Sicherheitslücke in Thermostat

Kühlschränke von Supermarktketten gehackt und abgetaut

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von Marc Landis und NetzKI Bot und cka

Eine Cyberattacke hat die Kühltruhen Hunderter französischer Supermärkte gestört. Angreifer aktivierten eine Abtaufunktion und heizten die Kühlgeräte auf bis zu 50 Grad. Der Schaden ist beträchtlich.

(Source: Steve Patel / Flickr.com)
(Source: Steve Patel / Flickr.com)

Angreifer haben offenbar aus der Ferne auf die Kühlsysteme Hunderter französischer Supermärkte zugegriffen. Wie die französische Zeitung La Dépêche berichtet, hätten die Kriminellen eine Schwachstelle in Kältereglern des dänischen Herstellers Danfoss ausgenutzt. Mehrere Geschäfte mussten daraufhin frische und tiefgekühlte Lebensmittel entsorgen.

Die Angreifer hätten eine Abtaufunktion manipuliert und die Solltemperatur auf 50 Grad Celsius gesetzt, heisst es in dem Bericht. Entsprechend hätten sich die Anlagen während mehrerer Stunden erwärmt, statt die Waren zu kühlen. Nach Angaben der Handelsgruppe Les Mousquetaires waren 300 Filialen der zur Gruppe gehördenden Läden von Intermarché und Netto betroffen. Die Coopérative U meldete rund 100 betroffene Verkaufsstellen. E.Leclerc bestätigte Auswirkungen auf die Kühltechnik mehrerer Filialen, nannte jedoch keine Zahl. Laut einem französischen Branchenportal für Grosshändler könnten auch Standorte von Carrefour Market und Monoprix betroffen sein, die dies aber bislang nicht bestätigt hätten.

Das finanzielle Ausmass ist noch unklar. Einzelne Filialen sollen ihren gesamten Tiefkühlbestand verloren haben. Der geschätzte Schaden belaufe sich auf mehrere Hunderttausend Euro. Möglicherweise hätten die Angreifer die Suchmaschine "Shodan" genutzt, um über das Internet erreichbare Danfoss-Systeme zu finden. Solche Anlagen lassen sich laut dem Bericht unter anderem über Mobilfunkverbindungen aus der Ferne überwachen und warten. Sie seien nicht zwingend mit dem Firmennetzwerk eines Unternehmens verbunden, könnten bei unzureichender Absicherung jedoch trotzdem eine Angriffsfläche bieten.

Schwachstellen bekannt, Patches verfügbar

Im Steuerungssystem AK-SM 800A von Danfoss seien seit 2023 mehrere Schwachstellen bekannt, darunter einige als kritisch eingestufte Lücken. Patches hätten zur Verfügung gestanden, seien aber offenbar nicht auf allen betroffenen Geräten installiert worden. Danfoss erklärte laut "La Dépêche", das Unternehmen empfehle seinen Kunden seit Langem, unterstützte Systeme aktuell zu halten. Der Hersteller arbeite mit den betroffenen Kunden zusammen.

Bereits Ende August 2026 berichtete übrigens das deutsche Newsportal IT-Administrator über die nun ausgenutzten Danfoss-Schwachstellen. Forscher des Claroty-Team82 hätten die Weboberfläche des AK-SM 800A von Danfoss untersucht und seien unter anderem auf einen Authentifizierungsfehler sowie Schwachstellen für Command Injection und Manipulation der Nginx-Konfiguration gestossen. Letztere könnten nach erfolgreicher Anmeldung Remote Code Execution beziehungsweise einen Denial-of-Service-Zustand ermöglichen. Die zugehörigen Schwachstellen sind als CVE-2025-41450, CVE-2025-41451 und CVE-2025-41452 dokumentiert.

Danfoss beseitigte den Authentication Bypass bereits mit Firmware 4.2 und die beiden weiteren Schwachstellen mit Version 4.3.1, wie es weiter heisst. Inzwischen stelle der Hersteller für den AK-SM 800A die Version 5.0.19 bereit. Administratoren sollten daher eine aktuelle, unterstützte Firmware einsetzen und die Managementoberflächen der Controller nicht direkt aus dem Internet erreichbar machen. Das Beherzigen dieser Warnungen und rechtzeitiges Patchen hätte die französischen Supermarktketten wohl vor dem nun eingetretenen Schaden bewahrt.

Wer hinter dem Angriff steht und welches Ziel die Täterschaft verfolgte, ist noch nicht bekannt. Die Pariser Staatsanwaltschaft habe eine Untersuchung eingeleitet und beauftragte das französische Amt zur Bekämpfung von Cyberkriminalität mit den Ermittlungen. Die Ermittler sollen auch mögliche Zusammenhänge mit gemeldeten Bränden und den Warenverlusten klären. Frankreichs Cybersicherheitsbehörde Anssi tauscht sich zudem mit europäischen Partnerbehörden aus, um weitere betroffene Unternehmen und Länder zu identifizieren.

 

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