Webinar Energieeffizienz im RZ

Wie Schweizer Rechenzentren auch im KI-Zeitalter nachhaltig arbeiten

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von Tobias Seefeld und cka

Als Folge des KI-Booms gibt es auch in der Schweiz immer mehr Rechenzentren. Diese stehen jedoch zunehmend wegen ihres grossen Stromverbrauchs in der Kritik. In einem Webinar zeigte Netzmedien mit Experten von SDEA, SDCA und TEP Energy, wie eine nachhaltige Zukunft für Schweizer Rechenzentren aussieht.

(Source: MD NAZMUL - stock.adobe.com)
(Source: MD NAZMUL - stock.adobe.com)

In der Schweiz wie auch weltweit hat die Zahl der Rechenzentren (RZ) in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Global gesehen ist der wichtigste Treiber für diese Entwicklung sicher die KI. Obwohl in der Schweiz keine grossen KI-Modelle trainiert werden, gewinnen RZ auch hier zunehmend an Wichtigkeit, insbesondere zugunsten der digitalen Souveränität. Gleichzeitig werden Forderungen nach Energieeffizienz und Nachhaltigkeit laut.

Mit diesen Herausforderungen befassten sich Netzmedien Anfang Mai in einem Webinar. Die Referenten kamen von der Swiss Datacenter Efficiency Association (SDEA), der Swiss Datacenter Association (SDCA) und TEP Energy in einem Webinar. Als erstes sprach Martin Jakob, geschäftsführender Gesellschafter von TEP Energy, über eine Studie, die sein Unternehmen im Auftrag des Bundesamtes für Energie durchgeführt hat. Die Studie wurde am 7. Mai, am Tag des Webinars, veröffentlicht und untersucht den Energiebedarf von Schweizer Rechenzentren.

Steigender Stromverbrauch

Laut der Studie verbrauchten RZ 2024 rund 3,6 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Erhebung im Jahr 2019. Von diesen rund 2,1 Terawattstunden verbrauchten Marktdienstleister (etwa Cloud-Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google) 44 Prozent, während die restlichen 56 Prozent an interne Rechenzentren von hiesigen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der Verwaltung gingen, wie Jakob aufzeigte. Er betonte, dass es wichtig sei, diese beiden Segmente zu unterscheiden.

Martin Jakob, geschäftsführender Gesellschafter von TEP Energy.

Martin Jakob, geschäftsführender Gesellschafter von TEP Energy. (Source: Screenshot / Webinar)

Bezüglich Energieeffizienz sei in den vergangenen Jahren schon einiges passiert. Laut Jakob setzen mittlerweile viele Unternehmen Methoden wie Warmgang-Kaltgang-Trennung ein, um in ihren RZ Energie zu sparen. Dennoch gebe es noch Verbesserungspotenzial, insbesondere bei den internen RZ, aber auch bei den Marktdienstleistern. Jakob erklärte, dass etwa auf Seite der IT noch einiges gemacht werden könne. Weitere Visualisierung und flächendeckender Einsatz von SSD sollen die Effizienz steigern.

Basierend auf den Angaben von RZ-Betreibern rechne Jakob mit einer Zunahme des Stromverbrauchs um etwa 40 Prozent in den kommenden vier Jahren. Die Marktdienstleister hätten weiteres Wachstum angekündigt, während viele interne Rechenzentren eher auf dem aktuellen Stand bleiben würden. Jakob schätzte folglich den künftigen RZ-Stromverbrauch auf maximal 3,5 Terawattstunden, also etwa 6 Prozent des heutigen Gesamtstromverbrauchs.

Yves Zischek, Vizepräsident der SDCA und Managing Director Switzerland & Austria des RZ-Betreibers Digital Realty.

Yves Zischek, Vizepräsident der SDCA und Managing Director Switzerland & Austria bei Digital Realty. (Source: Screenshot / Webinar)

Nahende Nachhaltigkeit

Anschliessend sprach Yves Zischek, Vizepräsident der SDCA und Managing Director Switzerland & Austria beim RZ-Betreiber Digital Realty. Er begann damit, die von Jakob präsentierten Zahlen einzuordnen. Mit einer Zunahme um 0,5 Prozentpunkte innerhalb von fünf Jahren sei der Stromverbrauch von RZ hierzulande weniger stark gestiegen als in vielen anderen Ländern. Das sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Schweiz keine grossen KI-Trainingsanlagen habe. Die Schweiz ist laut Zischek ein Inference-Markt, das heisst, dass trainierte KI-Module an Unternehmensdaten angedockt werden.

