Cryptoleaks

Update: Crypto AG bereits vor dem Skandal im Visier des Seco

Uhr | Aktualisiert

Über die Schweizer Firma Crypto AG sollen US-amerikanische und deutsche Geheimdienste über Jahrzehnte hinweg Staaten ausspioniert haben. Der Zuger Hersteller hatte manipulierte Chiffriergeräte an die halbe Welt verkauft. Seco und Parlament wussten davon, bevor die Affäre publik wurde.

(Source: Christian Lue / Unsplash)
(Source: Christian Lue / Unsplash)

Update vom 2. März 2020: Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat in der Affäre um die Crypto AG bereits am 2. Februar 2020 Anzeige gegen Unbekannt eingereicht. Das berichtet die "NZZ". Das Seco vermute, dass es bei der Bewilligung von Kriegsmaterialausfuhren der Crypto AG getäuscht worden sei. Ein Strafverfahren sei in der Sache noch nicht eröffnet worden.

Auch Bundespolitiker hätten schon länger von den manipulierten Chiffriergeräten gewusst, schreibt die NZZ weiter. Zuständige Parlamentarier seien im Herbst 2019 darüber informiert worden, dass die Manipulationen durch die Publikation von Unterlagen der Crypto AG früher oder später öffentlich bekannt würden.

Update "Parlament untersucht Spionage-Affäre" vom 14. Februar 2020: Die Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments (GPDel) will die Geheimdienstaffäre um die Crypto AG untersuchen. Dies gab Alfred Heer, Präsident der GPDel und Nationalrat (SVP/ZH), am 13. Februar bekannt.

Bei der Untersuchung geht es vor allem um die Berührungspunkte zwischen Bundesstellen und ausländischen Nachrichtendiensten, wie es in einer Mitteilung heisst.

Die GPDel beginnt mit den Anhörungen noch diesen Monat.

Originalmeldung "Zuger Firma Crypto AG mitten in Spionage-Affäre" vom 11. Februar 2020: Der CIA und der deutsche Bundesnachrichtendienst BND haben über die Zuger Firma Crypto AG jahrzehntelang Staaten abgehört. Zu diesem Schluss kommt eine Recherche von "SRF", "ZDF" und der "Washington Post".

Laut dem Bericht der "Rundschau" wurde die Crypto AG, damalige Marktführerin für Chiffriergeräte, im Jahr 1970 von der CIA und vom BND gekauft. Die als neutral geltende Firma entwickelte zwei Versionen ihrer Verschlüsselungsmaschine – eine sichere für Länder wie die Schweiz und eine unsichere für Länder wie Saudi-Arabien. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma bestätigte gegenüber der "Rundschau" die eingebaute Hintertür in den Geräten.

Der Bericht stellt fest, dass über hundert Staaten von der CIA und dem BND ausspioniert wurden. Der strategische Vorteil der USA war immens. Als Beispiele nennt der Bericht unter anderem die Geiselnahme von Teheran 1979 und den Falklandkrieg von 1982. Auch der Schweizer Nachrichtendienst wusste von der Geheimdienstoperation namens Rubikon.

Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) wollte sich nicht zu dem Thema äussern, wie der "Tagesanzeiger" schreibt. Zudem hätte das Verteidigungsdepartement (VBS) bereits am 15. Januar 2020 einen ehemaligen Bundesrichter mit der Untersuchung der Angelegenheit beauftragt, heisst es weiter.

Eine Chiffriermaschine der Crypto AG. (Source: Cory Doctorow / Flickr.com / CC BY-SA 2.0)

Die Crypto AG wurde Anfang 2018 aufgespalten (mehr dazu lesen Sie hier). Das Geschäft mit internationalen Kunden übernahm der Schwedische Unternehmer Andreas Linde. Dieser verneinte gegenüber dem "Tagesanzeiger" jeden Kontakt zu amerikanischen und deutschen Geheimdiensten. Die Crypto International – so heisst es auf der Website des Unternehmens – sei komplett getrennt und unabhängig von Crypto AG.

Parteien fordern Aufklärung

Der Bericht der Rundschau geht davon aus, dass die Crypto AG mindestens bis 2018 mit der CIA zusammengearbeitet hat. Die Frage, was der Bundesrat und der NDB über die "Operation Rubikon" wussten, beschäftigt nun die Schweizer Parlamentarier.

Die Grünen fordern eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK), die auch für die SP und die FDP eine ernsthafte Option ist. Die zuständige Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) will zunächst den eigenen Bericht des Bundesrats abwarten, berichtet SRF.

Der Abhörskandal sei schädlich für die Reputation der neutralen Schweiz, sagte Nationalrätin Christa Markwalder (FDP) gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Webcode
DPF8_169768

Kommentare

« Mehr