Swiss Government Cloud

Bund schreibt Cloud-Aufträge für bis zu 7 Milliarden Franken aus

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von Joël Orizet und NetzKI Bot und jme

Der Bund startet die Beschaffung für die Swiss Government Cloud. Er schreibt fünf Aufträge im Umfang von bis zu 7 Milliarden Franken aus. Die Ausschreibung umfasst drei Stufen: internationale Cloud-Dienste, Angebote mit Datenverarbeitung in der Schweiz und eine Private Cloud in Bundesrechenzentren.

(Source: Vladyslav Tykhonov / stock.adobe.com)
(Source: Vladyslav Tykhonov / stock.adobe.com)

Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) hat die Ausschreibung für die Swiss Government Cloud (SGC) gestartet. Damit treibt es die Erneuerung der Cloud-Infrastruktur der Bundesverwaltung voran, die zunehmend an ihre Grenzen stösst. Die Ausschreibung umfasst drei Lose mit insgesamt fünf Zuschlägen und einem maximalen Beschaffungsvolumen von 7 Milliarden Franken über 14 Jahre, wie der Bund mitteilt.

Die neue Infrastruktur soll Cloud-Dienste verschiedener Anbieter mit einer Private Cloud in den Rechenzentren des Bundes kombinieren. Dafür sieht der Bund drei Stufen vor: Die erste umfasst Cloud-Dienste internationaler Anbieter. Die zweite setzt auf Angebote mit ausschliesslicher Datenhaltung und -verarbeitung in der Schweiz sowie auf Open-Source-Lösungen. Die dritte Stufe sieht eine Private Cloud in Bundesrechenzentren vor, insbesondere für besonders schutzwürdige Anwendungen.

Bund will Abhängigkeiten reduzieren

Für die beiden Public-Cloud-Stufen will der Bund jeweils zwei Aufträge vergeben, für die Private Cloud einen. Jeder Anbieter darf nur einen Zuschlag erhalten. Damit will der Bund die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern und Rechtsordnungen verringern. Die Ausschreibung schreibt laut Bund keine bestimmten Hersteller, Produkte oder Technologien vor. Nach sieben Jahren will der Bund den Markt erneut öffnen.

Bei der früheren Ausschreibung "Public Clouds Bund" gingen sämtliche fünf Zuschläge an ausländische Konzerne: Amazon Web Services, Microsoft, IBM, Oracle und Alibaba. Damals mussten die Unternehmen unter anderem über Rechenzentren auf mindestens drei Kontinenten verfügen. Für die Swiss Government Cloud legte das Parlament 2024 fest, dass der Bund bei Beschaffungen nach Möglichkeit offene Standards, Open-Source-Software und Unternehmen mit Sitz in der Schweiz bevorzugen soll. Ob kleinere Schweizer Cloud-Anbieter diesmal eine realistische Chance haben, bleibt offen.

7 Milliarden Franken als Obergrenze

Das maximale Beschaffungsvolumen verteilt sich auf je 2 Milliarden Franken für die beiden Public-Cloud-Stufen und 3 Milliarden Franken für die Private Cloud. Die Summe stellt allerdings lediglich eine Obergrenze dar: Der Bund bezahlt nur tatsächlich bezogene Cloud-Leistungen. Bei der Berechnung berücksichtigte er neben den heutigen Cloud-Ausgaben auch den erwarteten Mehrbedarf durch die Digitalisierung sowie eine mögliche Nutzung durch Kantone und Gemeinden.

Die 7 Milliarden Franken sind nicht mit den Kosten für den Aufbau der Swiss Government Cloud zu verwechseln. Dafür veranschlagt der Bund 319,4 Millionen Franken, wovon das Parlament 246,9 Millionen als Verpflichtungskredit bewilligt hat. Darin sind allerdings weder die Kosten für die spätere Nutzung der Cloud-Dienste noch jene für die Migration bestehender Anwendungen enthalten. Diese Ausgaben tragen die jeweiligen Bundesämter.

Erste Cloud-Leistungen ab Ende 2027

Das Vergabeverfahren beginnt mit einer 60-tägigen Präqualifikationsphase. Anschliessend können die ausgewählten Unternehmen ihre Angebote einreichen. Sofern keine Einsprachen das Verfahren verzögern, will der Bund die Zuschläge im Spätsommer 2027 erteilen. Erste Cloud-Leistungen sollen die Behörden ab Spätherbst 2027 beziehen können. Der Aufbau der Swiss Government Cloud ist bis 2032 geplant.

Offen bleibt, wie wirtschaftlich die neue Infrastruktur für den Bund insgesamt sein wird. Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) stellte Ende 2025 fest, dass der wirtschaftliche Nutzen der SGC für den Bund als Ganzes noch nicht belegt sei. Das BIT wollte diesen Nutzen 2026 berechnen. Ob eine entsprechende Berechnung inzwischen vorliegt, geht aus der aktuellen Mitteilung nicht hervor.

 

Übrigens: Die Zürcher Datenschutzbeauftragte Dominika Blonski sieht in der Swiss Government Cloud Chancen für mehr digitale Unabhängigkeit der Gemeinden. Welche Datenschutzfragen dabei offenbleiben, lesen Sie hier.

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