PwC-Umfrage

Angriffe auf KI-Systeme offenbaren Lücken in der Schweizer Cyberabwehr

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von Elia Ferrari und jor

Unternehmen stocken ihre Budgets für Cybersecurity wieder deutlich auf und setzen dabei immer mehr auf KI. Das zeigt eine Umfrage von PwC. Für Schweizer Unternehmen sind ausgerechnet Angriffe auf ihre KI-Systeme die grösste Gefahr.

(Source: zVg)
(Source: zVg)

Nach einigen Jahren mit weitgehend stabilen Budgets fliesst wieder mehr Geld in die Cybersicherheit. 84 Prozent der Sicherheits- und Finanzverantwortlichen rechnen mit steigenden Ausgaben, wobei 58 Prozent KI zu ihren wichtigsten Investitionsprioritäten zählen. Dies zeigt die Studie "Global Trust Insights 2027" von PwC, für die das Beratungsunternehmen zwischen Mai und Juli 2026 rund 3900 Führungskräfte aus Wirtschaft und Technologie in 71 Ländern befragte, darunter 54 aus der Schweiz.

KI als grösste Schwachstelle

Die Hälfte der befragten Sicherheitsverantwortlichen zählt Angriffe auf KI-Systeme zu den grössten Lücken ihrer eigenen Vorbereitung, wie PwC schreibt. Auch für Schweizer Unternehmen stellen Cyberattacken auf KI-Systeme laut PwC die grösste Gefahr dar. Darauf vorbereitet seien jedoch die wenigsten. Hinter den Angriffen auf KI-Systeme folgen Bedrohungen in der Cloud (40 Prozent), Sicherheitsvorfälle bei Drittanbietern (34 Prozent) und Ransomware (33 Prozent).

Grund für den Handlungsbedarf seien die Fortschritte der sogenannten Frontier Models. Diese seien inzwischen in der Lage, bisher unbekannte Schwachstellen in Software aufzuspüren und mit minimaler menschlicher Intervention auszunutzen.

Am schlechtesten gewappnet sind die Befragten laut Studie gegen autonome Bot-Netze (53 Prozent), Adversarial Attacks und Data Poisoning (je 52 Prozent). "KI schafft eine neue Art von Sicherheitsrisiko und zugleich eine der grössten Chancen, die Verteidiger seit Jahrzehnten hatten. Die Herausforderung besteht darin, Vertrauen und Kontrolle so schnell aufzubauen, wie KI eingeführt wird", lässt sich Phil Venables, Partner bei Ballistic Ventures, in der Studie zitieren. 

Das schlägt sich auch in den Budgets der Unternehmen nieder. In der Schweiz berücksichtigen 46 Prozent der Befragten KI-basierte Angriffsmethoden und Attacken auf die eigenen Systeme bei ihren Investitionsentscheiden, wie PwC mitteilt. Zudem ist der Datenschutz für 59 Prozent ausschlaggebend dafür, wie viel sie für Cybersicherheit ausgeben und wofür.

Zurückhaltung bei autonomen KI-Agenten

In der eigenen Abwehr setzen Unternehmen gemäss PwC vor allem bei der Erkennung von Bedrohungen (50 Prozent), Betrug (43 Prozent) und Phishing (42 Prozent) auf KI. Bei der Autonomie von KI-Agenten bleiben die Befragten jedoch vorsichtig. Weltweit sind nur 22 Prozent laut Umfrage bereit, Agenten Abwehrmassnahmen ohne menschliche Freigabe ausführen zu lassen, während man in der Schweiz mit nur 11 Prozent noch zurückhaltender ist. 38 Prozent befürworten eine teilweise Autonomie, während 36 Prozent auf menschliche Ausführung mit Unterstützung durch KI setzen.

Als grösste Hürde bei autonomen KI-Agenten sehen weltweit 55 Prozent der Befragten die mangelnde Zuverlässigkeit und Reife der Technologie, wie es in der Studie heisst. In der Schweiz sind es sogar 59 Prozent. Weitere 46 Prozent begründen die Unsicherheiten mit fehlender Verantwortlichkeit und Nachvollziehbarkeit bei Entscheidungsprozessen der KI-Agenten. Deutlich häufiger als im globalen Vergleich verweisen Schweizer Unternehmen zudem auf regulatorische oder Compliance-Vorgaben (48 Prozent gegenüber 38 Prozent).

"Der nächste Schritt in der KI-gestützten Cyberabwehr ist nicht einfach mehr Autonomie, sondern vertrauenswürdige Autonomie", sagt Johannes Dohren, Partner und Leader Cybersecurity, Resilience & Defence, PwC Schweiz. Des Weiteren müsse klar definiert werden, wo KI selbstständig handeln dürfe und wo der Mensch weiterhin die Kontrolle behalte.

Lücken bei Datenschutz und Quantencomputing

Beim Schutz der eigenen Daten hinken viele Unternehmen laut PwC hinterher. Im Schnitt haben sie nur drei von sieben zentralen Massnahmen gegen Datenrisiken umgesetzt. Alle Massnahmen vollständig eingeführt haben lediglich 5 Prozent. Nur 39 Prozent der Sicherheits-, Risiko- und Betriebsverantwortlichen verfügen zudem über vollständig formalisierte Kontinuitätspläne, die gezielt auf Cyberbedrohungen ausgerichtet sind. 

Auf die Risiken des Quantencomputings bereiten sich gemäss Studie erst 21 Prozent der Unternehmen mit konkreten Sicherheitsmassnahmen vor. Fast die Hälfte (49 Prozent) hat noch nicht damit begonnen. Der Wechsel zu quantenresistenter Sicherheit dauere Jahre, schreibt PwC. Das Beratungsunternehmen rät deshalb, bereits jetzt mit den Vorbereitungen zu beginnen. 

Cyberrisiken fliessen selten in den Geschäftsalltag

Neben KI verschärfen laut PwC auch geopolitische Spannungen sowie komplexere Technologie- und Lieferketten die Risikolage. 91 Prozent der Befragten in der Schweiz passen ihre Cyberstrategie deshalb in mindestens einem Bereich an. Je 44 Prozent stärken das Risikomanagement in der Lieferkette, bauen ihre Bedrohungsanalysen aus oder prüfen die Widerstandsfähigkeit und geografische Verteilung kritischer Infrastrukturen.

Zusätzliche Technologie allein genüge jedoch nicht, schreibt PwC. Cybersicherheit müsse als geschäftskritisches Risiko in strategische und operative Entscheide einfliessen. Genau hier bestehe in der Schweiz Nachholbedarf. Nur 35 Prozent der in der Schweiz befragten Unternehmen behandeln das Thema laut Studie regelmässig im Verwaltungsrat, weltweit sind es 47 Prozent. Eine routinemässige Bewertung von Cyberrisiken bei alltäglichen Geschäftsentscheiden führen lediglich 20 Prozent durch, gegenüber 34 Prozent weltweit. 

 

Schon für das Jahr 2026 hat PwC die Global Digital Trust Insights veröffentlicht. Damals stellte die technologische Modernisierung noch den grössten Grund für Investitionen dar. Mehr zur Umfrage des letzten Jahres lesen Sie hier.

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