So krempelt KI gemäss Brack Alltron den Büroalltag um
Wie wirkt sich der Wandel zum KI-gestützten Büro auf die Mitarbeitenden aus? Welche Kompetenzen nun gefordert sind und inwiefern der Effizienzdruck einen neuen Vendor-Lock-in oder Einbussen bei der digitalen Souveränität provoziert, sagt Tobias Quelle, CIO von Brack Alltron.
Wie verändert KI die Anforderungen an den IT-Arbeitsplatz von heute? Wie viel KI benötigt ein moderner IT-Arbeitsplatz wirklich?
Tobias Quelle: KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Querschnitts-Enabler. Der moderne IT-Arbeitsplatz erfordert heute ein agnostisches Mindset: Nicht ein einzelnes Tool dominiert, sondern das flexible Zusammenspiel spezialisierter Modelle je nach Kontext. Wie viel KI nötig ist, bemisst sich am messbaren Mehrwert entlang der Wertschöpfungskette. KI gehört heute als Assistenzsystem – "Copilot" – in den Alltag jedes Software- und Wissensarbeiters, von der Recherche bis zum Coding.
Welche Fähigkeiten müssen Mitarbeitende entwickeln, um KI am Arbeitsplatz sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen zu können – und wer trägt die Verantwortung dafür, diese Kompetenzen aufzubauen?
Zentral sind Neugierde, Urteilsvermögen und die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu beurteilen. Die Führung trägt die Verantwortung, den Rahmen dafür zu schaffen: mit klaren Leitlinien und Formaten für kontinuierliches Lernen. Bei uns treibt dies ein unternehmensweiter interdisziplinärer "AI Circle", der Best Practices teilt und Befähigung unternehmensweit verankert. Befähigung ist eine Führungsaufgabe; die Motivation zum Ausprobieren liegt bei den Teams.
KI soll Mitarbeitende produktiver machen und von Routineaufgaben entlasten. Gleichzeitig bestehen Ängste vor Arbeitsplatzverlust und einer stärkeren Automatisierung. Wie sollten Unternehmen mit diesem Spannungsfeld umgehen?
Mit Transparenz und Einbindung. Unsere internen Umfragen zeigen: Über 90 Prozent der Mitarbeitenden stehen KI positiv gegenüber, wenn der Nutzen greifbar ist. Es geht nicht um Stellenabbau, sondern um Wirksamkeit und Unterstützung: Kleine, crossfunktionale Teams können dank KI deutlich schlagkräftiger agieren und anspruchsvollere Probleme lösen. Wer Mitarbeitende aktiv zu Gestaltern macht – "Power to the People" –, nimmt Ängste und setzt Innovationskraft frei.
Was bedeutet die steigende KI-Nutzung in Bezug auf die digitale Souveränität? Inwiefern erhöhen Unternehmen ihre Abhängigkeit von ausländischen Anbietern aufgrund eines KI-bedingten Effizienzdrucks?
Das Risiko von Lock-ins ist real. Unsere Antwort darauf ist technologische Agnostik: Wir binden uns nicht an ein einziges proprietäres Modell, sondern evaluieren kontinuierlich. Zudem gilt das Credo: "Make if it’s core, buy if it’s non-core". Kritische Kernfähigkeiten und das Domänenwissen gehören ins eigene Haus, Standardkomponenten können bezogen werden, müssen aber in einem gesicherten und jederzeit wechselbaren Rahmen betrieben werden.
Was sind aktuell die grössten Hürden bei der Einführung von KI am Arbeitsplatz?
Die grössten Hürden sind nicht fehlende Tools, sondern unzureichende Datenqualität, herausfordernde Kostenplanung und Legacy-Infrastrukturen. Schlechte Daten kann auch die beste KI nicht besser machen. Hinzu kommen unklare Leitlinien oder fragmentierte Bottom-up-Initiativen ohne Abstimmung. Auch eine stärkere Transparenz der mit KI bearbeiteten Anwendungsfälle kann die gemeinsamen Lernkurven aufzeigen, die dann als Katalysator für weitere Anwendungen dienen.
Genügen Monitor, Laptop sowie ein Collaboration-Tool und ein gutes Netzwerk? Was darf an einem modernen IT-Arbeitsplatz auf keinen Fall fehlen?
Hardware und Netzwerk auf einem hohen Niveau sind reine Standards. Entscheidend sind der effiziente Zugang zu datenschutzkonformen KI-Assistenten, saubere Datenplattformen und vor allem die Erlaubnis zum Experimentieren. Ohne eine Kultur des schnellen Ausprobierens und Lernens sowie des Teilens der Erkenntnisse nützt die beste technische Infrastruktur nichts.
Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:
- Oliver Bachmann, TD Synnex: "Ein Training allein reicht nicht aus, um KI nachhaltig im Arbeitsalltag zu verankern."
- Karin Bühler, Adnovum: "Transparenz, Weiterbildung und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden sind zentrale Erfolgsfaktoren."
- Ann Jameson, Microsoft: "Entscheidend ist nicht das Pilotprojekt, sondern die nachhaltige Verankerung im operativen Alltag."
- Patrice Steiner, Procloud: "Der beste Start ist ein klar abgegrenzter Use Case."
- Peter Zanoni, HP: "KI-Kompetenz umfasst dabei nicht nur die Nutzung von Tools, sondern auch kritisches Denken."
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