Umfrage von EY

KI führt in der Schweiz bislang kaum zu Stellenabbau

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KI gehört in Schweizer Unternehmen längst zum Arbeitsalltag. Viele Firmen haben die Technologie laut einer EY-Umfrage jedoch noch nicht strategisch verankert. Zu einem massiven Stellenabbau führt KI bislang nicht - stattdessen schaffen einige Unternehmen neue KI-Jobs oder verzichten aufgrund von KI auf Nachbesetzungen.

(Source: Katrin_Primak / stock.adobe.com)
(Source: Katrin_Primak / stock.adobe.com)

KI verändert nicht nur Arbeitsabläufe in Schweizer Unternehmen, sondern zunehmend auch den Arbeitsmarkt. Doch wie stark sich die Technologie auf die Beschäftigung auswirkt, zeigen Umfragen bislang höchstens ausschnittweise. Der Wirtschaftsprüfer EY will nun in einer Befragung von 604 Personen aus Unternehmen in der Schweiz herausgefunden haben, dass KI derzeit insgesamt mehr neue Stellen schafft, als sie abbaut - obwohl einzelne Firmen hierzulande bereits Stellen streichen oder auf Nachbesetzungen verzichten.

18 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Unternehmen zusätzliche Stellen im Zusammenhang mit KI geschaffen haben - etwa in den Bereichen Data Science oder AI Engineering. Gleichzeitig sagen 11 Prozent, dass Firmen offene Stellen wegen KI nicht mehr besetzen. 7 Prozent berichten von Stellenabbau.

Die Nutzung von KI gehört derweil in vielen Unternehmen bereits zum Alltag. Laut der Umfrage arbeiten 89 Prozent der Befragten mit KI-Lösungen. Besonders verbreitet sind integrierte Anwendungen wie Microsoft Copilot oder Google Workspace mit Gemini, die rund 70 Prozent der Befragten einsetzen. 35 Prozent verfügen zudem über Unternehmenslizenzen für spezialisierte Angebote wie ChatGPT Enterprise.

Trotz der breiten Nutzung fällt der Reifegrad in den Unternehmen unterschiedlich aus. 55 Prozent der Befragten sagen, ihre Firma setze KI bereits gezielt ein. Nur 9 Prozent sehen KI jedoch als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie, der das Geschäftsmodell bereits verändert hat. 31 Prozent befinden sich noch in Pilotprojekten oder Proof-of-Concept-Phasen, 14 Prozent haben bislang keine konkreten KI-Initiativen gestartet.

"Viele Unternehmen haben den Einstieg in die Nutzung von KI geschafft", lässt sich Adrian Ott, Chief AI Officer von EY Schweiz, in der Mitteilung zu den Umfrageergebnissen zitieren. "Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, aus einzelnen Anwendungsfällen eine skalierbare Transformation über das ganze Unternehmen hinweg zu entwickeln."

Datenqualität und Datenschutz bremsen

Die grössten Hürden liegen laut der Umfrage weniger beim Interesse an KI als bei der praktischen Umsetzung. 20 Prozent nennen Datenqualität und Datensilos als grösstes Problem. Dahinter folgen Sicherheits- und Datenschutzbedenken mit 19 Prozent sowie der Mangel an Fachkräften mit 18 Prozent.

Auch die Datensouveränität beschäftigt viele Unternehmen. 51 Prozent der Befragten halten es für geschäftskritisch, dass KI-Systeme Schweizer oder europäische Datenschutzvorgaben einhalten und die Datenverarbeitung innerhalb der Schweiz oder der EU erfolgt. 56 Prozent wünschen sich Investitionen in eine Schweizer KI-Infrastruktur. 40 Prozent sprechen sich zudem für eine Annäherung an den EU AI Act aus, um internationale Geschäfte rechtlich besser abzusichern.

Auffällig bleibt die Unsicherheit vieler Unternehmen beim tatsächlichen Einfluss von KI auf die Belegschaft. 42 Prozent der Befragten können die Auswirkungen laut EY noch nicht einschätzen oder machten keine Angaben dazu. Für die Beratungsfirma deutet das darauf hin, dass sich viele Unternehmen noch in einer frühen Phase der KI-Transformation befinden und konkrete Folgen für Mitarbeitende bislang schwer abschätzen lassen.

Wie sich KI tatsächlich auf den Arbeitsmarkt auswirkt, lässt sich mit Umfragen allerdings nur bedingt messen. Belastbarer sind Analysen konkreter Arbeitsmarkt- und Stellendaten über längere Zeiträume - wie sie etwa die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich durchführt. Eine Studie der KOF-Ökonomen Jeremias Klaeui und Michael Siegenthaler kommt zum Schluss, dass die Arbeitslosigkeit in stark KI-exponierten Berufen seit der Einführung von ChatGPT um bis zu 27 Prozent stärker gestiegen ist als in weniger betroffenen Berufen.

 

Mehr über die besagte KOF-Studie der ETH Zürich erfahren Sie im Fachbeitrag von Michael Siegenthaler: "Die Arbeitslosigkeit steigt – und KI dürfte ein Grund sein".  

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