Umfrage von HSLU und TI&M

Schweizer Unternehmen schwächeln bei digitaler Souveränität

Uhr
von Julia Meyer und rja

Nicht einmal jedes dritte Schweizer Unternehmen hat eine Strategie für digitale Souveränität. Dabei erachten 3 von 4 Unternehmen das Thema als wichtig, wie eine Studie von TI&M und der Hochschule Luzern zeigt.

(Source: Christopher Gower / Unsplash.com)
(Source: Christopher Gower / Unsplash.com)

Die grosse Mehrheit der Schweizer Unternehmen findet digitale Souveränität zwar wichtig, doch nur wenige von ihnen haben eine Strategie dafür formuliert. Dies zeigt die "Digital Sovereignty Study 2026" von TI&M und der Hochschule Luzern. Sie basiert auf einer Umfrage unter 200 Organisationen aus der Schweiz. 73 Prozent der befragten Unternehmen gaben demnach an, digitale Souveränität sei wichtig. Doch nur 35,6 Prozent von ihnen hätten eine entsprechende Strategie.

Weiter hätte nur etwa die Hälfte der Unternehmen strukturiert geprüft, wie abhängig sie von grossen IT-Anbietern sind. Die Mehrheit der Unternehmen schätze ihre Abhängigkeit als hoch ein, teilt TI&M mit. 

Negative Erfahrungen ändern nichts

Auch wenn Unternehmen bereits negative Erfahrungen mit digitaler Abhängigkeit gemacht haben, scheine dies nichts am Umgang mit dem Thema zu ändern. Die betroffenen Unternehmen seien hinsichtlich Strategie oder Exit-Plänen nicht wesentlich besser aufgestellt als jene ohne Vorfälle.

"Die meisten Unternehmen wissen, dass sie abhängig sind. Aber nur die Hälfte prüft dies strukturiert. Wer seine Abhängigkeiten nicht misst, kann weder das Risiko beziffern noch entscheiden, wo sich eine Investition lohnt", lässt sich Thomas Wüst, CEO von TI&M, hierzu zitieren. 

Digitale Souveränität als Kostenproblem behandeln

Als grösstes Risiko in Zusammenhang mit digitaler Abhängigkeit fürchten die befragten Unternehmen den Kontrollverlust über sensible Daten. Tatsächlich seien solche Vorfälle jedoch nur selten eingetreten, stellen die Autoren fest. Öfter führe digitale Abhängigkeit zu Mehrkosten. Aufgrund der Abhängigkeit seien die Unternehmen gezwungen, mit starken Preiserhöhungen mitzugehen. Aufgrund dieser Diskrepanz zwischen befürchteten und tatsächlichen Risiken werde digitale Souveränität oft als Governance- oder Datenschutzproblem behandelt, stellen die Autoren fest. Tatsächlich seien die Kosten jedoch die grösste Folge digitaler Abhängigkeit, weshalb das Thema auch entsprechend behandelt werden sollte.

Gemäss den Forschenden beziffern viele Unternehmen diesen finanziellen Aufwand nicht. Dies folgern sie aus auffällig vielen "Weiss nicht"-Antworten auf Finanzfragen zu Kostenerhöhungen, Investitionen und Budgets. 

Weniger Abhängigkeit mit Open-Source-Software

Unternehmen, die bei der Beschaffung und Architekturplanung bewusst auf Open-Source-Software achten, meldeten tiefere digitale Abhängigkeiten. Für die meisten der befragten Unternehmen spiele quelloffene Software jedoch eine untergeordnete Rolle.

Um digital souveräner zu werden, empfehlen die Forschenden Unternehmen unter anderem, Exit-Fähigkeit für kritische Services aufzubauen und zu testen, Open-Source-Systeme insbesondere bei Neubeschaffungen zu evaluieren, transparente Budgets und Massnahmen zu formulieren und KI-Abhängigkeiten früh anzugehen. 

 

Die digitale Souveränität beschäftigt auch öffentliche Stellen in der Schweiz. Mehr als jede zweite Schweizer Gemeinde nutzt nämlich Microsoft, wie Sie hier lesen können. 

Webcode
VGe66k2E