SwissCovid und Co.

Forscher sagen: Contact-Tracing-Apps müssen adaptiv reguliert werden

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Forscher der ETH fordern Regierungen zum adaptiven Umgang mit Contact-Tracing-Apps auf. Dabei soll die Bevölkerung stärker miteinbezogen werden.

(Source: geralt / pixabay.de)
(Source: geralt / pixabay.de)

Die beiden ETH-Forscher Effy Vayane und Alessandro Blasimme haben in einem "Science"-Artikel die Aufnahme von Contact-Tracing-Apps wie SwissCovid in der Bevölkerung untersucht. Dabei konzentrierten sie sich auf ein typisches Dilemma im Bereich der sozialen Kontrolle. Auf der einen Seite ist es schwierig, die Effektivität eines solchen Contact-Tracing-Systems ohne grossflächige Verwendung zu prüfen, auf der anderen Seite ist die grossflächige Verwendung des Systems von der Bevölkerung schwer zu rechtfertigen, wenn der effektive Nutzen nicht feststeht. Sowohl die Forschung als auch die Politik hätten dieses Dilemma bisher übersehen, sagen die Studienautoren im Artikel.

Vayane und Blasimme merken an, dass die Userzahl der Contact-Tracing-Apps tiefer ist als die Zahl der Erwachsenen, die sich in verschiedenen Studien bereit erklärt haben, solche Apps zu nutzen. Obwohl die Bedenken der Bevölkerung verständlich seien, sollte die Rate der Early Adopter erhöht werden, um das Dilemma aufzulösen. Dazu sollten Bedenken der Bevölkerung aufgeräumt werden. Zudem könnten Studien mit grossen Gruppen und Apps mit Opt-out- statt Opt-in- Mechanismen die Anzahl der Early Adopter erhöhen. Damit würde das angesprochene Dilemma gelöst. Andernfalls wird befürchtet, dass potenziell nützliche neue Technologien verfrüht auf Eis gelegt werden.

Regierungen müssen anpassbar regulieren

Im Beitrag fordern die Autoren eine adaptive Governance. Denn die Risiken, die solche Apps für den Datenschutz und die öffentliche Überwachung bilden, sind bekannt. Aber der Nutzen der Apps im Kampf gegen Corona muss noch festgestellt werden. Regulierungen müssen deswegen soziales Lernen ermöglichen und die Überwachung der App auf verschiedene Akteure aufteilen. Zudem muss neues Wissen über die Technologie schnell gesammelt und genutzt werden.

Die Autoren fordern weitere Massnahmen im Rahmen der Adaptive Governance. Zum einen müssen Contact-Tracing-Initiativen der Bevölkerung die Chance bieten sich einzubringen. Zum Beispiel in Gremien oder in Perioden, in denen Kommentare gesammelt werden. Die Beteiligung von Teilen der Bevölkerung soll dabei als Komponente des Adaptionsprozesses gesehen werden.

Konsequenzen von Missbrauch zeigen

Zudem müsse die legale Position der Daten, die die Apps sammeln, geklärt werden. In einem zweiten Schritt soll die Bevölkerung über die legalen Konsequenzen des Datenmissbrauchs aufgeklärt werden, um das Vertrauen in die Apps zu stärken. Auch Privatunternehmen arbeiten an internen Contact-Tracing-Systemen. Deshalb gilt es laut den Forschern auch hier Rechtsvorschriften zu schaffen.

Der Artikel hält fest, dass die Bildung von Aufsichtsstrukturen essenziell ist und nicht hinausgezögert werden kann, egal was für legale Richtlinien die einzelnen Länder vereinbaren.

Wie oben erwähnt, arbeiten Privatunternehmen bereits an eigenen Lösungen. Der Softwareentwickler Ubique Innovation lancierte beispielsweise eine App namens "Notify Me". Statt auf einzelne Begegnungen ist die neue App auf ganze Veranstaltungen ausgerichtet. Sie soll SwissCovid nicht ablösen, sondern ergänzen. Mehr darüber können Sie hier nachlesen.

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