Umfrage von IG SAP

SAP behindert die S/4Hana-Umstellung selbst

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von Kevin Fischer und lha

SAP erschwert der Kundschaft die S/4Hana-Umstellung: So oder so ähnlich lautet das Fazit einer Umfrage von IG SAP. Die Pandemie hat darauf wenig Einfluss. Doch sind die meisten Kunden trotzdem zufrieden mit ihrem ERP.

(Source: regine schöttl / Fotolia.com)
(Source: regine schöttl / Fotolia.com)

SAP ist selbst die Hauptursache für die schleppende S/4Hana-Umstellung. Zu diesem Schluss kommt die Vereinigung IG SAP in ihrer Befragung der SAP-Kundschaft. Die Umfrage findet alle zwei Jahre statt. Dieses Jahr nahmen 72 Unternehmen teil.

Noch immer nutzen die meisten R/3-Versionen

Die immer neuen Marketing-Initiativen von SAP verunsichern die Kundschaft. Die Verunsicherung zeigt sich in den Zahlen deutlich: Nur 3 Prozent der Befragten empfinden die SAP-Produktstrategie und -Roadmaps als belastbar und vertrauenswürdig, wenn es um Investitionssicherheit und Planbarkeit geht. Die restlichen 97 Prozent sehen die Strategie als wenig bis gar nicht belastbar, wie IG SAP mitteilt.

Dennoch sind 71 Prozent der Unternehmen alles in allem mit der SAP-Nutzung zufrieden, wie es weiter heisst. Zum Einsatz kommen bei 87 Prozent der Befragten nach wie vor hauptsächlich SAP-Versionen rund um R/3-ECC6. Nur 13 Prozent der befragten IG-SAP-Mitglieder nutzen bereits S/4Hana - eine schleppende Entwicklung.

Das liegt aber nicht primär an Covid-19. 54 Prozent melden keine Auswirkungen auf SAP-Projekte durch die Pandemie und deren Auswirkungen. Über ein Drittel hat wegen der Pandemie die Prioritäten verschoben. Nur 10 Prozent sehen grosse Auswirkungen.

In anderen Studien gehen die Autoren sogar davon aus, dass die Pandemie bei einigen Unternehmen einen positiven Effekt auf die Umstellung hat. Dazu gehört etwa die Studie von Lünendonk & Hossenfelder.

Vor allem SAP scheint von der Digitalisierung zu profitieren

Für die Verzögerungen bei der Umstellungen auf S/4Hana macht IG SAP andere Probleme verantwortlich:

"Fakt ist, dass SAP-Strategie und Erwartungen von SAP-Kunden divergieren. Zwar ist der Anteil an S/4Hana-Betreibern leicht gestiegen, aber vieles bleibt unklar: Produkte-Roadmaps fehlen, mangelnde Integration und Durchgängigkeit der S/4-Produkte, ungenügendes Preis-Leistungs-Verhältnis in den Wartungsmodellen und insbesondere Mängel in der Service-Qualität", schreiben die Autoren.

"SAP-Lizenzierung ist intransparent und zu komplex, die Preis-Konditionen-Liste ist unverständlich. Ebenso fehlt Klarheit bezüglich der Integration zwischen Cloud und On-prem-Produkten. Dazu fehlt oft ein rechenbarer Business Case für S/4Hana. Da kann der Eindruck entstehen, dass vor allem SAP von der digitalen Transformation profitiert. Das wird noch verstärkt durch einseitig auf SAP-Bedürfnisse ausgerichtetes Marketing und Kommunikation."

On-prem beliebt, SAP-Wartung nicht

Diese Aussagen unterlegt IG SAP auch mit Zahlen. So betreiben die meisten befragten Unternehmen SAP im Rechenzentrum eines Hosting-Partners. 39 Prozent betreiben es im eigenen Rechenzentrum und nur 3 Prozent in der Cloud. Da brauche es mehr Überzeugungsarbeit, halten die Studienautoren fest.

Unzufrieden zeigt sich die Kundschaft bei Wartung, Services und zum Teil bei der Preisgestaltung. 96 Prozent der teilnehmenden Unternehmen empfinden etwa die Preis- und Konditionenliste von SAP als "nicht lesbar, unverständlich, nicht kundenorientiert". Zudem sind 18 Prozent unzufrieden mit den Konditionen ihrer aktuellen Lizenz- und Wartungs- oder Subscription-Verträgen. 67 Prozent der Befragten empfinden sie als "es geht so".

Zudem bewerten 71 Prozent der befragten Unternehmen das Preis-Leistungs-Verhältnis bei der SAP-Wartung als "es geht so". Lediglich 15 Prozent sehen es als gut und ausgewogen.

Generell wünscht sich die Kundschaft gemäss IG SAP unter anderem transparenteres Pricing und stabilere Preislisten. Ausserdem sollten bei der Migration auf S/4Hana keine Mehrkosten bei gleicher Funktionalität anfallen. Auch Lösungen gegen Doppellizenzierungen bei Datenbanken seien gewünscht.

S/4Hana kommt trotzdem noch

Trotz der Herausforderungen planen 48 Prozent der Befragten, bis Ende 2025 auf S/4Hana zu migrieren. 13 weitere Prozent wollen es bis Ende 2027 schaffen. 22 Prozent befinden sich noch in der Planungsphase.

Auf Anfrage kommentierte SAP die Ergebnisse von IG SAP mit folgendem Statement: "SAP pflegt einen guten und regelmässigen Austausch mit unseren Kunden in der Schweiz und deren Vertretern wie der IG SAP. Wir werden auch nach dieser Umfrage die Gespräche mit Hinblick auf die Ergebnisse konstruktiv weiter führen."

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