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E-Paper will auch Digital Signage sein

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Noch fristet E-Paper ein Nischendasein im Bereich Digital Signage. Es spricht aber vieles für die Technologie. Die Redaktion sprach mit zwei Anbietern, Lancom und E-Ink, über Chancen und Möglichkeiten.

Die E-Paper-Technologie hat das traditionelle Buch in das digitale Zeitalter gehoben. Die Displays verfügen über eine statische Anzeige. Die Bilder werden also ohne Flimmern dargestellt. Für Leseratten und Bücherwürmer ideal, da auch längeres Starren auf den Schirmen angenehm bleibt.

Seit geraumer Zeit suchen Anbieter der E-Paper-Technologie auch im Digital-Signage-Markt ihren Platz. Vor allem im Bereich der kleineren Formate werden sie fündig. Zu diesem Segment zählen etwa digitale Namensschilder oder auch Beschriftungen von Konferenzräumen.

Stefan Herrlich, Geschäftsführer von Lancom Systems, geht davon aus, dass in diesem Bereich die Nachfrage massiv anziehen wird. "Einer der Haupttreiber ist die steigende Nachfrage nach elektronischen Preisschildern im Einzelhandel", sagt er auf Anfrage. Media Markt etwa rüstete hierzulande unlängst auf derartige Preisschilder um.

Der Hersteller Lancom, der selber auch derartige Produkte anbietet, geht davon aus, dass kurz- bis mittelfristig Millionen derartiger Displays im Einsatz sein werden. "Das dürfte die sinkende Nachfrage im Bereich der E-Paper-basierten Reader mehr als kompensieren", sagt Herrlich.

Energieeffizient und mobil einsetzbar

Diese Erwartung ist nicht unbegründet. Vieles spricht für die Technologie. Um ein Bild anzuzeigen, verbrauchen die Displays keine Energie. Strom benötigen sie nur, wenn sich die angezeigten Inhalte ändern. Das macht die Technologie äusserst energieeffizient.

Diese Energieeffizienz macht sie wiederum enorm flexibel. "Die meisten E-Paper-Lösungen können auch mit Solar-Energie und Batterien betrieben werden", sagt Giovanni Mancini, Head of Global Marketing bei E-Ink auf Anfrage. Bei mehrfachen Wechseln pro Tag beträgt die Batterielebensdauer für E-Paper-Displays mehrere Jahre.

Dank Batteriebetrieb sind auch mobile Wireless-Lösungen möglich. Der Kunde muss also lediglich ein Display aufstellen und schon hat er eine fertige Digital-Signage-Installation – ohne Fachkenntnisse. "Erst zur Integration in das Netzwerk über Funk braucht es einen IT-Experten", sagt Herrlich. Dieser könne aber auch aus der Ferne arbeiten.

Geringe Kosten, hoher Betrachtungswinkel

Aufgrund der Darstellungstechnik sind die angezeigten Inhalte auch bei sehr hellen Lichtverhältnissen problemlos oder sogar noch besser zu lesen. LCD- und LED-Displays müssten ihren Energieverbrauch massiv steigern, um denselben Effekt zu erzielen, sagt Mancini. "Nachts genügt eine simple Beleuchtung von Vorne", sagt Mancini.

Ferner verfügen die Geräte über einen sehr hohen Betrachtungswinkel. Denn die Displays sind sehr dünn, was den Abstand zwischen den Bildinhalten und den Bildgebenden Elementen möglichst gering hält. Die Auflösung ist mit konventionellen Displays vergleichbar.

Der geringe Energieverbrauch und die leichte Handhabung spiegeln sich in den Kosten wieder. "Auf die gesamte Lebensdauer gerechnet, sind die Kosten für Kauf, Installation, Wartung und Betrieb gering", sagt Herrlich.

Die Basis der nächsten Generation

Trotz diesen Vorteilen, fristet die Technologie im Signage-Markt noch immer ein Nischendasein. Denn gewisse Einschränkungen gibt es doch. Die Energieeffizienz etwa beruht auf einer geringen Anzahl von Anzeigewechseln pro Tag. Das macht die Technologie jedoch denkbar ungeeignet für Video-Installationen mit bewegten Bildern. Bewegte Sujets sind jedoch derzeit in der Signage-Branche gern gesehen.

Ein weiteres Problem ist die Farbenpracht. E-Paper-Displays werden wohl in erster Linie mit monochromen E-Readern in Verbindung gebracht. Tatsächlich setzen sich aber langsam die ersten Modelle durch, die mehrere Farben darstellen können. Gemäss Herrlich werden sich im Handel langfristig derartige Displays mit mindestens zwei Farben durchsetzen. "Da hierüber eine ideale Signalwirkung erzielt werden kann", sagt Herrlich.

Auch E-Ink verspricht mehr Farben in seine Bildschirme zu bringen. Ende Mai kündigte der Hersteller eine neue Display-Technologie an: ACEP. Die Abkürzung steht für Advanced Color E-Paper. Gemäss Herstellerangaben könnten die Displays das komplette Farbspektrum abdecken.

Bisher präsentierte der Hersteller lediglich ein 20-Zoll-ACEP-Display. Dieses verfügt gemäss Mitteilung über eine Auflösung von 1600 x 2500 bei 150 Pixeln pro Zoll. Nach eigenen Angaben arbeitet E-Ink aber daran, die Technologie weiter zu entwickeln. Sie soll zur Basis der nächsten Display-Generation werden.

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