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IT-Recycling in der Schweiz: Ein Modell für die Zukunft

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von Franziska Vonaesch, Kommunikation Swico

Die Schweiz ist Weltmeisterin beim Recycling von Digital- und Unterhaltungsgeräten: Rund 50'000 Tonnen Elektroschrott werden jährlich entsorgt, gesammelt und rezykliert. Damit spart die Schweiz Jahr für Jahr 3 Millionen Tonnen CO2.

(Source: Gewoldi / Fotolia.com)
(Source: Gewoldi / Fotolia.com)

Mit dem Eisen, das in den letzten 10 Jahren aus dem Recycling von Digital- und Büroaltgeräten zurückgewonnen wurde, könnte man zehn Eiffeltürme bauen. Oder 234 Jumbo-Jets 747 aus dem wiederverwerteten Aluminium. Die Werthaltigkeit von Digitalgeräten ist besonders gross und umfasst Metalle wie Gold, Silber und Palladium. Deshalb ist ein möglichst lückenloses Recycling sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll. In der Schweiz hat sich diese Einsicht schon lange durchgesetzt, und das Swico Recycling System weist eine entsprechend hohe Umweltleistung auf. Rund 95 Prozent des "put on Market", also der Geräte, die hierzulande auf den Markt gebracht werden, finden Jahre später den Weg zurück ins Recycling. Pro Jahr spart die Schweiz damit rund drei Millionen Tonnen CO2.

80 Prozent der CO2-Ersparnis fällt auf Gold zurück

Dabei fällt die grösste Umweltleistung allerdings nicht auf die riesigen Füllen an Industriemetallen wie Eisen, Aluminium oder Kupfer zurück, sondern auf die verhältnismässig überschaubaren Mengen an Gold und Silber: 80 Prozent der CO2-Ersparnis sind auf die 160 kg Gold zurückzuführen, die jährlich zurückgewonnen werden, weitere 12 Prozent auf 830 kg Silber. Weil diese Edelmetalle jedoch nur in kleinsten Mengen in Geräten verbaut sind, ist deren Rückgewinnung besonders anspruchsvoll. Darüber hinaus werden beim Recycling beeindruckende Mengen an Schadstoffen wie Quecksilber und Bleiglas beseitigt. Alleine dank der sorgfältigen Zerlegung von Geräten werden jährlich 263 Tonnen Batterien entnommen.

Das Recycling von Elektro- und Elektronikaltgeräten hat somit einen unmittelbaren positiven Impact auf die Umwelt und leistet einen reellen Beitrag zur Dekarbonisierung. Aber nicht nur: Stoffkreisläufe schliessen heisst auch, die vorhandenen Rohstoffe effizient zu nutzen und deren Wertschöpfung zu erweitern. Das Aufkommen an Rohstoffen in urbanen Gebieten ist enorm und kann bei systematischer Zurückgewinnung einen erheblichen Anteil des Bedarfs decken. Dies vermeidet die aufwändige und umweltschädliche Schürfung in Minen und infolgedessen die Abhängigkeit von Importen aus dem Ausland. So könnten beispielsweise mit einer vollständigen Rezyklierung des in der Schweiz vorhandenen Kupfers 75 Prozent unseres Kupferbedarfs gedeckt werden. In der Schweiz schlummert also eine gigantische Rohstoffmine, die noch viel zu wenig ausgeschöpft wird. 

Swico Recycling setzt Massstäbe

Swico Recycling ist seit 1994 für das Rezyklieren von Elektronikaltgeräten in der Schweiz verantwortlich. Vor 30 Jahren, als es noch keine Smartphones gab und Laptops wie Schreibmaschinen daherkamen, hat die Büro- und Unterhaltungsindustrie das saubere Recycling der eigenen Geräte beschlossen – freiwillig und ohne gesetzliche Vorgabe. Das ist aus damaliger Zeit als visionäre Idee zu werten. Mit anfänglich wenigen Teilnehmern umfasst das schweizweite System heute über 800 angeschlossene Unternehmen, 600 Sammelstellen und rund 6'000 Rückgabepunkte. Durchschnittlich werden rund 50'000 Tonnen Elektro- und Elektronikschrott gesammelt, zerlegt und von acht Recycling-Unternehmen sauber rezykliert. Damit nimmt die Schweiz eine weltweite Spitzenposition beim E-Recycling ein. Dieser Umstand ist auf drei wesentliche Erfolgsfaktoren zurückzuführen.

Vorteile für Konsumenten und Hersteller 

Erstens ist das Recycling vorfinanziert. Dank dem vorgezogenen Recyclingbeitrag (VRB) steuern die Konsumentinnen und der Konsumenten schon beim Kauf des Gerätes zur Finanzierung des Recyclings bei. Dieser Beitrag beträgt je nach Gerät zwischen 20 Rappen und 18 Franken und ist im Vergleich zum Kaufpreis vernachlässigbar. Der VRB ist bei den Konsumentinnen und Konsumenten breit akzeptiert, weil das spätere Recycling kostenlos ist.
Zweitens ist die Entsorgung der Geräte für die Inhaberinnen und Inhaber einfach und komfortabel. Sie können an einer der 6’000 Verkaufsstellen von Elektrogeräten oder einer der 600 angeschlossenen Sammelstellen im ganzen Land abgegeben werden. Diese Dichte an Rückgabemöglichkeiten erleichtert den Konsumentinnen und Konsumenten den Schritt zur umweltfreundlichen Entsorgung.

Und drittens haben sich der privatwirtschaftlichen Branchenlösung sämtliche Hersteller solidarisch zusammengeschlossen. Das sorgt dafür, dass alle Geräte aller Marken umfasst sind. Aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten trägt dies weiter zur unkomplizierten und niederschwelligen Entsorgung bei. Aus Sicht der Hersteller entspricht dies rundum einem Sorglospaket: Sie überweisen den vorgezogenen Recyclingbeitrag an das System weiter und müssen sich nicht mit einer eigenen Entsorgungskette herumschlagen. So profitieren sie von einem sauberen und, dank Skaleneffekten, preisgünstigen Recycling in der Schweiz.

Wiederverwendung versus Wiederverwertung

In der Diskussion um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft werden oft Wiederverwendung und Wiederverwertung gegenübergestellt. Beide Konzepte spielen eine wichtige Rolle. Die Wiederverwendung verlängert die Nutzungsdauer von Produkten, während die Wiederverwertung sicherstellt, dass Ressourcen am Ende des Lebenszyklus eines Produktes nicht verloren gehen. In der Schweiz wird angestrebt, beide Ansätze optimal zu kombinieren. 

Ein Blick in die Zukunft

Swico Recycling verfolgt die Ambition, das eigene System weiter zu entwickeln, effizienter und filigraner zu gestalten. Geräte werden immer kleiner und leichter, und so ist auch die Entnahme der Wertstoffe zunehmend anspruchsvoll. Etwa die Rückgewinnung seltener Erden, die heute noch ökonomisch unverhältnismässig ist, ist ein langfristiges Ziel. Aufgrund ihrer Innovationskraft ist die Schweiz dafür prädestiniert, zielführende Lösungen zu finden. Durch kontinuierliche Innovation und das Engagement aller Beteiligten kann die Schweiz ihre Spitzenposition behaupten und weiter ausbauen. 

Übrigens: Forschende der ETH Zürich haben eine Methode entwickelt, um Gold aus Elektroschrott zu gewinnen. Dazu setzen sie einen Proteinfaserschwamm aus Molke ein. Die Methode soll nicht nur nachhaltiger als bisherige Verfahren sein, sondern auch besonders kostengünstig.

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