Also-Bilanzkonferenz

Alleskönner Also

Uhr | Aktualisiert

Also hat einen tiefen Einblick in seine Geschäftszahlen gewährt. Vor allem das Geschäft in der Schweiz lief gut. An der Bilanzkonferenz sprach CEO Gustavo Möller-Hergt über seine ambitionierten Ziele und präsentierte eine etwas ungewöhnliche App.

Gustavo Möller-Hergt und seine "Mannschaft" haben am Donnerstag nach Emmen an den Firmensitz von Also geladen. Dort fand die jährliche Bilanzpressekonferenz der Firma statt. Die Zahlen, die Möller-Hergt präsentierte, waren schon bekannt. Die Strategie eigentlich auch.

Der Also-CEO liess es sich trotzdem nicht nehmen, rund eine Stunde zu referieren. Er wiederholte etwa die bereits bekannte "MORE"-Strategie. Maintain, Optimize, Reinvent, Enhance. Diese Strategie habe die Basis gebildet für die drei "S", sagte Möller-Hergt.

Die drei "S" stehen für Alsos drei Geschäftsmodelle. Supply, Solutions, Services. Geschäftsmodelle auf dem Papier zu entwickeln, sei einfach, sagte Möller-Hergt dazu. "Das Schwierigste ist es, an die Kunden zu kommen."

Also hat eine "wahnsinnige Kundenbasis"

Für Also ist das aber kein Problem, wie der CEO zu verstehen gab. "Wir haben Kunden. Eine wahnsinnige Basis an Kunden", sagte er. "Wir haben tausende Reseller und wir haben hunderte Hersteller als Kunden, nicht nur als Lieferanten."

Diese "wahnsinnige Kundenbasis" bescherte Also 2016 knapp 8 Milliarden Euro Umsatz. 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. "In einem Markt, der um 9,9 Prozent schrumpfte", betonte Möller-Hergt.

Das Wachstum war aber nicht rein organischer Natur. "Ja, wir sind durch Akquisitionen gewachsen", sagte Möller-Hergt. "Aber auch durch unser operatives Ergebnis." 2016 kaufte Also den Stanser Reparaturdienstleister Bachmann Mobile Kommunikation. Gemäss Geschäftsbericht bezahlte Also rund 3,7 Millionen Franken für 70 Prozent der Anteile an der Firma. 30 Prozent waren bereits im Besitz von Also.

Supply-Geschäft macht fast 80 Prozent des Umsatzes aus

Der Umsatz in der Schweiz kletterte im Jahresvergleich von 802 auf 851 Millionen Euro. In Deutschland ging es hingegen leicht abwärts, von 3,4 auf 3,3 Milliarden Euro.

Das Supply-Geschäft wuchs und machte nach wie vor fast 80 Prozent des Konzernumsatzes aus. Die Umsätze stiegen hier von 6 Milliarden auf 6,2 Milliarden Euro.

Der Umsatz aus dem Geschäftsfeld Services stieg von 211 auf 220 Millionen Euro. Die Sparte Solutions sank von 1,56 auf 1,53 Milliarden Euro Umsatz.

Im Supply-Geschäft steckt die Distribution. Der genaue Anteil geht aus dem Geschäftsbericht nicht hervor. Möller-Hergt sieht für das Supply-Geschäft aber ein Marktpotenzial von 51 Milliarden Euro. Darin seien 23 Milliarden Euro Distribution enthalten. Also ungefähr die Hälfte.

Also lebt von seinen Resellern

Ist ein Unternehmen, dessen Umsatz zu rund 40 Prozent aus dem Distributionsgeschäft stammt, noch ein Distributor? Gustavo Möller-Hergt sagt nein. Zum wiederholten Male. Distribution heisst Boxmoving, sagte er. "Wir können und machen das. Aber wir können noch viel mehr. Wir sind ein Solution Aggregator!"

Das bedeute jedoch nicht, dass Also am Channel vorbei gehe und Endkunden mit seinen "Solutions" bediene. "Ich kann es mir nicht leisten, den Job zu machen, den 100’000 Reseller machen", sagte Möller-Hergt. "Wir leben von unseren Resellern." Alsos Job sei es, den Resellern zu helfen, gute Geschäfte zu machen.

Deshalb sei Also auch in so vielen Ländern vertreten. "Wir glauben an die Regionalität", sagte Möller-Hergt. Also unterhält Niederlassungen in 15 europäischen Ländern.

Virtual-Reality-Geschäftsbericht damit jeder versteht, was Also macht

Möller-Hergt wirkte am Ende fast etwas verzweifelt, als in der Fragerunde wieder jemand das Wort Distributor in den Mund nahm. Vielleicht war es aber auch nur das Stichwort, auf das Möller-Hergt gewartet hatte.

Der CEO nahm eine kleine Kartonbox mit dem Also-Logo zur Hand. Er sei neulich an einer Analysten-Konferenz in London gewesen, sagte er. Dort habe er zu erklären versucht, was Also mache. "Nicht einmal die Analysten verstehen was wir machen!"

Möller-Hergt streckte die Kartonbox in die Luft. Da drin sei die Lösung. Der Geschäftsbericht 2.0. In Form einer Virtual-Reality-Brille und einer Smartphone-App.

Mit dieser App soll jeder, auch die Analysten die Also-Welt erkunden können. Zahlen, Fakten und Videos. So als wäre man direkt vor Ort. Im Lager in Emmen, bei einem Kunden in den Niederlanden, mitten in den Zahlen.

"Es ist keine Spielerei", sagte Möller-Hergt. "Die Welt geht in diese Richtung." Ein IT-Unternehmen wie Also müsse solche Technologiesprünge mitmachen.

Die Virtual-Reality-App ist kostenlos in den App-Stores von Apple und Google verfügbar.

Internet der Dinge wird eine grosse Rolle spielen

Möller-Hergts Wachstumsziele sind ehrgeizig. Er nennt sie mittelfristige Wachstumsziele. Der Umsatz soll in den nächsten Jahren auf 9 bis 12 Milliarden Euro steigen. Das Internet der Dinge werde dabei eine grosse Rolle spielen.

Die unmittelbarste Neuerung: Ab diesem Jahr wird Also keine Quartalsberichte mehr veröffentlichen. Quartale seien aufgrund saisonaler Schwankungen nur schwer vergleichbar. "Wir konzentrieren uns auf unsere mittelfristigen Ziele", sagte Finanzchef Ralf Retzko.

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