Salt hält an 1000-Franken-Limite fest

Update: Swisscom lenkt ein und senkt Roaming-Standardlimite für Wingo und Co.

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von Kevin Fischer und cka, ldw

Eine neue Regelung sollte Roaming-Fallen ab dem 1. Juli verunmöglichen. Doch Swisscom, Salt und Co. wollten sich trotzdem an zu hohen voreingestellten Roaming-Limiten bereichern. Nun hat Swisscom eingelenkt, während Salt auf seiner Limite beharrt.

Update vom 01.07.2021: Swisscom ist dem Konsumentenschutz entgegengekommen: Der Telko senkt die voreingestellte Roaming-Limite für Erwachsene von Wingo, Coop Mobile und M-Budget von 500 Franken auf 200 Franken. Wie der Konsumentenschutz mitteilt, will Salt hingegen an seiner 1000 Franken-Limite festhalten. Hier erwartet der Konsumentenschutz, dass das Bakom aufsichtsrechtlich vorgeht.

Bei Sunrise, UPC und den Sunrise-Marken Yallo und Lebara gebe es einen vergleichsweise guten Schutz bei der Internetnutzung. Doch gilt das nicht für die Ausgaben, die bei der Telefonie im Ausland mit Sunrise anfallen, heisst es weiter.

Ab heute gibt es gemäss Mitteilung nicht nur neue Bedingungen für Roaming. Nun müssen Telekom-Anbieter ihren Kunden auch einen Werbeanruf-Filter anbieten, der unerwünschte Anrufe blockiert, bevor sie durchgestellt werden. Ausserdem machen sich Callcenter nun nicht mehr nur strafbar, wenn sie Telefonnummern mit Sterneintrag wählen, sondern auch Nummern, die gar nicht im Telefonbuch verzeichnet sind.

Originalmeldung vom 23.06.2021:

Swisscom, Salt und Co. wollen weiter an Roaming-Fallen verdienen

Ab dem 1. Juli sollte eigentlich Schluss sein mit Roaming-Fallen. Ein neuer Kostenschutz soll sicherstellen, dass Kundinnen und Kunden einmalig eine persönliche Roaming-Kostenlimite festlegen, bevor sie das Handy im Ausland nutzen können. Die Limite muss danach aktiv und bewusst erhöht werden, wenn es etwa mehr Daten braucht. Wie der Konsumentenschutz schreibt, versuchen aber Swisscom, Salt und andere Telkos nun, diese Regelung zu umgehen - und das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) heisst es gut.

Der Kostenschutz ist in Artikel 10b der Fernmeldeverordnung festgehalten. Die Branche hat keine Freude an diesem Artikel, wie der Konsumentenschutz schreibt. "Kunden, die in die Roaming-Falle tappen, spülen den grossen Telekom-Anbietern jedes Jahr Millionen in die Kasse", sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes, dazu.

Bakom für Durchsetzung zuständig, aber nicht daran interessiert

Für die Durchsetzung der Regelung ist das Bakom zuständig. Im Februar 2021 hatte das Bundesamt dem Konsumentenschutz gemäss Mitteilung versichert, dass es bei der Umsetzung der Roaming-Limiten keine Schlupflöcher geben werde. Nun gab Swisscom bekannt, dass nur Neukunden ihre Limite selber wählen sollen. Für bestehende Kunden setze Swisscom die voreingestellte Standardlimite für das Roaming wie bisher selbst.

"Damit verkäme die Regelung zur Farce", kommentiert Sara Stalder diesen Schritt. "Nur ein Bruchteil aller Telekom-Kunden würden ihre Roaming-Limite selber festlegen - bei der grossen Mehrheit wären es die Telekom-Anbieter selber und die sind nicht an tiefen Limiten interessiert." Gemäss Mitteilung "windet sich das Bakom" auf Anfrage des Konsumentenschutzes und schrieb, es erachte das Vorgehen von Swisscom als "gangbaren Weg".

Von Telkos festgelegte Roaming-Limiten bis zu 1000 Franken hoch

Die Standardlimite von Swisscom liegt derzeit gemäss Konsumentenschutz bei 200 Franken bei Erwachsenen. "Offenbar ermutigt durch die nachgiebige Haltung des Bakom wurde das Unternehmen forscher", wie es weiter heisst. Bei der Swisscom-Marke Wingo gilt ab heute eine Standardlimite von 500 Franken.

Besonders bedenklich: "Wingo richtet sich mit seinem Auftritt und der Preispolitik vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene", sagt Stalder. "Kaum jemand von dieser Zielgruppe würde sich selber eine Roaming-Limite von 500 Franken setzen. Swisscom will offensichtlich auf dem Buckel von jungen Leuten Kasse machen."

Dieselbe Limite gilt auch bei Coop Mobile und M-Budget, die beide das Swisscom-Netz nutzen. Bei Salt liegt die Standardlimite aktuell gar bei 1000 Franken, wie es weiter heisst. Diese sind aufgeteilt zu je 500 Franken für Daten und Telefonie. Sunrise UPC halte sich derzeit noch bedeckt.

Übrigens: Welche weiteren Änderungen die Tochtermarken von Swisscom auf die Revision des Fernmeldegesetzes hin vorgenommen haben, erfahren Sie hier.

Juristen halten Bakom-Vorgehen für rechtswidrig

Ab dem 1. Juli müssen grundsätzlich alle Anbieter ihren Kundinnen und Kunden ermöglichen, die Roaming-Limite selbstständig zu ändern. Aber der Konsumentenschutz fürchtet, dass die Anbieter zu wenig auf diese Möglichkeit hinweisen. "Der vom Anbieter vorgegebenen Limite kommt daher eine grosse Bedeutung zu", sagt Stalder. "Ist sie zu hoch angesetzt, wird es für viele Kunden schnell teuer".

Die Juristen des Konsumentenschutzes und auch spezialisierte Anwälte halten das Vorgehen des Bakom für rechtswidrig. Der Konsumentenschutz erwarte vom Bakom, dass es die bestehende Regelung durchsetzt und jeder Kunde seine Limite selber wählt, bevor er das Handy im Ausland nutze. Wegen des Zeitdrucks sei auch eine pragmatische Lösung denkbar.

"Für uns wäre es in Ordnung, wenn die Telekomanbieter die Limite selber setzen, allerdings maximal bei 100 Franken für Erwachsene und 50 Franken für Jugendliche", sagt Stalder dazu. Die Allianz der Konsumentenschutz-Organisationen schlug den Telkos am Dienstag eine entsprechende Lösung vor.

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