So viel bezahlt die Berner Insel-Gruppe fürs Epic-KIS
Das neue Klinikinformationssystem Epic kostet die Insel-Gruppe 182,5 Millionen Franken und damit deutlich mehr, als sie bei der Vergabe des Projekts kommunizierte. Die Spitalgruppe prüft bereits Erweiterungen für KI und die Teilnahme an einem globalen Datenraum.
Die Berner Insel-Gruppe legt die Kosten für ihr IT-Grossprojekt auf den Tisch. In einer Mitteilung beziffert sie die Einführung des Klinikinformationssystems (KIS) von Epic und die damit verbundene digitale Transformation auf eine Gesamtsumme von 182,5 Millionen Franken.
Die externen Projektkosten für Lizenzen, Beratung und Schulungen machen mit 101,6 Millionen Franken den grössten Brocken aus. Zusätzlich investierte die Spitalgruppe 52,5 Millionen Franken an internen Personalkosten und 28,4 Millionen in die Modernisierung der Infrastruktur, etwa für neue Mobilgeräte und einen Ausbau der Netzwerkkapazitäten.
Die Insel-Gruppe kommuniziert nun Zahlen, die die bisherigen Schätzungen deutlich übersteigen. Sie erklärt die Differenz zur ursprünglichen Offerte von 83 Millionen Franken mit der eingerechneten Mehrwertsteuer, gestiegenen Fall- und Nutzungszahlen sowie nachträglich erworbenen Modulen.
Ein Projekt mit politischer Sprengkraft
Schon die Vergabe an den US-Anbieter im Jahr 2019 stand in der Kritik. Pascal Schär, Direktor Technologie und Innovation der Insel-Gruppe, verteidigte den Entscheid in einem Interview vom Juni 2024 mit dem Argument, Epic habe als Gesamtlösung vergleichsweise am meisten überzeugt. Auch andere Spitäler wie etwa die Universitätsspitäler Lausanne und Zürich setzten auf Epic - und sorgten damit für politische Debatten.
Umstritten sind diese Vergaben vor allem wegen der starken Abhängigkeit von Epic: Kritiker warnen vor einem teuren Vendor-Lock-in, bei dem spätere Systemwechsel kaum mehr realistisch sind und zentrale Entscheidungen zu Kosten, Weiterentwicklung und Funktionalität beim US-Anbieter liegen. Politisch brisant ist zudem die Frage der digitalen Souveränität, da man mit öffentlichen Geldern einen ausländischen Konzern stärkt und trotz lokaler Datenspeicherung langfristige Bedenken zur Kontrolle über hochsensible Gesundheitsdaten bestehen.
In der kommenden Frühlingssession befasst sich das Berner Kantonsparlament erneut mit der Einführung von Epic am Inselspital. Das Büro des Grossen Rats forderte eine parlamentarische Untersuchung. "Angesichts der enormen Kosten" sei es wichtig, eine "vollständige Transparenz über die Kosten und andere Modalitäten der Einführung von Epic in der Insel-Gruppe" herzustellen, heisst es in der Begründung des Vorstosses.
Zukunftspläne mit KI und globalem Datenraum
Die Insel-Gruppe will das KIS derweil bereits weiterentwickeln und um zusätzliche Funktionen erweitern. Eine Plattform namens "Nebula" soll laut Mitteilung die Grundlage schaffen, um mit künstlicher Intelligenz die Behandlungseffizienz und Patientensicherheit zu steigern. Eine weitere Ergänzung soll die Teilnahme an einem weltweiten, anonymen Gesundheitsdatenraum ermöglichen, um die internationale Forschung zu fördern.
Für die KI-Plattform würden ausgewählte Daten maximal 30 Tage lang ausserhalb der Insel-Gruppe gespeichert. Aktuell testet die Insel-Gruppe "Nebula" mit der ausdrücklichen Zustimmung der teilnehmenden Patientinnen und Patienten. Im Fall des Gesundheitsdatenraumes würden die Daten anonymisiert und anschliessend von Epic in den USA gehostet, teilt die Insel-Gruppe mit. Ob die beiden Erweiterungen in den Regelbetrieb übergehen, ist derzeit noch offen. Man stehe zu diesem Zweck im Austausch mit der kantonalen Datenschutzaufsichtsstelle und lasse das Vorhaben prüfen, teilt die Spitalgruppe mit.
Der Kanton Bern will übrigens eine digitale Gesundheitsplattform für Spitäler einführen - doch der Verband Digitale Gesundheit warnt vor einem Epic-Zwang und plädiert für einen Kurswechsel. Mehr dazu lesen Sie hier.
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