Ein Screenshot aus dem Webinar.

In Schweizer Rechenzentren wird kein KI-Training betrieben. (Source: Screenshot / Webinar)

Gleichzeitig würden viele Unternehmen jetzt wieder aus der Cloud herausgehen und ihre Daten in eigenen RZ speichern. Dass der Stromverbrauch trotz der vielen internen RZ nur begrenzt steigt, liegt laut Zischek daran, dass Unternehmen verschiedene Workflow-Tools und andere Anwendungen abbauen können, deren Funktionen nun die KI übernimmt – es findet also eher eine Verschiebung des Stromverbrauchs statt.

Beim Bau von neuen RZ ist es wichtig, dass man frühzeitig mit den Gemeinden zusammenarbeitet, wie Zischek weiter sagte. Insbesondere bei der Abwärmenutzung spiele Raumplanung eine wichtige Rolle. Er sei jedoch der Meinung, dass es bei den Planungshorizonten noch Verbesserungspotenzial gebe, weshalb die SDCA diesbezüglich mit dem Bund zusammenarbeite.

Ein Screenshot aus dem Webinar.

Je höher der Digitalisierungsgrad, desto grösser die CO2-Reduktionen. (Source: Screenshot / Webinar)

Abschliessend betonte Zischek, dass Digitalisierung langfristig zur Dekarbonisierung beitrage. Zwar würden RZ zunächst mehr Strom benötigen, aber sobald die Nutzung effizient sei, würden sie zur CO2-Reduktion beitragen. Deshalb sei es für eine nachhaltige Zukunft wichtig, die Digitalisierung so schnell wie möglich voranzutreiben.

René Fasan, Spezialist für RZ-Infrastrukturen und Gründungsmitglied der SDEA.

René Fasan, Spezialist für RZ-Infrastrukturen und Gründungsmitglied der SDEA. (Source: Screenshot / Webinar)

Effiziente Energienutzung

Der dritte Sprecher war René Fasan, Spezialist für RZ-Infrastrukturen und Gründungsmitglied der SDEA. Er erklärte, dass die Herausforderung nicht in der Energieversorgung liege, sondern in der effizienten Energienutzung. Laut Fasan ist der Stromverbrauch durch RZ so hoch, weil viele Kapazitäten nicht genutzt werden und ungebrauchte Server trotzdem laufen, wodurch viel Energie verpufft. In der Folge wachse der Widerstand, was zu blockierten Projekten führe.

Screenshot aus dem Webinar.

Die meisten Rechenzentren nutzen ihre Kapazitäten nicht. (Source: Screenshot / Webinar)

Fasan zeigte auf, dass viele RZ nur etwa ein Drittel ihrer Kapazität nutzen. “Es mangelt uns nicht an Energie, es mangelt uns an Daten, die die Energie verwenden", fasste er die Problematik zusammen. Der erste Schritt zur Lösung liege beim richtigen Messen. Wenn heute die Energieeffizienz von RZ gemessen wird, liegt der Fokus laut Fasan auf der Hülle bzw. dem Gebäude – es wird gemessen, wie viel Energie die Kühlung im Vergleich zur IT-Infrastruktur benötigt. So gehe bei einem effizienten RZ über 90 Prozent der Energie in die IT. Doch wie viel Energie das tatsächlich sei und ob man diesen Verbrauch reduzieren könnte, würden die Zahlen nicht aufzeigen.

Ein Screenshot aus dem Webinar.

Eine ganzheitliche Bewertung der RZ-Nachhaltigkeit. (Source: Screenshot / Webinar)

Die SDEA hat eine Zertifizierung entwickelt, die alle diese Aspekte mit einbezieht, wie Fasan erläuterte. Gemessen werde nicht nur das Verbrauchsverhältnis zwischen IT und Kühlung, sondern der tatsächliche Energieverbrauch des gesamten RZ. Er betonte, dass nachhaltige Rechenzentren nur möglich seien, wenn die Server effizient genutzt und ausgelastet würden.

 

Hier geht es zur vollständigen Videoaufzeichnung des Webinars.

Der Kenncode lautet: rPT93v*B

Und die Slides zu den Präsentationen können Sie hier herunterladen.

 

Im Schweizer RZ-Markt hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Es wurden neue RZ gebaut, während einige bestehende den Besitzer wechselten. Von diesen und weiteren Entwicklungen lesen Sie in der aktuellen Marktübersicht zu Schweizer Rechenzentren.

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jvqEm3aZ