Erkenntnisse aus 46 Projekten

Wie die Schweiz den digitalen Wandel gestalten kann

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von René Jaun und tse

Welche Chancen und Risiken sind mit dem digitalen Wandel verbunden? Diese Frage stand im Zentrum eines fünfjährigen nationalen Forschungsprogramms. Forschende untersuchten in dieser Zeit 46 Projekte. Ihre Erkenntnisse fassen sie in 12 Impulsen zusammen.

(Source: VRD / Fotolia.com)
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5 Jahre, 46 Projekte, 30 Millionen Franken Budget – das sind die trockenen Kennzahlen des nationalen Forschungsprogramms (NFP) 77 zur digitalen Transformation. Der Bund gab das Programm 2017 in Auftrag mit dem Ziel, "wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu drängenden Fragen im Zusammenhang der digitalen Transformation zu liefern". So schreibt es die Leitungsgruppe des Forschungsprogramms im unlängst veröffentlichten Synthesebericht.

Im Dokument bündeln sie die wichtigsten Erkenntnisse aus den 46 Teilprojekten und bringen sie in einen Zusammenhang. Das Resultat sind "12 konkrete Gestaltungsansätze, sogenannte Impulse". Die Autoren hoffen, damit die politische Debatte zu unterstützen, informierte strategische Entscheidungen zu ermöglichen und zu zukunftsorientierten Rahmenbedingungen für die digitale Transformation in der Schweiz beizutragen.

Transformations-Push während der Studie

Die 46 Forschungsprojekte wurden zwischen 2020 und 2025 durchgeführt. In dieser Zeit beschleunigten zwei Entwicklungen den digitalen Wandel: die Corona-Pandemie im Frühling 2020 und der KI-Boom, gestartet durch die Veröffentlichung von OpenAIs ChatGPT Ende 2022. Derartige Ereignisse "unterstrichen die Dringlichkeit, mit der es gilt, die Strategie zur digitalen Transformation der Schweiz zu optimieren und das Thema intensiver zu behandeln", heisst es im Bericht. Mit der Beschleunigung der digitalen Transformation werde auch eine Regulierung nötiger, "die sowohl technologische Innovation fördert als auch gesellschaftliche und ethische Werte sichert".

Verfügbar, inklusiv, ko-kreativ

Die Studienautoren unterteilen ihre 12 Gestaltungsansätze in vier Abschnitte, angefangen mit "übergreifenden Aspekten zur digitalen Transformation". Die Impulse lauten:

  • Ko-kreative Ansätze für digitale Lösungen verfolgen: Um die Akzeptanz und den Nutzen digitaler Anwendungen zu steigern, sollen Fachpersonen aus Technologie und Forschung, Praxisakteure, Nutzende und relevante Interessenvertretungen in die Entwicklung und Implementierung einbezogen werden.

  • Inklusive digitale Lösungen entwickeln und strukturelle Barrieren für die digitale Teilhabe abbauen: So tragen wirksame digitale Lösungen zu breiter Akzeptanz und sozialer Gerechtigkeit bei. Tief verwurzelte Stereotype und systembedingte Barrieren tragen dagegen zur digitalen Kluft bei. Um gesellschaftliche Teilhabe zu fördern, gilt es, diese Hindernisse systematisch zu erkennen und gezielt abzubauen.

  • Entwicklungen der Mensch-Maschine-Interaktionen erkennen und darauf reagieren: Eine widerstandsfähige Gesellschaft und die erfolgreiche Umsetzung digitaler Lösungen erfordern die Erkenntnis, dass computergestützte Werkzeuge menschliche Interaktionen verändern. Dabei entwickeln sich vielfältige Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsteilung zwischen Menschen und Maschinen, die aufgrund ihrer Komplexität eine fortlaufende Reflexion und Anpassung notwendig machen.

  • Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Daten erleichtern: Dies ermöglicht Forschenden und Entscheidungsträgern die Nachvollziehbarkeit und Validierung von Ergebnissen. Politisch Verantwortliche sollen zudem bereits von Beginn an Möglichkeiten zur Evaluation von Massnahmen berücksichtigen.

Lebenslanges Lernen

Im Abschnitt "Bildung, Lernen und digitaler Wandel" führen die Autoren folgende drei Impulse auf:

  • Digitale Kompetenzen lebenslang fördern: Dazu sollen die Kompetenzen entlang der Bildungsstufen und Fachgebiete klar definiert und differenziert sowie systematisch in die Lehrpläne von Schulen, Hochschulen und von beruflichen Aus- und Weiterbildungen integriert werden. Ihre kontinuierliche Entwicklung soll systematisch überprüft werden.

  • Kontinuierliche digitale Weiterbildung von Lehrpersonen ermöglichen: Dazu gehört nicht nur, die Weiterbildung von Lehrpersonen im Umgang mit digitalen Werkzeugen dauerhaft zu verankern. Es brauche auch Investitionen in ein kooperatives Bildungsökosystem, um praxis­nahe und wirksame digitale Lehrformate über alle Bildungsstufen hinweg zu entwickeln.

  • Strukturierte Ansätze für EdTech-Innovationen entwickeln: Ein systematischer, lernorientierter Ansatz im Schweizer EdTech-Ökosystem schafft die Voraussetzungen für agile und nachhaltige Innovation. Durch gezielte Unterstützung seitens zuständiger Stellen können Schulen und Hochschulen eigene digitale Strategien entwickeln, Ressourcen gezielt einsetzen, Wissen austauschen, aus Erfahrungen lernen und die Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren stärken.

Partizipation, Ethik und Medien

Drei Impulse bieten die Autoren zu den Themen "Ethik, Vertrauenswürdigkeit und Governance" an:

  • Die Bevölkerung stärker in politische Prozesse einbeziehen: Dies erhöht die Legitimität und Fairness digitalisierter demokratischer Prozesse.

  • Ethische Überlegungen und Standpunkte von Anspruchsgruppen in digitales Design integrieren: Mit Mechanismen wie Stakeholderdialogen, ethischen Folgenabschätzungen und kontextspezifischen Entscheidungsprozessen lassen sich Wert- und Zielkonflikte transparent und nachvollziehbar ausbalancieren.

  • Die unabhängige Medienlandschaft stärken: Investitionen in robuste, unabhängige Medienstrukturen, Anreize für den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Journalismus sowie die Stärkung der politischen Bildung und Medienkompetenz leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Demokratie.

Digitale Kompetenzen

Die letzten zwei Gestaltungsansätze beziehen sich auf die Themen "Digitale Wirtschaft und Arbeitsmarkt":

Digitale Kompetenzen der Arbeitnehmenden besser nutzen: Um die Erfolgschancen bei der Einführung digitaler Technologien zu erhöhen, sollen Unternehmen und Beschäftigte kontinuierlich in die Weiterentwicklung der digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbei­tenden investieren.

Digitale Unterstützung für Stellensuchende und Beratende bereitstellen: Digitale Tools und Strategien ermöglichen es, die Kompetenzen von Stellensuchenden präziser mit offenen Stellen abzugleichen und die Wirksamkeit der Beratung zu steigern.

Die komplette Studie und viel zusätzliches Material zu NFP 77 steht online bereit.

 

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