Nachgefragt bei Händlern und Verbänden

Wie sich die Massnahmen des Bundes auf den hiesigen Handel auswirken

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Der Bundesrat hat die Situation in der Schweiz aufgrund der Covid-19-Pandemie als "ausserordentliche Lage" eingestuft. Das bedeutet, dass alle Läden, die keine Artikel für den täglichen Gebrauch verkaufen, bis mindestens am 19. April geschlossen bleiben. Die Redaktion fragte nach, wie Händler und Verbände mit der aktuellen Situation umgehen.

(Source: OrnRin / iStock)
(Source: OrnRin / iStock)

Wegen des Coronavirus bleiben die Läden in der Schweiz bis mindestens am 19. April geschlossen. Das hat der Bundesrat entschieden. Davon ausgenommen sind Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und andere Läden, die Waren für den täglichen Gebrauch anbieten. Nicht von der Ausnahme betroffen sind - mit wenigen Ausnahmen - Anbieter von Elektronik.

"In der Praxis haben wir festgestellt, dass die Läden unserer Mitglieder geschlossen bleiben, dass Serviceaufträge und Notfall Einsätze (Grundversorgung) aber unter strenger Hygiene- und Sicherheitsvorschriften erledigt werden", sagt Euronics-Geschäftsleiter Norbert Lüthi auf Anfrage. Als Verband gab Euronics seinen Mitgliedern in einem Schreiben folgende Empfehlungen:

  • Schliesst den Laden.

  • Bietet im Schaufenster und auf Eurer Website Support an.

  • Weist auf Eure Telefonnummer und Mailadresse hin auf der Ihr zu erreichen seid.

Lüthi fügt an, dass Euronics-Mitglieder dringend Kurzarbeit anmelden sollen. "Für Mitglieder, die aufgrund der aktuellen nationalen Beschlüsse in finanzielle Nöte geraten (gilt nur für vom Bundesrat verordnete Geschäftsschliessungen), bieten wir als unbürokratischen Beitrag zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität an, das ZR Zahlungsziel nötigenfalls zu verdoppeln." Bei Euronics und der High-End-Companiy-Zentrale bleibt der Bürobetrieb bestehen. Auch der Webshop sei offen und ermögliche es Kunden trotz der Schliessung der Geschäfte zu bestellen, fügt Lüthi an.

Kommunikation mit dem Endkunden ist wichtig

"Für uns bedeutet die aktuelle Situation, dass wir unsere Mitglieder in jeder erdenklichen Art und Weise unterstützen werden", sagt Patrick Egli, Geschäftsführer von Electronic Partner Schweiz. "Zurzeit stehen viele Fragen bezüglich konkreter Auswirkungen auf das eigene Geschäft im Vordergrund: Welche Leistungen darf ich noch erbringen, wie muss ich vorgehen um Kurzarbeit zu beantragen", fügt der Geschäftsführer an. Um über solche Fragen zu informieren, werde EP kurzfristig eine Info-Website aufschalten. Ebenso werde EP seinen Mitgliedern zeitnah der Situation angepasste Dienstleistungen im Umfeld Kommunikation und Werbung zukommen lassen. "Gerade jetzt ist es wichtig, den Endverbrauchern mitzuteilen, dass Händler weiterhin am Markt präsent und für ihre Kunden da sind."

Auch Egli weist darauf hin, dass Dienstleistungen wie Beratung per Telefon und Mail, Reparaturen bis hin zu Lieferungen und Installationen unter Einhaltung aller Vorschriften weiterhin erbracht werden dürfen. "Wir empfehlen unseren Mitgliedern, ihre Kunden umgehend auf verschiedenen Kommunikations-Kanälen darüber zu informieren", sagt Egli. Ebenso wichtig seien die Prüfung wirtschaftlicher Themen und Fragen wie Kurzarbeit, Bürgschaften und die Nutzung der in Aussicht gestellten Unterstützungsmassnahmen des Bundes, für welche demnächst die Details bekannt gegeben würden.

