Cybersecurity-Pionier auf Abwegen

John McAfee verhaftet – USA drohen mit bis zu 30 Jahren Gefängnis

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von Coen Kaat

Die USA erheben Anklage gegen den in Spanien verhafteten Cybersecurity-Pionier John McAfee. Ihm wird Steuerhinterziehung in mehreren Punkten vorgeworfen. Sollte er verurteilt werden, könnte er bis zu 30 Jahre ins Gefängnis kommen.

John McAfee auf seinem offiziellen Twitter-Auftritt. (Source: Screenshot / https://twitter.com/officialmcafee)
John McAfee auf seinem offiziellen Twitter-Auftritt. (Source: Screenshot / https://twitter.com/officialmcafee)

John McAfee ist in Spanien verhaftet worden. Nun droht dem Cybersecurity-Pionier in den USA eine längere Haftstrafe. Die Anklageschrift, welche im Juni 2020 verfasst, aber erst am 5. Oktober veröffentlicht wurde, wirft ihm Steuerhinterziehung und die absichtliche Nichteinreichung einer Steuererklärung in mehreren Punkten vor.

Gemäss der Anklageschrift soll McAfee im vergangenen Jahrzehnt Millionen US-Dollar verdient haben – von 2014 bis 2016 mit öffentlichen Auftritten, von 2015 bis 2016 durch den Verkauf der Rechte für einen Dokumentarfilm über sein Leben, von 2016 bis 2018 mit Beratungsdienstleistungen und von 2017 bis 2018 mit Werbeaktivitäten für Initial Coin Offerings (ICOs). McAfee habe aber weder eine Steuererklärung zu diesen Punkten ausgefüllt noch Steuern gezahlt.

30 Jahre Haft und 1,75 Millionen US-Dollar Strafe

Wird McAfee verurteilt, droht ihm eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis für jeden Anklagepunkt wegen Steuerhinterziehung und eine Höchststrafe von einem Jahr Gefängnis für jede nicht eingereichte Steuererklärung. Zusammengezählt wären dies 30 Jahre.

John McAfee während einem Auftritt in Pasadena 2016. (Source: Gage Skidmore / Wiki Commons / CC BY-SA 2.0)

Ferner müsste er eine Strafe von insgesamt 1,75 Millionen US-Dollar zahlen – nicht mitgezählt die Rückerstattung geschuldeter Steuern. Ausserdem müsste McAfee mit einer überwachten Freilassung im Anschluss rechnen.

McAfee und McAfee sind inzwischen zweierlei

John McAfee, mittlerweile 75 Jahre alt, gründete 1987 die Firma McAfee. Der Name existiert weiterhin – die Firma hat jedoch nichts mehr mit John McAfee zu tun. 1996 verkaufte er die letzten Anteile an seiner Firma.

2011 übernahm Intel das Unternehmen für 6,7 Milliarden Dollar. Der neue Besitzer wollte die Marke eigentlich einstampfen – dazu kam es jedoch nie. Seit April 2017 ist McAfee wieder ein eigenständiges Unternehmen. Intel behält jedoch weiterhin 49 Prozent der Anteile.

Und John McAfee selber? Der Geschäftsmann war im vergangenen Jahrzehnt vor allem wegen seiner Eskapaden in den Medien. 2012 geriet er in seinem damaligen Wohnort in Belize mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt. Zunächst suchte ihn die Polizei wegen Verdachts auf Drogenbesitz, später im Zusammenhang mit dem Mord an seinem Nachbarn. McAfee floh aus dem Land.

Skurriler Aufruf, Traum vom US-Präsidenten und ein Tanga im Gesicht

Nachdem Intel McAfee übernommen hatte, veröffentlichte er etwa einen skurrilen Aufruf über Youtube, in dem er über angebliche Gefahren seiner eigenen Software warnte. 2015 wollte er US-Präsident werden. Er kandidierte jedoch weder für die Demokraten, noch für die Republikaner, sondern für seine eigene Partei: die Cyber-Partei.

2016 kaufte McAfee die kleine US-amerikanische Firma MGT Capital Investments – nur um diese daraufhin zu John McAfee Global Technologies und die Ausrichtung von Onlinegaming auf Cybersecurity zu verschieben. Es folgte ein Streit über die Rechte an dem Namen "McAfee" in der Cybersecurity-Branche.

Ein Jahr später kündigte McAfee das erste Hardware-Produkt an: ein Smartphone mit physischen Schaltern auf der Rückseite, welche die Stromzufuhr zur Antenne, zur Kamera und zu weiteren Modulen kappen könnten. Seitdem war es aber wieder still geworden um John McAfee – bis im August 2020. Vor zwei Monaten wurde er nach eigenen Angaben nämlich kurzzeitig in Norwegen verhaftet. Da er keine akzeptable Covid-19-Schutzmaske, sondern einen Tanga über dem Gesicht tragen wollte.

 

 

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