Alexander Lehrmann im Podium

Wo Sunrise die Vorteile von 5G für die Industrie 4.0 sieht

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von Coen Kaat

Der neue Mobilfunkstandard 5G verspricht mehr als nur schnelleres Netflixen. Auch für die Industrie 4.0 bieten die hohe Bandbreite und die niedrige Latenz von 5G zahlreiche Vorteile – etwa wenn es darum geht, die Fertigung zu vernetzen. Wie die Industrie von 5G profitiert, sagt Alexander Lehrmann, Director New Business and Innovation bei Sunrise Communications.

Alexander Lehrmann Director New Business and Innovation, Sunrise Communications. (zVg)
Alexander Lehrmann Director New Business and Innovation, Sunrise Communications. (zVg)

Wie profitiert die Industrie 4.0 vom neuen Mobilfunkstandard 5G?

Alexander Lehrmann: Industrie 4.0 basiert auf der Vernetzung und Digitalisierung der Produktion. Sie profitiert von den Netzwerkeigenschaften, die 5G mit sich bringt, und der Fähigkeit von Unternehmen, grosse Datenmengen von vielen Endgeräten nahezu in Echtzeit zu bewegen. Es eröffnen sich neue Optimierungsmöglichkeiten bei der Gestaltung und dem Betrieb von Fabriken, zum Beispiel bei der Automatisierung, Produktionsprozesssteuerung, beim Supply Chain Management sowie bei Service und Wartung.

Was davon ist bereits Realität, was noch Zukunftsmusik?

Die Technologie ist da, um Industrie 4.0 und deren Wirkungen auch zu realisieren. Viele Unternehmen haben nicht mehr nur Pläne und nehmen Testinstallationen vor, sondern wollen die Projekte in den laufenden Betrieb integrieren. Sunrise unterstützt diesen Übergang mit einem 5G-­Innovationslab und Test- sowie Proof-of-Concept-Funktionen.

Welche Vorteile bietet 5G für industrielle IoT-Anwendungen im ­Vergleich zu bisherigen Standards, wie etwa LTE/4G?

5G bietet für Kunden zugeschnittene, skalierbare Bandbreiten und Remote-Rechenleistungen, die zum Sammeln und Verarbeiten der wachsenden Datenmengen erforderlich sind. Mit 5G rückt der Fokus vom Smartphone auf Maschinen, Prozesse und Umgebungen und optimiert damit das Internet der Dinge, was (Industrie-)Kunden ermöglicht, Wettbewerbsvorteile zu entwickeln.

Inwiefern werden Unternehmen durch diese Entwicklung ge­zwungen, mit grossem finanziellem Aufwand aufzurüsten, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen?

Diese technologische Entwicklung wird Unternehmen fordern, neue Wettbewerbsvorteile beziehungsweise Erfolgspotenziale zu schaffen. Diese wahrzunehmen und entsprechende Investitionen zu planen, gehört zur unternehmerischen Aufgabe. Alle Industrieunternehmen sind von 5G mehr oder weniger betroffen. Deshalb sollte jedes Unternehmen frühzeitig eine 5G-Analyse durchführen, um die Bedeutung einer 5G-Infrastruktur zu erkennen und gegebenenfalls mit geeigneten Piloten zu starten.

Welche Chancen eröffnen sich dadurch für Schweizer IT-Dienstleister, Systemintegratoren und Fachhändler?

Die 5G-Technologie ist ein Enabler für verschiedene Bereiche und Geschäftsmodelle, ähnlich wie das Internet für E-Commerce, Search, ­Social Media und so weiter. Sie bietet eine relativ neue Geschäftsplattform, die Möglichkeiten rund um Technologien wie IoT, AR/VR, Datenplattformen, Cloud, Digital Twins usw. eröffnet. Die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Gebiet wird steigen.

Welche Herausforderungen stellt eine so vernetzte Industrie an die Netzwerkinfrastruktur?

Die grösste Herausforderung ist die komplette Abdeckung des Landes mit einer 5G-Infrastruktur, um das Potenzial von 5G voll ausschöpfen zu können. Vollautomatisiertes Fahren etwa, bei dem das Fahrzeug permanent mit der Verkehrsinfrastruktur und der Umwelt kommuniziert, ist nur möglich, wenn das Auto überall per 5G kommunizieren kann. Das 5G-Netz von Sunrise deckt heute schon über 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung mit Basis-5G und über 686 Städte und Orte mit Highspeed-5G ab.

Die Antworten der anderen Teilnehmer des Podiums:

  • Martin Bürki, Ericsson: "Um wettbewerbsfähig zu bleiben, führt kein Weg an der Digitalisierung der industriellen Produktionsprozesse vorbei."

  • Julian Dömer, Swisscom: "5G ist für die Industrie das, was 4G für das Smartphone war: eine Innovationsplattform, auf der alles aufbaut."

  • Christian Kuster, Huawei: "Dank 5G kann das 'Internet of Everything' effizient und zielführend umgesetzt werden."

  • Tarek Larbi, Siemens: "Drahtlose Kommunikation ist in der Industrie kein Novum."

  • Patrick Langelaan, Nokia: "2022 werden wir mehr sicherheitskritische und Echtzeit-Anwendungen sehen."

  • Eric Wolff, Salt: "Für Unternehmen sehen wir neue Möglichkeiten jenseits der üblichen IT-Lieferanten."

  • Michael Täuber, Tech Data: "Die Verbreitung von flächendeckendem 5G-Empfang und die Anzahl 5G-fähiger Devices ist noch recht überschaubar."

Webcode
DPF8_204308

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