Wie HP mit KI die räumlichen Grenzen sprengen will
An der HP Imagine 2026 hat der Tech-Konzern skizziert, wie er KI künftig näher an den Arbeitsplatz rücken will. Dazu stellte das Unternehmen unter anderem HP IQ vor - eine Lösung, die Aufgaben automatisieren, Meetings zusammenfassen und Zusammenarbeit über Geräte hinweg erleichtern soll.
Am 24. März hat im Herzen New Yorks die HP Imagine 2026 stattgefunden. Zum Auftakt des offiziellen Teils des Anlasses im Hotel Kimpton Eventi betonte HPs Interims-CEO Bruce Broussard: "Wir befinden uns an einem Wendepunkt, der unsere Lebens- und Arbeitsweise grundlegend verändern wird." Die Nutzung von künstlicher Intelligenz werde für Unternehmen zunehmend zur Kostenfrage, während gleichzeitig die Erwartungen an Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und Datenschutz steigen. Genau in diesem Spannungsfeld wolle der US-Konzern nun ansetzen: KI soll näher an den Arbeitsplatz rücken.

Bruce Broussard, Interims-CEO von HP, begrüsste die Journalisten und Analysten an der HP Imagine 2026. (Source: zVg)
Der Hersteller zeichnete im Rahmen des Events deshalb ein Bild einer Arbeitswelt, in der KI nicht mehr nur ein reines Tool ist, sondern ein "echter Kollaborateur", der Mitarbeitenden von der Idee bis zur Umsetzung begleitet und ihnen hilft, "schneller voranzukommen, um die beste Arbeit leisten zu können".
"AI at the Edge"
Prakash Arunkundrum, Chief Strategy and Transformation Officer bei HP, verwies auf die steigenden Kosten beim Einsatz cloudbasierter KI-Modelle. Als Antwort darauf setze HP nun auf den Ansatz "AI at the Edge". Gemeint ist, dass KI-Anwendungen direkt auf Geräten wie PCs, Workstations oder Druckern laufen - und nicht primär in der Cloud. Das soll laut HP mehrere Vorteile mit sich bringen: geringere Latenz, mehr Kontrolle über Daten und potenziell niedrigere Kosten. Arunkundrum sprach in diesem Zusammenhang von einem "Wandel von Cloud- hin zu Edge-Modellen".

Prakash Arunkundrum, Chief Strategy and Transformation Officer bei HP, sprach über den Wandel von Cloud- zu Edge-Modellen. (Source: zVg)
HP erwartet, dass bis 2030 rund die Hälfte der KI-Anwendungen direkt auf Endgeräten ausgeführt werden könnte. Es gehe jedoch nicht um eine reine Entweder-oder-Frage, sondern vielmehr um ein hybrides Modell, bei dem Cloud- und lokale Verarbeitung kombiniert werden.
Im Zentrum dieser Strategie stehen demnach die Geräte selbst. PCs, Drucker oder Kollaborationssysteme sollen nicht mehr nur Endpunkte sein, sondern laut Broussard als "persönliche KI-Plattformen" fungieren. HPs Interims-CEO sprach von Technologie, die "intelligent sein und sich an den Einzelnen anpassen" und "im Hintergrund arbeiten" soll, um alltägliche Aufgaben zu erleichtern.
Dabei gehe es aber nicht nur um Effizienz, sondern auch um den Faktor Zufriedenheit. Die Zukunft der Arbeit bestehe darin, wie das Unternehmen betonte, sowohl Produktivität als auch die Erfüllung im Job zu steigern. Dass hier Handlungsbedarf bestehe, unterstrich HPs Marketingchef Antonio Lucio anhand einer HP-Studie. Laut dieser haben nämlich nur rund 20 Prozent der Angestellten ein gesundes Verhältnis zu ihrer Arbeit. Zugleich seien jedoch 85 Prozent der Faktoren, welche die Zufriedenheit beeinflussen, "technologiegetrieben - und liegen somit in unserer Hand", betonte Lucio.