"Aufgeschoben ist nicht aufgehoben"

Davon, dass der Onlineverkauf nun steigen wird, ist Diego De Pedrini, Geschäftsführer vom Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz (FEA), überzeugt. Händler, die ihre Waren auch online anböten, seien demnach von der aktuellen Situation weniger stark betroffen. De Pedrini geht davon aus, dass Luxusgegenstände und Geräte, die eher für das Ausüben von Hobbys verwendet werden, während den nächsten Tagen weniger stark nachgefragt werden und sich die Konsumenten stattdessen auf Produkte für den täglichen Gebrauch fokussieren.

"Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben", sagt De Pedrini. Er rechnet damit, dass die Kunden sobald alles vorbei ist, viele der in dieser Zeit verpassten Einkäufe nachholen werden.

Zustände wie am Black Friday

Den Anstieg an Onlinebestellungen spürt Digitec Galaxus bereits deutlich. Bereits in den Monaten Januar und Februar sei der Gesamtumsatz höher ausgefallen als erwartet. Seit viele Läden geschlossen seien, bestellten Kunden noch häufiger beim Onlinehändler. "Zurzeit bekommen wir so viele Bestellungen wie an Black Friday 2019. Wegen dem Ansturm auf unsere Onlineshops sind wir aktuell 35'000 Bestellungen im Verzug", sagt Digitec-Galaxus-Sprecher Alex Hämmerli. Es dauere daher momentan etwa einen Tag länger, bis Bestellungen die Kunden erreichten.

Um den Schwall an Bestellungen abzuwickeln, sucht Digitec Galaxus nun nach Lagermitarbeitenden. Mitarbeitende, die bisher im Laden arbeiteten, kümmern sich laut Hämmerli zunächst um den Rücktransfer der Bestellungen, die in den Filialen lagern, aber nicht abgeholt wurden. "Danach helfen sie in unserem Warenlager in Wohlen aus oder im Kundendienst."

Die Nachfrage nach Monitoren, Büchern und Erotikartikeln steigt stark

Abgesehen von Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln, die schnell ausverkauft waren, bestellen Kunden bei Digitec Galaxus momentan in erster Linie PC-Monitore, Notebooks, Bücher und DVDs sowie Erotikartikel. So stieg die Nachfrage nach Büchern und DVDs in den ersten zwei Märzwochen um 100 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Bei Erotikartikel stieg sie gar um 110 Prozent.

Eine erhöhte Nachfrage nach Produkten, die typischerweise im Home Office verwendet werden, wie Monitore, Laptops, Tastaturen und Mäuse, verzeichnet auch Interdiscount. "Unsere Kunden können aber weiterhin auf unserem Onlineshop einkaufen und die Bestellungen nach Hause liefern lassen", versichert das Unternehmen. Auf die Mitarbeiter angesprochen, sagt Mediensprecherin Salome Aeschlimann: "Wir befinden uns aktuell in der Planung und suchen mit unseren Mitarbeitenden gemeinsam und individuell nach guten Lösungen." Interdiscount prüfe aktuell den Einsatz der Filialmitarbeitenden in einem anderen Bereich des Unternehmens.

Media Markt prüft momentan "die Frage von Kurzarbeit" für betroffene Mitarbeitende. Ein Arbeitsplatzabbau sei derzeit aber nicht geplant. Wie Digitec Galaxus und Interdiscount haben auch bei Media Markt die Onlinebestellungen stark zugenommen. "Wie sich diese Entwicklung wirtschaftlich auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen", teilt Sacha Wigdorovits von der Media-Markt-Medienstelle mit. Einerseits sei unklar, wie lange diese Situation anhalten werde. Andererseits wisse man nicht, wie die Konsumentenstimmung sein werde, wenn der Schweizer Detailhandel seine Geschäfte wieder öffnen dürfe.

Abgesehen von einer gesteigerten Nachfrage nach PCs und TVs kauften Konsumenten bei Fust vermehrt Geräte zur Aufbewahrung und Verarbeitung von Lebensmitteln. "Wir versuchen die anhaltend hohe Nachfrage nach Geräten der Grundversorgungen und Reparaturen möglichst rasch bedienen zu können und gleichzeitig unsere Mitarbeitenden optimal zu schützen", sagt Andrea Fürer, Assistentin Spartenleiter Multimedia bei Fust. Mitarbeitende, die bisher im stationären Handel tätig waren, würden nun in anderen Bereichen bei Fust und in der Coop-Gruppe eingesetzt.

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