Westschweizer Start-up lanciert zwei KI-Modelle mit Souveränitätsfokus
Das Lausanner Start-up Giotto stellt mit "Solo" und "Alto" zwei neue KI-Modelle vor. Diese lassen sich über europäische Cloud-Infrastrukturen oder direkt auf eigener Hardware betreiben und sollen so die digitale Souveränität stärken.
Das Lausanner Start-up Giotto kündigt die Einführung von Solo und Alto an, zwei neuen, in der Schweiz entwickelten KI-Modellen für logisches Schlussfolgern. Die neue Modellreihe knüpft an den im Mai 2026 vorgestellten Ansatz der "portablen KI" sowie an die im Juli 2026 erfolgte Einführung einer kostenlosen Cloud-Version seiner KI an.
Giotto Solo ist laut Mitteilung für den Betrieb auf einer einzigen Grafikkarte (GPU) ausgelegt. Giotto Alto hingegen soll anspruchsvollere Aufgaben beim logischen Schlussfolgern bewältigen und richte sich an professionelle Anwender. Das Modell laufe auf acht Nvidia-B300-GPUs. Giotto hat eigenen Angaben zufolge bei der Entwicklung seiner Modelle besonderen Wert auf Effizienz gelegt, um den Bedarf an Rechenleistung, Energie und Infrastruktur zu reduzieren.
In einem Interview mit "Bilan" erklärt Aldo Podestà, CEO und Mitgründer von Giotto, dass das Unternehmen insbesondere auf "Test-Time-Compute" setzt - einen Ansatz, bei dem einem KI-Modell während der Inferenz mehr Rechenressourcen zugewiesen werden, anstatt immer grössere Modelle zu trainieren.
Verschiedene Möglichkeiten für den Betrieb
Solo und Alto liessen sich auf unterschiedliche Weise betreiben: über eine gemeinsam genutzte Cloud, die in Europa gehostet und betrieben wird, über eine dedizierte und isolierte Cloud-Infrastruktur in Partnerrechenzentren in der Schweiz oder anderen europäischen Ländern oder direkt vor Ort auf kompatibler Hardware. Die möglichen Konfigurationen reichen laut Giotto von einer Workstation mit einer einzigen GPU für Solo bis zu Server-Racks mit mehreren GPUs für Alto.
Giotto sieht diese verschiedenen Betriebsmöglichkeiten als Teil seiner Strategie für digitale Souveränität. Das Unternehmen betont, dass seine Cloud-Dienste die Anforderungen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erfüllen sollen und nicht von US-amerikanischen Cloud-Infrastrukturen abhängig seien. "Europa muss mehr bieten als nur eine andere Flagge bei derselben Abhängigkeit. Die Souveränität muss den Menschen und Organisationen gehören, die KI nutzen, und nicht nur den Unternehmen, die sie entwickeln", erklärt Podestà.
Zur Lancierung biete Giotto ausserdem einen kostenlosen und anonymen Chatdienst an, der ohne Benutzerkonto zugänglich sei, sowie Apps für iOS und Android. Giotto Alto stehe über die gemeinsam genutzte Cloud kostenlos zur Verfügung. Für Entwickler bietet das Unternehmen zudem eine API an.
Übrigens: Durch Open-Source-Technologie lässt sich digitale Souveränität umsetzen, findet Matthias Stürmer, Professor an der Berner Fachhochschule. Mehr dazu lesen Sie hier.
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