Christian Kuster im Podium

Welche Rolle 5G laut Huawei für die Industrie 4.0 spielt

Uhr
von Coen Kaat

Der neue Mobilfunkstandard 5G verspricht mehr als nur schnelleres Netflixen. Auch für die Industrie 4.0 bieten die hohe Bandbreite und die niedrige Latenz von 5G zahlreiche Vorteile – etwa wenn es darum geht, die Fertigung zu vernetzen. Wie die Industrie von 5G profitiert, sagt Christian Kuster, CTO Network, Enterprise Business Group von Huawei Technologies Switzerland.

Christian Kuster, CTO Network, Enterprise Business Group, Huawei Technologies Switzerland. (Source: zVg)
Christian Kuster, CTO Network, Enterprise Business Group, Huawei Technologies Switzerland. (Source: zVg)

Wie profitiert die Industrie 4.0 vom neuen Mobilfunkstandard 5G?

Christian Kuster: Dank 5G kann das "Internet of Everything" effizient und zielführend umgesetzt werden. Ausser Menschen werden sämtliche Elemente des IoT - Devices, Sensoren, Maschinen und ganze Produktionsanlagen - vernetzt. Mit diesen Verbindungen in extrem hoher Dichte und niedriger Latenz (1ms) bei höchster Zuverlässigkeit (10-9 Error Rate) werden viele industrielle Prozesse und Produktionen beschleunigt und gewisse Anwendungen wie autonomes Fahren oder mobile und hochauflösende AR-/VR-Applikationen überhaupt erst möglich.

Was davon ist bereits Realität, was noch Zukunftsmusik?

Der Tourismussektor profitiert bereits von der höheren Bandbreite und Kapazität in Form von 4k-/8k-Live-Videostreams; in Industrieanlagen kommen VR-/AR-Anwendungen mit vernetzten hochauflösenden Kameras, Sensoren und Steuerungen zum Einsatz. Viele aktuelle und zukünftige Projekte - etwa Smart Farming zur Reduktion von Pestiziden & Herbiziden - können heute schon in unserem Joint Innovation Center mit Sunrise angeschaut werden. Die ganze Palette an Applikationen wird mit Phase 2 der 5G-Netze (Standalone) verfügbar werden. Die Schweiz und Europa haben hier Aufholbedarf, denn solche Netze werden in anderen Teilen der Welt schon kommerziell genutzt.

Welche Vorteile bietet 5G für industrielle IoT-Anwendungen im Vergleich zu bisherigen Standards, wie etwa LTE/4G?

5G bietet eine bis 30-mal höhere Kapazität bei viel kleinerer Latenz und ist um ein Vielfaches effizienter. Für die gleiche Datenmenge benötigt man mit 5G nur etwa ein Zehntel so viel Energie wie mit 4G. Dadurch und mit der viel höheren Dichte - bis 1 Million Verbindungen pro Quadratkilometer - ist diese universelle Übertragungstechnologie attraktiv für die meisten Szenarien im Industrie- wie Consumerbereich.

Inwiefern werden Unternehmen durch diese Entwicklung ­gezwungen, mit grossem finanziellem Aufwand aufzurüsten, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen?

Die ganz grossen Investitionen fallen bei den Netzbetreibern an. Unternehmen, die in 5G investieren, steigern ihre Wettbewerbsfähigkeit, ihre Produktivität und Effizienz. Dank des dadurch ausgelösten Wachstumsschubs können gesamtgesellschaftlich viele Arbeitsplätze erhalten ­sowie neue geschaffen werden.

Welche Herausforderungen stellt eine so vernetzte Industrie an die Netzwerkinfrastruktur?

Ausser der Sicherheit und Stabilität ist vor allem die Standardisierung ein ganz grosses Thema. Huawei arbeitet intensiv mit den internationalen Standardisierungsorganisationen zusammen und hat eine dedizierte Abteilung für Industrienormung am Standort Lausanne. Huawei gilt als das Unternehmen, das bisher weltweit am meisten zur Entwicklung und Standardisierung von 5G beigetragen hat.

Welche Chancen eröffnen sich dadurch für Schweizer IT-Dienstleister, Systemintegratoren und Fachhändler?

In den Bereichen Innovation und Kooperation sehe ich ganz grosses Potenzial. 5G wird hier mittelfristig für eine wahre Explosion sorgen.

Die Antworten der anderen Teilnehmer des Podiums:

  • Martin Bürki, Ericsson: "Um wettbewerbsfähig zu bleiben, führt kein Weg an der Digitalisierung der industriellen Produktionsprozesse vorbei."

  • Julian Dömer, Swisscom: "5G ist für die Industrie das, was 4G für das Smartphone war: eine Innovationsplattform, auf der alles aufbaut."

  • Tarek Larbi, Siemens: "Drahtlose Kommunikation ist in der Industrie kein Novum."

  • Alexander Lehrmann, Sunrise: "Alle Industrieunternehmen sind von 5G mehr oder weniger betroffen."

  • Patrick Langelaan, Nokia: "2022 werden wir mehr sicherheitskritische und Echtzeit-Anwendungen sehen."

  • Eric Wolff, Salt: "Für Unternehmen sehen wir neue Möglichkeiten jenseits der üblichen IT-Lieferanten."

  • Michael Täuber, Tech Data: "Die Verbreitung von flächendeckendem 5G-Empfang und die Anzahl 5G-fähiger Devices ist noch recht überschaubar."

Webcode
DPF8_204289

Kommentare

« Mehr