Überblick von IFBC

Mehr als zwei Drittel der Käufer von Schweizer IT-Firmen stammen aus dem Ausland

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von René Jaun und shu

Schweizer IT-Unternehmen verkaufen sich am häufigsten an europäische, nicht-schweizerische Investoren. Dabei bewerten die Käufer aktuell die Profitabilität höher als das Wachstum.

(Source: vectorjuice / Freepik.com)
(Source: vectorjuice / Freepik.com)

Schweizer IT-Unternehmen sind oft begehrte Zielunternehmen, insbesondere bei strategischen Investoren. Zu dieser Erkenntnis kommt das Beratungsunternehmen IFBC, das sich auf Corporate Finance und M&A (Fusionen und Übernahmen) spezialisiert hat. Was Übernahmen aus der hiesigen IT-Branche auszeichnet, hat das Unternehmen in seinem Technology Report 2025 zusammengefasst.

Darin stellt IFBC fest, dass ausländische Investoren besonders häufig Schweizer IT-Unternehmen akquirieren. 2025 waren internationale Käufer für mehr als zwei Drittel aller Übernahmen im Schweizer Technologie-Markt verantwortlich, wie es im Report heisst. Etwas genauer aufgeschlüsselt, trieben Käufer aus Europa (exklusive Schweiz) etwa 45 Prozent aller Übernahmen - allen voran Deutschland, wie IFBC in einer Medienmitteilung ergänzt. Weitere 25 Prozent der Investoren kommen aus dem nicht-europäischen Ausland und 30 Prozent der Geldgeber stammen aus der Schweiz. Insgesamt seien im Jahr 2025 147 Schweizer IT-Unternehmen akquiriert worden.

Die Grafik zeigt eine Europakarte mit der Anzahl der Käufer von Schweizer Software- und IT-Services-Firmen im Jahr 2025. Die Länder sind unterschiedlich eingefärbt je nach Käuferzahl. Deutschland weist mit 23 die meisten Käufer auf, gefolgt von Frankreich (14). Weitere Länder wie Grossbritannien (4), Italien (5), Spanien (1) sowie die USA (19) und Kanada (5) sind ebenfalls ausgewiesen. Nicht näher spezifizierte Länder werden unter "Sonstige“ (13) zusammengefasst. In der Schweiz sind es 43.

Anzahl Käufer von Schweizer Software und IT-Services-Firmen 2025. (Source: IFBC)

Am meisten wurden 2025 hiesige IT-Unternehmen von strategischen Käufern aus dem Technologie-Sektor übernommen, wie dem Bericht weiter zu entnehmen ist. Aber auch Finanzinvestoren und strategische Käufer aus anderen Sektoren kauften IT-Firmen. Als Übernahmekriterium bewerten Investoren im aktuellen Umfeld die Profitabilität höher als das Wachstum.

Mehr Käufe in der Softwarebranche

Im Überblick unterteilt IFBC die IT-Übernahmen in den Software- und den IT-Services-Sektor. Zu Käufen im Softwarebereich schreibt das Beratungsunternehmen, der Transaktionsmarkt sei 2025 von Beginn an dynamisch wachsend gewesen. Diese Dynamik habe sich im zweiten Halbjahr weiter verstärkt, und insbesondere strategische Käufer tätigten vermehrt gezielt Akquisitionen in der Schweiz.

Im IT-Services-Bereich hingegen setzte sich die im 2. Halbjahr 2024 beobachtete hohe Transaktionsaktivität im 1. Halbjahr 2025 nicht fort. Im weiteren Jahresverlauf bemerkte IFBC jedoch erneut ein leichter Anstieg der Transaktionen. Allerdings scheine im IT-Services-Bereich "ein New Normal mit weniger M&A-Aktivitäten zu gelten. Insbesondere, da sich Finanzinvestoren weiterhin zurückhaltend zeigen - Qualität vor Quantität".

Was die Zurückhaltung der Finanzinvestoren angeht, scheint sich die Schweiz übrigens vom europäischen Markt zu unterscheiden, wie dem Bericht ebenfalls zu entnehmen ist. Demnach sind sie im europäischen Raum deutlich aktiver als hierzulande.

Ki, Komplexität und Kostendruck

Teil des Technology Reports ist auch eine Zusammenstellung von Charakteristiken, die "den Wandel im Schweizer Software- und IT-Services-Markt beschreiben", wie es IFBC ausdrückt. Im Bereich IT-Services bleibe die Cloud-Migration etwa der "strategische Nachfrageanker bei Grossunternehmen". Künstliche Intelligenz (KI) werde systematisch in Betriebs-, Integrations- und Serviceprozesse integriert. Die nachhaltige Nachfrage nach Managed Data Services" werde getrieben durch die Regulatorik, während sich Cybersecurity-as-a-Service und Zero Trust als Basiserwartung etablierten. Regulatorische Anforderungen sorgen laut dem Bericht für Komplexität bei Cybersicherheit. Und der Margendruck erfordere neue Delivery- und Automatisierungsmodelle.

Für den Softwarebereich gilt unter anderem: KI ist sowohl integraler Bestandteil von Produkten als auch zentraler Differenzierungsfaktor. Angebote im Bereich B2B-SaaS wachsen dank der fortschreitenden KMU-Digitalisierung. Cloud-native Plattformen bestimmen Skalierbarkeit & internationale Expansion. Die Konkurrenz durch internationale SaaS-Player wächst, was wiederum die Konsolidierung antreibt. Der weiter erstarkte Franken reduziere die Margen bei Exportmodellen. Und der "zunehmende Preis- und Upgrade-Widerstand" reflektiere die Marktreife.

2026 erwarte man im Schweizer M&A-Markt "eine weitere Belebung, jedoch keinen breit abgestützten Boom", prognostiziert IFBC. Das Umfeld bleibe von geopolitischen Spannungen und begrenzter Planbarkeit geprägt. "Entsprechend werden Transaktionen weiterhin selektiv umgesetzt: weniger 'weil es geht', mehr 'weil es überzeugt’."

 

Lesen Sie auch: 2025 mussten insgesamt 8343 Schweizer Unternehmen Insolvenz anmelden. Besonders betroffen war dabei die IT-Branche: Bei 295 Dienstleistern kam es zu einem Konkursverfahren, was einer Steigerung von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

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