ICT-Reseller-Index August

Das Reseller-Geschäft rutscht ins Sommerloch

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Der ICT-Reseller-Index von Proseller ist im August erneut gesunken. Die Preise fallen, der Markt ist gesättigt, und die Kunden kommen bereits informiert in den Laden. Proseller sagt, wie sich Reseller dennoch profilieren können.

Mit dem August ist für das Schweizer Reseller-Geschäft auch das Sommerloch gekommen. Dies geht aus dem aktuellen ICT-Reseller-Index von Proseller hervor. Der Index erreichte im August einen Wert von 64 Punkten. Zwar ist dies nur ein minimer Rückgang im Vergleich zu den 65 Punkten im Vormonat. Verglichen mit dem Vorjahr sank der Index jedoch um 18 Prozent, wie Proseller mitteilt.

Zählt man alle Monatswerte zusammen, kommt man auf einen kumulierten Rückstand von 17 Prozent. Bis Ende Jahr dürfte sich daran nicht viel ändern, wie Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Verfasser des Indexes, auf Anfrage sagt. "Es wird auf ein Gesamtminus von 15 bis 19 Prozent herauslaufen."

Die Randsegmente schnitten gemäss Mitteilung im August besser ab als das Kerngeschäft. So steigerten die Produktkategorien "Andere Artikel", "Komponenten" und "Zubehör" ihren Anteil am Gesamtumsatz deutlich. Diese Steigerung trügt jedoch. Die Kategorien vergrösserten ihren Umsatzanteil nur, weil sie im Jahresvergleich langsamer schrumpften als der Rest.

Der Schweizer Markt ist gesättigt

Die negative Stimmung schlägt auch auf die Preise. Sie gingen pro verkauften Artikel um fast 8 Prozent zurück, wie es in der Mitteilung heisst. "Technisch gesehen, ist ein Überangebot an Produkten der Auslöser für den Preisrückgang", sagt Czekala. "Es gibt in einem durchaus als gesättigt zu bezeichnenden ICT Markt Schweiz nicht genügend Nachfrage, um all die Produkte zu stabilen Preisen zu verkaufen."

Der gleiche Trend sei über alle Channels und Warengruppen zu verzeichnen. "Den Preisrückgang allein der Transparenz durch Online-Preisvergleichsportale zuzuschreiben, wäre zu einfach", sagt Czekala. Massgeblich daran beteiligt sei auch die "sehr kostengünstige industrielle Massenproduktion" gekoppelt mit den kurzen Produkt-Lebenszyklen.

Storage-Preise schrumpfen am deutlichsten

Diese Faktoren ergeben zusammen laut Czekala eine bisher nie dagewesene Produktflut im Handel. "Hier wird und muss es in absehbarer Zeit zu einem Umdenken in den Werte- und Verhaltenswelten unserer Schweizer Gesellschaft kommen", sagt er.

Der grösste Verlierer beim Preiszerfall ist der Bereich Storage. Der Cloud-Trend und die sinkenden Herstellerkosten sorgen laut dem Verwaltungsrat für einen Preisrückgang pro Einheit von 38 Prozent.

Die Preise in der Kategorie "Andere Artikel" stiegen um 13 Prozent. Allerdings trügt auch hier der Schein. Die Preise pro Artikel sind gemäss Czekala nicht gestiegen. Der Preisanstieg werde dadurch ausgelöst, dass Reseller eher hochwertige Produkte in ihr Sortiment aufnehmen.

Dem Reseller bleibt nur die Produktpräsentation

Ein weiterer Grund für den negativen Trend ist auch eine Verschiebung im Kundenverhalten. Der Point-of-Sale ist immer seltener auch der Point-of-Choice. "Waren früher die Verkäufer Dreh- und Angelpunkt bei den Kaufentscheidungen, so kommen die Kunden heute bereits gut informiert in den Laden oder auf den Online-Webshop", heisst es in der Mitteilung zum Index.

"Was dem Verkäufer lediglich bleibt, ist oft nur noch die physikalische Produktpräsentation, die Preisdiskussion und der Service der sofortigen Verfügbarkeit", ergänzt Czekala. Wer etwas sofort haben will, geht in den stationären Laden und wartet nicht auf den Versand. Verkaufsstrategien wie etwa Same-Day-Delivery-Angebote machen den Resellern aber auch hier zunehmend das Leben schwer.

In der Mitteilung zum Index stand aber auch Positives: Das Gehirn des Menschen erhielt in den letzten 10'000 Jahren kein Release-Update, wie Czekala schreibt. Produkte und Anwendungen werden immer komplexer. Auch künftig werden Reseller daher ausreichend Bedarf für Beratung und Dienstleistungen finden. Bei Privat- und bei Geschäftskunden.

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