So krempelt KI gemäss Microsoft den Büroalltag um
Wie wirkt sich der Wandel zum KI-gestützten Büro auf die Mitarbeitenden aus? Welche Kompetenzen nun gefordert sind und inwiefern der Effizienzdruck einen neuen Vendor-Lock-in oder Einbussen bei der digitalen Souveränität provoziert, sagt Ann Jameson, Sales Enablement & Operations Lead bei Microsoft Schweiz.
Wie verändert KI die Anforderungen an den IT-Arbeitsplatz von heute? Wie viel KI benötigt ein moderner IT-Arbeitsplatz wirklich?
Ann Jameson: Der IT-Arbeitsplatz entwickelt sich zunehmend zu einem gemeinsamen Arbeitsraum von Menschen und Agenten. Entscheidend ist dabei nicht, wie viel KI eingesetzt wird, sondern wo sie den grössten Mehrwert schafft: dort, wo Prozesse sonst ins Stocken geraten oder wertvolle Zeit verloren geht. Agenten können vorbereitende und wiederkehrende Aufgaben übernehmen. Urteilsvermögen, Verantwortung und Einordnung bleiben jedoch beim Menschen.
Welche Fähigkeiten müssen Mitarbeitende entwickeln, um KI am Arbeitsplatz sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen zu können – und wer trägt die Verantwortung dafür, diese Kompetenzen aufzubauen?
Gefragt ist vor allem die Fähigkeit, KI-Ergebnisse kritisch zu prüfen, einzuordnen und verantwortungsvoll zu nutzen. Der Schweizer Work Trend Index zeigt: 84 Prozent betrachten KI-Ergebnisse als Ausgangspunkt und nicht als fertige Antwort, 46 Prozent nennen Qualitätskontrolle als eine zentrale Fähigkeit. Diese Fähigkeiten gezielt aufzubauen, ist eine Führungsaufgabe. Unternehmen müssen die passenden Rahmenbedingungen schaffen, Führungskräfte den verantwortungsvollen Umgang mit KI vorleben.
KI soll Mitarbeitende produktiver machen und von Routineaufgaben entlasten. Gleichzeitig bestehen Ängste vor Arbeitsplatzverlust und einer stärkeren Automatisierung. Wie sollten Unternehmen mit diesem Spannungsfeld umgehen?
Die entscheidende Frage lautet: "Wie verändert sich Arbeit?" Studien wie jene der ILO in Genf zeigen bislang, dass sich vor allem einzelne Tätigkeiten verändern und weniger ganze Berufsbilder wegfallen. Genau deshalb gewinnen menschliche Fähigkeiten an Gewicht. Weiterbildung und kontinuierliches Lernen werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Microsoft unterstützt deshalb bis 2027 eine Million Menschen in der Schweiz beim Aufbau von KI-Kompetenzen. Mehr als 630 000 haben wir bereits erreicht.
Was bedeutet die steigende KI-Nutzung in Bezug auf die digitale Souveränität? Inwiefern erhöhen Unternehmen ihre Abhängigkeit von ausländischen Anbietern aufgrund eines KI-bedingten Effizienzdrucks?
Digitale Souveränität bedeutet, die Kontrolle über Daten, Zugriffe und Technologien zu behalten und gleichzeitig von globaler Innovation zu profitieren. Je nach rechtlichen und operativen Anforderungen brauchen Organisationen unterschiedliche Lösungen für Kontrolle, Resilienz und Konnektivität. Microsoft betreibt vier Rechenzentren in Zürich und Genf und investiert 400 Millionen US-Dollar in lokale Infrastruktur und Kompetenzen. Die Microsoft Sovereign Cloud erweitert diese Optionen bis hin zu vollständig isolierten Cloud- und KI-Umgebungen.
Was sind aktuell die grössten Hürden bei der Einführung von KI am Arbeitsplatz?
Um das volle Potenzial von KI zu nutzen, reicht es nicht, sie punktuell in bestehende Abläufe einzubinden. Unternehmen müssen ganze Arbeitsprozesse neu gestalten und klar definieren, wie Menschen und KI zusammenarbeiten. Entscheidend ist daher nicht das Pilotprojekt, sondern die nachhaltige Verankerung im operativen Alltag.
Genügen Monitor, Laptop, ein Collaboration-Tool und ein gutes Netzwerk? Was darf an einem modernen IT-Arbeitsplatz auf keinen Fall fehlen?
Sie sind die Grundlage, aber nicht mehr ausreichend. Wer produktiv mit KI arbeiten will, braucht drei weitere Ebenen: Identitäts- und Zugriffsschutz, verlässlichen Zugang zu geordneten und gut strukturierten Daten – und eine Governance, die auch für Agenten gilt, nicht nur für Menschen. Dazu kommt die Kompetenz, diese Werkzeuge sicher und verantwortungsvoll einzusetzen. Entscheidend ist am Ende aber weniger die Technik als die Bereitschaft, Abläufe neu zu denken: Wer bestehende Umwege automatisiert, macht sie lediglich schneller.
Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:
- Oliver Bachmann, TD Synnex: "Ein Training allein reicht nicht aus, um KI nachhaltig im Arbeitsalltag zu verankern."
- Karin Bühler, Adnovum: "Transparenz, Weiterbildung und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden sind zentrale Erfolgsfaktoren."
- Tobias Quelle, Brack Alltron: "Wer Mitarbeitende aktiv zu Gestaltern macht, nimmt Ängste und setzt Innovationskraft frei."
- Patrice Steiner, Procloud: "Der beste Start ist ein klar abgegrenzter Use Case."
- Peter Zanoni, HP: "KI-Kompetenz umfasst dabei nicht nur die Nutzung von Tools, sondern auch kritisches Denken."
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