ICT-Reseller-Index März

Kein frohes Osterfest für Reseller

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Im März ist der ICT-Reseller-Index deutlich gefallen. Das Handelsgeschäft hinkt dem Vorjahr über 30 Prozent hinterher. Schuld ist unter anderem das verlängerte Osterwochenende. Die Reseller bleiben jedoch optimistisch.

Für viele bedeutet Ostern ein verlängertes Wochenende voller Freuden und Schokolade. Dem Fachhandel jedoch weniger. Die Feiertage werden oft mit Ferien gekoppelt. Für das ICT-Umfeld bedeutet dies in der Regel weniger Geschäftsaktivitäten.

Das zeigt sich auch am ICT-Reseller-Index von Proseller. Im März rutschte der Index auf 71 Punkte. Ein "sehr schlechter Monatswert", teilt das Unternehmen mit. Im Vergleich zum Vormonat fiel der Index um 13 Prozent – im Vergleich zum März 2015 sogar um 31 Prozent.

Grund für den schlechten Jahresvergleich ist unter anderem das verlängerte Wochenende. Ostern kam dieses Jahr einen Monat früher. 2016 fiel das Osterwochenende komplett auf den Monat März, 2015 auf den April.

Dies könne jedoch nur etwa einen Zehntel des Ausfalls erklären, sagt Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Autor der Studie, auf Anfrage. "Die restlichen -23 Prozent sind zum einen dem generellen langfristigen Trend von -8 Prozent und zum anderen mit rund -15 Prozent dem sehr guten März 2015 geschuldet."

Rückenwind durch Frankenschock

2015 erhielt der März Rückenwind vom Frankenschock. Als Folge der Freigabe des Währungskurses mussten Hersteller und Grosshändler die Preise neu bestimmen. Dies führte zu kurzfristigen Überreaktionen "mit zu guten Preisen bei einigen Artikeln", sagt Czekala.

Wie Proseller mitteilt, sind die Effekte des starken Frankens nun eingepreist. Die Preise seien nun jedoch an das umliegende Ausland angepasst. Dies verringere zwar das Problem von Parallelimporten. Die allgemeine Deflation im Euro-Raum werde aber die Schweizer Preise wohl weiter nach unten reissen.

Mit dem "langfristigen Trend" sind die sich verändernden Rahmenbedingen im Reseller-Geschäft gemeint. Dazu gehört unter anderem, dass grosse Projekte im IT-Umfeld zunehmend direkt mit den Herstellern abgewickelt werden. Hersteller schrauben die hierfür nötige Projektgrösse langsam nach unten, wie Proseller mitteilt.

Für den Reseller wird es eng. Aber: "Den ICT-Reseller wird es in der Schweiz immer geben", verspricht Czekala. "Aber nur sehr grosse Reseller werden vom Handel alleine leben können." Da nur sie die nötigen Mengenvolumen erreichen würden, um gute Einkaufspreise zu erhalten.

"Schneller und wichtiger als die digitale Transformation"

Statt zur Übergrösse zu wachsen, seien auch Verbunde selbständiger Reseller eine Lösung. Solche Netzwerke bringen bessere Einkaufskonditionen für die Mitglieder und bündeln die Fachressourcen. "Dieser Wandel wird aus meiner Sicht sogar schneller gehen und wichtiger werden als die ganze Diskussion um digitale Transformation", sagt Czekala.

Trotz dem Abwärtstrend im Handelsgeschäft sind die Reseller optimistisch. In einer Umfrage von Proseller gaben die Befragten an, bisher verlaufe das Jahr 2016 "ganz gut". Obwohl dieselben Reseller das Handelsgeschäft als "spürbar schlechter als noch 2015" beschreiben.

"Die Mehrheit der Reseller hat bereits begonnen, ihr Beratungs- und Servicegeschäft weiter auszubauen", sagt Czekala. Die zusätzlichen Standbeine kompensierten die Verluste im margenschwachen Handel.

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