Antonio Lucio, Chief Marketing and Corporate Affairs Officer bei HP. (Source: zVg)
Der Konzern leitet daraus drei zentrale Anforderungen ab: Fokus, Ausgleich und Zusammenarbeit. KI soll demnach vor allem repetitive Aufgaben übernehmen, damit sich Mitarbeitende auf kreative und wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren können.
Zusammenarbeit über Geräte und Räume hinweg
Herzstück der neuen Software-Offensive ist das sogenannte HP IQ, das Tuan Tran, President Technology & Innovation Organization bei HP, als "intelligente Plattform für die Zukunft der Arbeit" bezeichnete. Die Plattform basiere auf einem lokalen KI-Modell mit rund 20 Milliarden Parametern, das direkt auf dem Endgerät ausgeführt werde und in die Geräte- und Softwareumgebung von HP eingebettet ist. Ziel sei ein sogenannter Local-First-Ansatz: Daten sollen möglichst auf dem Gerät bleiben, während KI-Funktionen lokal verarbeitet werden.

Tuan Tran, President Technology & Innovation Organization bei HP, sprach an der Konferenz über HP IQ. (Source: Netzmedien)
In einer Live-Demo zeigte das Unternehmen im Rahmen der HP Imagine unter anderem, wie IQ Dokumente analysieren und Meetings zusammenfassen kann. Sensible Daten könnten dabei direkt auf dem Gerät verarbeitet werden, ohne zwingend an externe Cloud-Dienste übermittelt zu werden. Ergänzt wird dies laut HP durch Funktionen für geräteübergreifende Zusammenarbeit sowie durch lokale Tools wie einen Meeting-Agenten, der Besprechungen automatisch protokolliert.
Eine zentrale Rolle spiele dabei die sogenannte Nearsense-Technologie, die eine direkte und sichere Peer-to-Peer-Verbindung zwischen Geräten ermöglichen soll. Inhalte liessen sich so etwa per Drag-and-drop zwischen Geräten in unmittelbarer Nähe austauschen. Ziel sei eine Architektur, in der KI-Funktionen "über Geräte und Räume hinweg" zusammenspielen und als integrierter Bestandteil der Arbeitsumgebung fungieren. HP positioniert IQ demnach nicht als isolierte Anwendung, sondern als Teil eines breiteren Ökosystems "für die nahtlose Zusammenarbeit".
Neue Partnerschaften und Verfügbarkeit
Um die Funktionen über die eigenen Geräte hinaus zu erweitern, kündigte HP zudem neue Partnerschaften an. So arbeite das Unternehmen unter anderem mit Google zusammen, um die Nearsense-Technologie in bestehende Geräte-Ökosysteme zu integrieren. Konkret soll Nearsense künftig auch die direkte Verbindung zwischen HP-Geräten und anderen Plattformen ermöglichen, etwa mit Android-Smartphones. Inhalte könnten so geräteübergreifend ausgetauscht werden. "Diese Partnerschaft bedeutet, dass Nearsense nicht auf HP-Geräte beschränkt bleiben muss", wie der Hersteller betonte.
Parallel dazu kooperiert HP mit dem US-amerikanischen Halbleiterhersteller Qualcomm, um entsprechende Funktionen direkt auf Hardware-Ebene zu verankern und künftig breiter in Geräten zu integrieren.
Nearsense und HP IQ sollen zunächst ab Frühjahr 2026 im Rahmen eines Early-Access-Programms auf ausgewählten KI-PCs verfügbar sein. Eine breitere Einführung auf weiteren HP-Geräten - darunter Notebooks, Desktops und Poly Studio Video Bars - sei im Laufe des Jahres geplant.
Die HP-Exekutive präsentierte an dem Anlass auch eine Reihe weiterer neuer Funktionen und Geräte. Dazu zählen neue KI-gestützte PCs, eine physische Schutzlösung und quantensichere Drucker. Lesen Sie hier mehr zum erweiterten Produktportfolio des Unternehmens.
Schweizer Firmen forcieren KI-Projekte trotz Sicherheitsrisiken
FHNW eröffnet neues Security Lab
Sieber & Partners erweitert Verwaltungsrat und KI-Angebot
Schweizer DooH-Markt boomt – trotz regulatorischer Hürden
Wie HP mit KI die räumlichen Grenzen sprengen will
Tausende Synology-NAS in der Schweiz weisen kritische Schwachstelle auf
Experts Inside Schweiz macht COO zum CEO
31 neue KI-PCs, 1 physische Schutzlösung und 2 quantensichere Drucker-Serien
Cowboys ersetzen Römer beim Wagenrennen