Marktbericht IoT und IIoT

Nicht mehr die Technik, sondern der Mensch bremst das IoT

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Das Internet of Things und das Industrial Internet of Things sind weltweit die wichtigsten Technologietrends im Jahr 2020. Marco Bösch von T-Systems und Julian Dömer von Swisscom erklären, wo die Technologien in der Schweiz stehen und welche Hürden es noch zu überwinden gilt.

Das Internet of Things (IoT) wird im Jahr 2020 eine grosse Rolle spielen. Der Swico identifiziert IoT als wichtigsten globalen Technologietrend im laufenden Jahr. Innerhalb der Schweiz schafft er es laut dem Verband auf Platz 5. MSM Research nimmt an, dass die Ausgaben im Schweizer IoT-Bereich im Jahr 2020 um 35 Prozent wachsen.

 

Technische Entwicklungen fördern Anwendungen

Der Fokus verlagere sich zunehmend weg von den technischen Herausforderungen hin zu den eigentlichen Anwendungen, wie Marco Bösch, Experte Digital Solutions bei T-Systems Alpine Region, sagt. Das liege daran, dass die Voraussetzungen für IoT und Industrielles IoT (IIoT) immer besser werden, etwa wegen technologischen Entwicklungen im Bereich der Cloud oder Big Data. Gerade 5G vereint verschiedene Anforderungen des IoT, wie Julian Dömer, Head of Internet of Things bei Swisscom, sagt. Dazu gehören etwa private Netzwerke für Firmen inklusive Edge-Clouds, um Daten vor Ort zu verarbeiten. Auch höhere Bandbreiten für datenintensive Anwendungen würden dadurch ermöglicht. Als Beispiel für solche Anwendungen nennt Bösch etwa die Vernetzung von autonomen Fahrzeugen, welche "einen Quantensprung an Effizienz auslösen" könne.

Marco Bösch, Experte Digital Solutions bei T-Systems Alpine Region. (Source: zVg)

 

IoT und IIoT in der Schweiz

Bösch wie Dömer sind sich einig, dass es unterdessen kaum mehr technische Beschränkungen gibt, was IoT- und IIoT-Anwendungen betrifft. Dömer sieht die Herausforderung viel mehr im Menschen. Es bräuchte zurzeit Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen und unterschiedlichen Unternehmen, die ein gemeinsames Verständnis der Materie und gegenseitiges Vertrauen haben, um die nächsten Herausforderungen anzugehen. Aber Dömer sagt: "Häufig ist es schwierig oder unmöglich, ein Team mit Spezialisten mit allem nötige Know-How zusammenzubringen".

Doch würden über IoT-Sensorik schon fleissig Daten gesammelt, wie Bösch sagt. Etwa sind "die Ziele rund um Predictive Maintenance teilweise bereits erreicht oder in greifbarer Zukunft umsetzbar".

 

Die Sicherheit hinkt hinterher

IoT verbreitet sich immer mehr, wie Bösch sagt. Aber "wegen der rasanten Entwicklung gerät die Informationssicherheit ins Hintertreffen". Deswegen müssten bisher bewährte Sicherheitsansätze grundlegend überdacht werden. Dömer sagt, dass die Sicherheit bei IoT vielschichtig sei: "Sie beginnt bei der Erfassung von Daten, geht weiter bei der Übermittlung und bis hin zum Schutz der Daten, wenn man sie verarbeitet". Doch Bösch sagt: "Leider muss zum heutigen Zeitpunkt festgestellt werden, dass viele Hersteller und Administratoren von IoT-Geräten die grundlegendsten Sicherheitsvorkehrungen missachten und dadurch implizit Cyberattacken ermöglichen." Um dem entgegenzuwirken, empfiehlt er, die Sicherheitslücken von IoT-Geräten und -Ökosystemen sowie IT-Infrastrukturen aufzuspüren, bevor andere sie ausnutzen.

 

Julian Dömer, Head of Internet of Things bei Swisscom. (Source: zVg)

 

Die Zukunft des IoT-Markts

Bösch und Dömer sagen beide, dass IoT ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung ist. "Wir sind mit den unterschiedlichsten Firmen in Kontakt und entwickeln Anwendungen", sagt Dömer. "Wir gehen von einem starken Anstieg aus, weil sich IoT vom Konzept zur effektiven Anwendung wandelt".

Momentan gibt es für viele spezifische Anwendungsfälle noch individuelle IoT-Lösungen, wie Bösch sagt. Doch geht er davon aus, dass sich eine Standardisierung durchsetzen werde. Insbesondere das starke Wachstum von Plattformen mit Low-Code- und No-Code-Ansatz beschleunige die Ausbreitung von IoT, da sie auch "nicht-Programmierern" ermöglichen, Betriebsverbesserungen und Geschäftsinnovationen umzusetzen. Schweizer Firmen investieren zunehmend mehr in Konzepte der Digitalisierung und Innovation. Da IoT dafür "ein wichtiger Treiber ist, steht uns der eigentliche Hype noch bevor", sagt Bösch.

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