Netzpigcock

Online-Tool gegen ungefragte Dickpics

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von Niara Sakho und cwa

Jolanda Spiess-Hegglin ruft mit ihrem Verein Netzcourage das Projekt "Netzpigcock" ins Leben. Wer ungewollt Dickpics erhält, kann auf der Website innert Sekunden eine Anzeige erstellen. Bereits im ersten Monat haben mehr als 1000 Betroffene das Tool benutzt.

(Source: log88off / Fotolia.com)
(Source: log88off / Fotolia.com)

"Hast du ungefragt ein Penisfoto erhalten?", heisst es auf der Webseite netzpigcock.ch des Vereins Netzcourage. Der Verein der Zugerin Jolanda Spiess-Hegglin macht es mit einem Online-Anzeigengenerator möglich, innert Sekunden eine Anzeige gegen ungefragte Penisbilder oder "Dickpics" zu erstellen, wie 20 Minuten berichtet. Das Tool traf einen Nerv bei Betroffenen - bereits nach einem Monat seien bereits über 1000 Anzeigen generiert worden. Gemäss Netzcourage hat bereits jede zweite Frau in der Schweiz ungefragt Penisbilder erhalten.

Wer ohne Aufforderung oder Einwilligung Nacktbilder an andere verschickt, macht sich in der Schweiz strafbar: "Das ungefragte Versenden von Penisbildern fällt unter den Pornografie-Tatbestand von Art. 197 Abs. 2 StGB und ist somit verboten. Wer dagegen verstösst, wird mit einer Busse bestraft. Ist die Person, die das Penisbild unaufgefordert erhält, unter 16 Jahre alt, wird der Täter mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft", schreibt der Verein auf seiner Website.

Das Online-Tool zur Anzeigenerstellung

Seit einem Monat können Opfer ungewollter Dickpics auf der Webseite eine entsprechende Anzeige erstatten. Die Anzeige werde im Anschluss ausgedruckt, unterschrieben und per Post an die zuständige Staatsanwaltschaft versendet. Persönliche Daten der Nutzerinnen und Nutzer werden laut dem Verein nicht gespeichert. Die meisten Anzeigen seien in Zürich generiert worden. Darauf folgen Waadt, Basel-Stadt, Zug und Luzern. Wie oft die ausgedruckten Anzeigen tatsächlich verschickt wurden, sei unbekannt.

"Es zeigt sich jetzt, wie wichtig dieser Anzeigengenerator ist." sagt Spiess-Hegglin und verweist auch darauf, dass "auf einen Polizeiposten zu gehen und eine Anzeige zu machen für Frauen oftmals zermürbend und demütigend sein kann." Nun arbeite der Verein an weiteren Schritten: "Wir sehen, es funktioniert. Nun überlegen wir uns, was man als Nächstes tun könnte, um für Minderheiten und Frauen die Situation zu verbessern."

Die Journalistin und Aktivistin und ehemalige Schweizer Politikerin der Zuger Grünen Jolanda Spiess-Hegglin erlangte 2014 schweizweit im Zusammenhang mit einer Landammannfeier in Zug Berühmtheit , die in einer Klage wegen Schändung gegen den schliesslich freigesprochenen SVP-Politiker Markus Hürlimann gipfelte. Seit 2016 engagiert sich Spiess-Hegglin unter dem Hashtag #nichtschweigen gegen geschlechterbedingte Ungerechtigkeiten und ist seit Oktober 2016 auch Geschäftsführerin des von ihr mitbegründeten Vereins #NetzCourage.

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