Umfrage von ISC2

3 von 4 Sicherheitsexpertinnen halten Cybersecurity für eine frauenfreundliche Karriere

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von René Jaun und vgr

72 Prozent der von ISC2 befragten Cybersecurity-Expertinnen beschreiben Cybersicherheit als einen einladenden Karriereweg für Frauen in ihrer Region. Jede dritte Frau erwägt aufgrund der aktuellen Marktbedingungen einen Berufswechsel – bei den Männern liegt dieser Wert etwas tiefer.

(Source: mimithian / unsplash.com)
(Source: mimithian / unsplash.com)

Wie fühlen sich weibliche Expertenpersonen in der Cybersecurity-Branche? Und wie unterscheidet sich ihre Wahrnehmung beruflicher Herausforderungen von jener ihrer männlichen Kollegen? Diesen Fragen geht ISC2 nach. Die Nonprofit-Organisation für Cybersecurity-Experten veröffentlichte unlängst eine Studie dazu. Darin wertet ISC2 Umfrageantworten für eine umfangreichere Untersuchung (Cybersecurity Workforce Study 2025 (PDF)) vom Sommer 2025 aus. An der ursprünglichen Umfrage nahmen insgesamt 16'029 Cybersicherheitsfachkräfte teil. Für die jetzt veröffentlichte Studie konzentriert sich ISC2 auf die Antworten der 2'600 (16 Prozent) weiblichen Teilnehmenden, wobei die Organisation in einigen Fällen auch die Antworten männlicher Cybersecurity-Profis als Vergleich nennt.

So schreibt ISC2 etwa, dass 72 Prozent der befragten weiblichen Fachkräfte Cybersicherheit als einen einladenden Karriereweg für Frauen in ihrem Land oder ihrer Region beschreiben. Unter männlichen Teilnehmenden sind 77 Prozent der Befragten dieser Meinung. Noch grössere Wahrnehmungsunterschiede machte ISC2 bei der Frage nach Hürden für Frauen in der beruflichen Laufbahn aus: Zwei von fünf männlichen Teilnehmern (42 Prozent) geben an, keine Herausforderungen oder wesentlichen Hürden für Frauen wahrzunehmen. Dieser Wert ist 2,5-mal höher als bei den weiblichen Teilnehmerinnen (17 Prozent), wie die Organisation schreibt.

Ihre Arbeitszufriedenheit bewerten die Teilnehmerinnen im Durchschnitt mit 71 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg dieser Wert um 4 Prozentpunkte, während er in den drei Jahren davor jährlich zurückgegangen war.

Männer sehen weniger Hürden für Cybersecurity-Expertinnen

Das Bild zeigt ein Diagramm, in dem die Antworten von Frauen und Männer miteinander verglichen werden.

Die wichtigsten Hürden für Frauen beim Verbleib und Aufstieg in der Cybersecurity. (Source: zVg)

Des Weiteren, stellt ISC2 fest, berichteten Frauen häufiger als Männer, dass ihre Organisationen in den vergangenen 12 Monaten Entlassungen im Sicherheitsbereich vorgenommen hätten (28 Prozent gegenüber 23 Prozent der Männer).

Höher ist auch der prozentuale Anteil der Frauen, die von Ungleichheiten bei Bezahlung oder Beförderungen berichten, die sie wiederum daran hinderten, beruflich voranzukommen. Unter den weiblichen Befragten sagten dies 34 Prozent aus, unter den männlichen Teilnehmenden waren es 19 Prozent.

Fast die Hälfte der Frauen (45 Prozent) nennt Work-Life-Balance oder Betreuungsverpflichtungen als grösste Herausforderung, um in der Cybersicherheit zu bleiben oder sich weiterzuentwickeln. Bei Männern liegt dieser Wert bei 29 Prozent, wie ISC2 schreibt. Frauen erwägen etwas häufiger als Männer, aufgrund der aktuellen Marktbedingungen ihren Beruf zu wechseln. Hier ist der prozentuale Unterschied etwas geringer, mit 33 Prozent Frauen zu 27 Prozent Männern.

Weiterbilden und vernetzen

Als Fazit hält ISC2 diese Ratschläge für angehende oder bereits praktizierende Cybersecurity-Expertinnen bereit:

  • Bauen Sie fundierte technische und nicht-technische Kompetenzen auf: Cybersicherheit ist ein breit gefächertes und sich schnell entwickelndes Feld. Kontinuierliche Weiterbildung ist entscheidend.

  • Betrachten Sie KI nicht isoliert: KI ist heute ein grundlegender Aspekt in allen Bereichen der Cybersicherheit und nicht mehr nur eine eigenständige Kompetenz. Zertifizierungen und Kurse zur Ergänzung Ihres Wissens und zur Entwicklung dieser Fähigkeiten heben Sie in einem umkämpften Markt von der Masse ab. Arbeitgeber legen zudem Wert auf den Nachweis von Kompetenzen.

  • Nutzen Sie Ihre Community und Mentoring-Möglichkeiten: Cybersicherheit kann isolierend wirken, daher sind Unterstützung und Repräsentation wichtig. Viele erfahrene Frauen in der Cybersicherheit sind gerne bereit, als Mentorinnen zu fungieren – aber Sie müssen den ersten Schritt machen. Schliessen Sie sich auch informellen Communities an, die Frauen in diesem Bereich unterstützen.

An Unternehmen gewandt, fügt ISC2 noch folgende Handlungsempfehlungen hinzu:

  • Förderung transparent gestalten und Führungskräfte als Fürsprecher gewinnen: Setzen Sie Führungskräfte als Fürsprecher ein, die sich aktiv für die Förderung von Frauen einsetzen, stimmen Sie die Schulungen für Führungskräfte im Bereich Cybersicherheit im Sinne der Einheitlichkeit auf Zertifizierungen wie CISSP ab und sorgen Sie für eine bessere Sichtbarkeit von Frauen in der Cybersicherheit, indem Sie ihnen Möglichkeiten für Vorträge und Veröffentlichungen bieten.

  • Pflegen Sie eine Kultur der Weiterentwicklung für alle: Entwickeln Sie Mentorenprogramme, die weibliche Führungskräfte und/oder technische Expertinnen mit Teammitgliedern auf Einstiegs- oder Junior-Ebene zusammenbringen, um deren berufliche Entwicklung zu unterstützen, ihnen Orientierung zu geben und Erfahrungen auszutauschen.

  • Schaffen Sie inklusive und barrierefreie Teams und Arbeitsumgebungen: Die Bindung von Mitarbeitern, Wissen und Kompetenzen ist unerlässlich. Machen Sie flexible Arbeitszeiten und hybride/Remote-Rollen zur Normalität.

  • Unterstützen Sie den Wandel: Arbeiten Sie mit Initiativen wie der Global 50x50 Initiative zusammen und unterstützen Sie diese. Dabei handelt es sich um eine Basisbewegung, die darauf abzielt, bis 2050 eine Zukunft zu schaffen, in der Frauen 50 Prozent der Arbeitskräfte im Cybersicherheitsbereich ausmachen. Initiativen wie diese stärken die Stimme von Frauen, fördern Innovation und Führungsqualitäten in der Cybersicherheit und zeigen auf, welche Massnahmen erforderlich sind, um eine resilientere und nachhaltigere Belegschaft im Cybersicherheitsbereich für alle zu schaffen.

 

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