesem sich schnell entwickelnden Bereich zu schaffen und Zuständigkeiten zu definieren".

Die Minderheit der Kommission begrüsst zwar grundsätzlich eine Stärkung der digitalen Souveränität der Schweiz. Sie findet aber, "dass die bestehenden Rechtsgrundlagen ausreichen, um Massnahmen diesbezüglich umzusetzen". Zudem warnt sie vor einem hohen und ungewissen finanziellen Aufwand" und davor, durch das Binden neuer Ressourcen laufende Projekte zu verlangsamen.

Originalmeldung vom 23.03.2026:

Ständerat sagt Ja zu souveräner KI-Infrastruktur

Der Ständerat spricht sich für eine souveräne digitale KI-Infrastruktur für die Schweiz aus. Die kleine Kammer nahm die Motion "Für eine souveräne digitale Infrastruktur in der Schweiz im Zeitalter der künstlichen Intelligenz" mit 31:11 Stimmen an, wie die Parlamentsdienste mitteilen. Ständerat Charles Juillard (Mitte/JU) hatte den Vorstoss eingereicht.

"Unsere Gesellschaften sind heute auf digitale Infrastrukturen angewiesen: Datenspeicherung, Cloud-Dienste, digitale Identität, künstliche Intelligenz und Online-Verwaltungsdienste. Für einen modernen Staat wie die Schweiz sind diese Infrastrukturen ebenso strategisch wichtig wie Strassen, Energie- oder Telekommunikationsnetze", führt Initiant Juillard in einem Votum zur Abstimmung aus. Ein Grossteil dieser digitalen Infrastrukturen sei jedoch mittlerweile von ausländischen Anbietern, insbesondere grossen amerikanischen Technologiekonzernen, abhängig. Angesichts dieser Situation stelle sich die Frage der digitalen Souveränität. 

Die Motion beauftragt den Bundesrat, "eine Gesetzesrevision vorzulegen, damit der Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Forschungsinstituten und der Privatwirtschaft den Aufbau einer souveränen digitalen Infrastruktur (einschliesslich eines Cloud-Dienstes und einer eigenständigen Austauschplattform) vorantreiben, mitfinanzieren, steuern und überwachen kann", wie es im eingereichten Text heisst. Ziel sei es, "Cybersicherheit und die digitale Souveränität der Schweiz zu stärken und gleichzeitig die neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit KI anzugehen, die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Digitalisierungsbereich zu erhalten und die Schweizer Demokratie vor einer potenziellen Einmischung von aussen zu schützen".

Bundesrat empfahl Ablehnung

Der Bundesrat hatte am 22. Mai 2024 empfohlen, die Motion abzulehnen. In seiner Begründung anerkennt er zwar die dringende Notwendigkeit, parallel zu seiner digitalen Strategie auch eine digitale Infrastruktur sowie ein eigenständiges souveränes Netzwerk zu entwickeln, hält jedoch einen Schweizer Alleingang für nicht umsetzbar. Zudem erfordere die Cybersicherheit abgesehen von Diensten von "Technologieriesen" auch eine flexible Mischung aus lokal entwickelten und betriebenen öffentlichen und privaten Diensten. Hier sehe der Bundesrat noch erheblichen Handlungsbedarf. 

In der Stellungnahme des Bundesrates heisst es ausserdem: "Bereits heute besteht mit Art. 11 des Bundesgesetzes über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG; SR 172.019) eine rechtliche Grundlage, welche die Bundesbehörden ermächtigt, den Kantonen und Gemeinden sowie Organisationen und Personen des öffentlichen oder privaten Rechts IKT-Mittel zur Verfügung zu stellen."

Zudem habe das Parlament das Postulat Z’Graggen "Strategie Digitale Souveränität der Schweiz" angenommen. Das Anliegen der Motion nach einer gesetzlichen Grundlage sei aus der Sicht des Bundesrates damit teilweise bereits erfüllt. Ausserdem prüfe man das Anliegen bereits im Rahmen von Vorstössen wie jenem von Ständerätin Heidi Z’graggen sowie weiterer Arbeiten. Mehr über diesen Vorstoss erfahren Sie im Interview mit Ständerätin Heidi Z’graggen. 

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