Women in Tech

Lohngleichheit, Diversität, Wertschätzung - so gewinnen Firmen mehr Frauen für die IT

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Am 8. März ist Weltfrauentag. Doch in der Schweizer ICT-Branche herrscht wenig Feierlaune, denn der Anteil an Informatikerinnen liegt bei kaum 18 Prozent. Das können Unternehmen dagegen tun.

(Source: artisticco / iStock.com)
(Source: artisticco / iStock.com)

Der niedrige Frauenanteil in der Schweizer IT ist seit Jahren ein Thema. Auf Anfrage bezifferte das Bundesamt für Statistik den Anteil an erwerbstätigen ICT-Spezialistinnen im Jahr 2019 auf 18,2 Prozent. Bei insgesamt 196'402 ICT-Fachkräften entspricht das 35'733 Spezialistinnen. Der Anteil ist leicht gestiegen, aber noch immer bescheiden.

Dass es in der Schweiz so wenige Informatikerinnen gibt, bemängelte der Branchen-Dachverband ICTswitzerland bereits 2017. Auch 2020 hat sich der Verband wieder besorgt gezeigt. Ein grosser Teil der Frauen sei derzeit in typischen KV-Berufen tätig, die künftig stark unter Druck geraten werden. Bei den Informatikausbildungen seien Frauen dagegen kontinuierlich untervertreten. Dabei wächst durch die Digitalisierung der Bedarf an Fachkräften in allen MINT-Fächern, besonders aber in der Informatik.

Dabei gibt es unterdessen verschiedene Förderprogramme, um Mädchen und Frauen mehr für MINT-Berufe zu begeistern. Eines davon ist etwa "Swiss Tecladies", das am 12. September 2020 gestartet ist.

Nerd-Image ist kontraproduktiv

Warum ist der Frauenanteil in der Schweizer IT heute also noch immer so tief? Dies hat mehrere Gründe, wie Zerrin Azeri, Associate Director beim Personalvermittler Robert Half letztes Jahr erklärte. Erstens sei der Frauenanteil in technischen Berufen generell niedrig, was auch an einem Rückstand bei der Ausbildung liege. Zweitens verdienten Frauen in IT-Berufen in der Schweiz immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen.

Der dritte Grund: Das Image der IT sei nicht attraktiv für Frauen, es fehle an Vorbildern. "Zugespitzt ausgedrückt: Frauen wollen keine schrulligen Nerds in Birkenstocksandalen sein, die irgendwo in einem Büro allein vor sich hin programmieren", sagt Azeri. Viertens spreche die männlich geprägte Kultur in vielen IT-Abteilungen Frauen nicht an.

Aus den Gründen für den Mangel an Informatikerinnen leitet Azeri auch die Massnahmen dagegen ab. Sie empfiehlt Unternehmen:

  • Die Saläre der Frauen denen der Männer anzupassen

  • Flexible Arbeitsmodelle anzubieten, die Bedürfnisse von Frauen erfüllen

  • Frauen in IT-Führungspositionen zu berufen

  • Weiterbildungsmöglichkeiten und Mentorinnenprogramme zu schaffen

  • Bewerber und Bewerberinnen im Einstellungsprozess geschlechterneutral zu selektieren

"Startupticker.ch" hat zum Weltfrauentag 2020 eine Karte mit 120 Schweizer Start-ups publiziert, deren CEOs weiblich sind. (Quelle: startupticker.ch)

Auf die Kultur kommt es an

Eine wichtige Rolle spielt die Unternehmenskultur. Frauen schätzten Kulturen der Diversität und der Inklusion, sagt Zerrin Azeri. Ein besonderes Augenmerk legten sie zudem auf partizipative, transparente Führungsstile und eine aktive Förderung der Mitarbeitenden.

IT-Abteilungen seien aber häufig sehr männlich besetzt und geprägt, so Azeri weiter. Deren Strukturen seien sehr klassisch, um nicht zu sagen althergebracht. Frauen erwarteten aber, dass man ihnen gleich viel zutraut wie den Männern. In traditionell hierarchischen Strukturen sei dies oft nicht der Fall. "Erhöht sich der Anteil der Frauen im Unternehmen und vor allem der weiblichen Führungskräfte, brechen viele Grenzen, vor denen Frauen stehen, auf und die Unternehmenskultur ändert sich zum Vorteil beider Geschlechter", sagt Azeri.

Auch Gabriela Keller, Geschäftsführerin von Ergon Informatik, ist überzeugt, dass gemischte Teams die besten Ergebnisse liefern können. "Diversität fördert gute Lösungen", erklärte sie im Interview mit der Redaktion. "Insofern verpasst die IT-Branche hier heute noch eine Chance, hat aber grosses Potenzial, sich zu entwickeln."

Auch "Danke" sagen will gelernt sein

Unabhängig vom Geschlecht: Wollen Führungskräfte ihre Mitarbeitenden zu Höchstleistungen motivieren, sollten sie laut Robert Half öfters mal "Danke" sagen. Zum internationalen "Employee Appreciation Day" am 6. März gab Zerrin Azeri Tipps, wie Vorgesetzte mit vergleichsweise wenig Aufwand ihren Angestellten Anerkennung zeigen können:

  1. Positives Feedback geben: Nehmen Sie sich Zeit, unmittelbares Lob auszusprechen. Der Effekt verpufft, wenn Sie erst drei Wochen nach einem gelungenen Projektabschluss Ihre Anerkennung zeigen.

  2. Einen freien Nachmittag oder zusätzlichen Urlaub anbieten: Mehr Freizeit ist bei Schweizern sehr beliebt. Genehmigen Sie nach erfolgreichen Projekten einen freien Nachmittag oder zusätzliche Urlaubstage.

  3. Kleine Feiern im Büro veranstalten: Erfolge feiern sich am besten gemeinsam. Laden Sie zum gemeinsamen Mittagessen ein oder sorgen Sie in Meetings für das entsprechende Catering.

  4. Mitarbeitende auszeichnen: Gibt es Programme in Ihrem Unternehmen, die Mitarbeitende auszeichnen?

  5. An Geburtstage, Jubiläen und andere Feiertage denken: Ein Blumengruss oder eine kleine Schokolade zum Geburtstag oder einem anderen Jubiläum verfehlen die Wirkung nicht. Sie zeigen damit, wie wichtig Ihnen der Mitarbeitende auch als Person ist.

Auch in der Start-up-Szene ist die Verteilung zwischen Gründern und Gründerinnen noch sehr unausgewogen, wie eine FHNW-Studie ergeben hat. Die Studienautoren erklärten, welche Massnahmen zu einer besseren Balance führen könnten, wie Sie hier nachlesen können.

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