Interview zum Red Hat Summit 2020

Léonard Bodmer: "Die alte IT-Welt wird nicht einfach verschwinden"

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Container statt Hypervisor, Microservices statt Monolithen, DevOps statt Silos. Nicht nur das Coronavirus ist für Unternehmen eine Herausforderung, sondern auch die neue IT-Welt. Das spürt auch Red Hat. Ein Gespräch mit Léonard Bodmer, Regional Director Alps, und Marco Bill-Peter, Senior Vice President of Customer Experience von Red Hat.

Der Red Hat Summit 2020 hat wegen Corona im Internet statt in San Francisco stattgefunden. Wie haben Sie den virtuellen Event erlebt?

Léonard Bodmer: Es ist schade, dass sich die Red Hat Community dieses Jahr nur virtuell treffen konnte. Unser Summit hat sich in den letzten Jahren zu einem einzigartigen Community-Event entwickelt. Alle sind jeweils vor Ort - Partner, Kunden, Analysten, Journalisten - und die Atmosphäre ist offen und locker. In den Gängen konnte man Jim Whitehurst und Paul Cormier über den Weg laufen und sich spontan austauschen. Das lässt sich virtuell so nicht reproduzieren. Der Virtual Summit war aber das Beste, was wir aus der Situation machen konnten - und er hat auch einige Vorteile.

Welche?

Marco Bill-Peter: Es ist schwierig, das Erlebnis online zu reproduzieren. Dafür waren alle Referate sofort verfügbar, auch die Breakout Sessions und die Red Hat Innovation Awards. Normalerweise stellen wir nur die General Sessions und Keynotes online. 60’000 Menschen haben Zugriff auf unsere Event-Website - so viele wie noch nie.

Was war für Sie am spannendsten?

Marco Bill-Peter: Es war interessant zu sehen, wie flexibel Kunden unsere Technologien einsetzen. Ein gutes Beispiel dafür ist Ford. Das Unternehmen hat viele Apps in Rekordzeit für die Arbeit im Home Office optimiert. Ford stellt nun Beatmungsgeräte her, um Coronapatienten zu helfen. Diese Flexibilität ist beeindruckend.

Léonard Bodmer: Für mich waren die Customer Talks am spannendsten, zum Beispiel der mit Credit Suisse. Auch die Ankündigungen rund um Openshift und die Open Hybrid Cloud sind wichtig. Wir konnten zudem glaubwürdig versichern, dass Red Hat sein Ökosystem trotz der IBM-Übernahme auch weiter eigenständig ausbauen wird. Es ist nicht so, dass Red Hat nun plötzlich von IBM dominiert wird. Wir haben innerhalb des Konzerns eine hohe Autonomität und wir werden unsere Partnerschaften mit Unternehmen wie Accenture und Microsoft weiterführen und noch verstärken.

Was Red Hat am Summit 2020 alles zeigte, erfahren Sie hier.

Als wir Anfang 2019 miteinander redeten, sagten Sie noch, dass die IBM-Übernahme bis jetzt kaum Auswirkungen auf den Geschäftsalltag habe. Ist das immer noch so?

Léonard Bodmer: Ja, das ist tatsächlich so. Es gibt nun zwar mehr Berührungspunkte mit IBM als vorher. Die Teams bei Red Hat Schweiz sind aber die gleichen geblieben, und wir sind noch immer autonom und agieren selbstständig. Interessant ist auch, dass unsere Partner alle positiv auf die Ankündigung reagierten. Auch die Beziehung mit den Partnern hat sich seit der Übernahme nicht verändert. Sie sehen durch die Übernahme mehr Chancen als Gefahren. Und Red Hat Schweiz macht weiterhin seine eigenen Investitionspläne und schliesst eigenständig Verträge mit Kunden ab.

Ausser Corona - was beschäftigt die Kunden noch?

Marco Bill-Peter: Viele sorgten sich um das Life Cycle Management der Produkte. Mit Corona haben sie gerade andere Prioritäten als Software- und Lizenz-Upgrades. Das ist verstädlich, und wir haben darauf reagiert und unsere Life Cycles verlängert. Wir halbierten zudem den Preis für unsere Technical-Account-Management-Dienste für Neukunden, und einige Trainings bieten wir neu kostenlos an.

Ein grosses Thema ist auch die Transformation hin zur neuen IT-Welt mit Containern, Microservices und Serverless-Technologien. Wie ist Red Hat hier positioniert?

Marco Bill-Peter: Viele Unternehmen sind auf diesen Zug aufgesprungen und bieten nun Lösungen für Container und Kubernetes an. Red Hat ist hier aber voraus. Wir arbeiten seit über 5 Jahren aktiv an Kubernetes mit und haben bereits über 1700 Kunden, die Lösungen auf Openshift aufbauen. Und unser Technologie-Stack ist sehr gut in die Hybrid Cloud integriert, etwa in AWS, Azure und die Google Cloud Platform.

Léonard Bodmer: Viele Firmen modernisieren gerade ihre Applikationsumgebung und verschieben On-Premise-Lösungen teilweise in die Cloud. Ein Beispiel dafür ist Credit Suisse. Die Bank betreut über 3000 Business-Apps und setzt dafür auf Openshift und Kubernetes. Dieser Multi-Hybrid-Cloud-Ansatz ist der Weg, den viele Firmen heute gehen. Die Lösungen von Red Hat lassen sich einfach in die neue IT-Welt integrieren.

Bei der Virtualisierung dauerte es rund 10 Jahre, bis sie sich wirklich etablierte. Im Vergleich dazu ist die Container-Welt regelrecht explodiert. Haben Sie das so erwartet?

Marco Bill-Peter: In gewissen Branchen schon. Für die Finanzindustrie etwa war es schon immer eine grosse Herausforderung, neue Apps konzernweit auszurollen. Container vereinfachen diese Aufgabe nun massiv, die Vorteile sind einfach zu gross. Dass sich Container aber auch bei Telkos so schnell etablieren, hat mich überrascht. In Zukunft werden Apps, die für virtualisierte Umgebungen optimiert sind, auch auf Openshift laufen. Auch das wird helfen, die alte und neue IT-Welt zu harmonisieren.

Léonard Bodmer: Wir reden heute viel über die neue IT mit Containern und Microservices, über aufgebrochene Silos und neue Modelle wie DevOps. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass die alte IT-Welt nicht einfach verschwindet. Es braucht Technologien, die beide Welten verbinden und sauber ineinander integrieren. Und es geht auch darum, die Abläufe zu optimieren und wenn möglich zu automatisieren. Das ist die grosse Herausforderung, die viele Unternehmen nun anpacken müssen.

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