Gottardo 2016

Mit der Virtual-Reality-App den Gotthard erleben

Uhr | Aktualisiert

Heute wird der grösste Tunnel der Welt, der Gotthard-Basistunnel, eröffnet. Wer jetzt schon einen Blick auf das Megaprojekt werfen will, kann das tun - virtuell. Die SBB haben mit Partner Bitforge ihre Gottardo-App überarbeitet. Dafür mussten sie einige Herausforderungen meistern.

Die SBB hatten im März eine App lanciert. Die "Gottardo 2016"-App umfasst das Gottardo-Tunnel-Spiel, bei dem sich die User am Bau des Gotthard-Basistunnels beteiligen und gleichzeitig über das Bauprojekt informieren können. Pünktlich zur Eröffnung der Tunnels bringen die SBB ein Update. Sie erweiterten die „Gottardo 2016“-App mit Virtual-Reality-Anwendungen (VR).

Mit VR-Funktionen den Tunnel entdecken

Die SBB wollen es Kunden ermöglichen, den Tunnel zu erleben, auch wenn sie nicht an den Eröffnungsfeierlichkeiten des Gotthard-Basistunnels dabei sein können. Mit den VR-Funktionen der App können User den Gotthard-Basistunnel erkunden sowie die Gotthard-Region aus der Luft entdecken. Die Nutzer erhalten dabei Informationen rund um den Gotthard-Basistunnel und die Region.

Im Ganzen stehen den Nutzern drei verschiedene VR-Szenarien zur Verfügung. Bei Direttissima können sie den Gotthard überfliegen und so den Streckenverlauf des Tunnels aus der Luft nachverfolgen. Die Funktion Race zeigt den Usern einen Vergleich zwischen der alten Bahnroute, der Autobahnstrecke und der Route durch den neuen Basistunnel. Die Galerie lädt Besucher auf eine virtuelle Tour ein. Nutzer können so den Tunnel virtuell begehen.

Prototyp von Bitforge überzeugte

Für die Umsetzung der App evaluierten die SBB verschiedene Agenturen. Bitforge konnte sich schliesslich mit einem VR-Prototypen gegen die Mitbewerber durchsetzen, wie Sayanthan Jeyakumar, Project Manager Mobile bei den SBB, auf Anfrage mitteilt.

Da es sich für die SBB um ein neuartiges Projekt handelte, konnte die Agentur Bitforge laut CEO Reto Senn vom Konzept bis zur Umsetzung selbstständig arbeiten. Von den SBB erhielten sie Inputs zu Konzept und Inhalten.

Auch für ungeübte User

Das App-Projekt startete Ende November 2015 mit der Entwicklung des Tunnelspiels, das Mitte März 2016 lanciert wurde. Bitforge widmete sich ab Mitte Februar der Entwicklung des VR-Updates.

Die grösste Herausforderung bei der Umsetzung des Projekts war laut Jeyakumar und Senn die Gestaltung des User Interface. Die Kontrollen sind mit einem Knopf und einem Pointer limitiert. Ausserdem verloren ungeübte Nutzer im Modell die Orientierung. Deshalb entschied sich die SBB für eine kontrollierte Userführung. Die Anwender können sich also nicht frei bewegen, sondern müssen Points of Interest (POIs) und Heistluftballone ansteuern, indem sie diese visieren und anklicken. Auf diese Weise sollen auch ungeübte Personen die VR-App nutzen können. Für eine erleichterte Bedienung sorgt zudem ein Tutorial mit Erklärungen.

Eine weitere Herausforderung war für Bitforge die Wiedergabequalität der VR-Funktionen. Für ein optimales VR-Ergebnis muss die App 60 Bilder pro Sekunde anzeigen. Zudem wird jede Szene für jedes Auge individuell berechnet. Da Bitforge als Entwicklungsstudio für Spiele gute Kenntnisse in der 3-D-Entwicklung hat, konnten die Entwickler die Darstellung für alle VR-tauglichen Geräte wie das iPhone 6 oder das Samsung Galaxy S6 verbessern.

Mit dem iPhone an den Gotthard

Die Redaktion konnte die App mit seinen VR-Funktionen vor der Veröffentlichung des Updates ausprobieren. Als Testgerät kam ein iPhone 6 zum Einsatz. Die Funktionen Direttissima und Race zeigen eindrucksvolle Bilder aus schwindelerregender Höhe. Der User hat dabei das Gefühl, in der Luft zu schweben. Nicht schwindelfreie Personen werden damit wohl etwas Mühe haben.

Um sich vorwärts zu bewegen, müssen Luftballone angesteuert werden. Dies hilft, die bei Virtual Reality teils empfundene "Motion Sickness" zu verringern. Ausserdem wird dadurch die Steuerung vereinfacht und man findet sich in der Umgebung gut zurecht.

Ein weiteres Feature ist die Galerie. Diese bietet einen guten Eindruck des Tunnelinneren. Statt den gesamten Tunnelverlauf abzubilden, zeigt die Funktion einzelne Abschnitte des Tunnels.

VR in der Schweiz noch am Anfang

Jeyakumar sieht den VR-Boom in der Schweiz noch am Anfang. Aufgrund der günstigen Anschaffungskosten von Cardboards werde sich dies aber bald ändern. Zudem würden sich Schweizer laut Senn hochwertige Handys anschaffen, die für Virtual Reality geeignet sind.

Am Eröffnungswochenende sollen die Besucher von den SBB Cardboards erhalten und die App testen können. Auch die Hauptpartner Coop, Credit Suisse, Mobiliar, ABB, Mondaine und Stadler wollen Cardboards an ihre Kunden verschenken. Diese tragen übrigens auch die Kosten für die App. Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich, erklärt die SBB.

Die SBB visieren 50'000 Downloads an. Bis jetzt luden nach Angaben der SBB bereits 20'000 Nutzer die App herunter, die das Tunnelspiel umfasst. Sie sind überzeugt, dass auch noch nach der offiziellen Öffnung des Tunnels für alle Reisenden im Dezember die App noch gut genutzt wird.

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