Werbung für KI

"Time"-Magazin zeigt KI-Bots unsichtbare Werbung

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von Yannick Chavanne und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Die Website des "Time"-Magazins zeigt bestimmten KI-Crawlern andere Inhalte als Menschen. Die für KI-Systeme optimierten Seiten können Werbung enthalten, die menschliche User nicht sehen. Das US-Magazin testet damit eine neue Werbeform, die beeinflussen könnte, welche Informationen KI-Assistenten über Unternehmen verbreiten.

(Source: Anusa / stock.adobe.com)
(Source: Anusa / stock.adobe.com)

Die Website des "Time"-Magazins zeigt Menschen und bestimmten KI-Crawlern nicht dieselben Inhalte. Der Entwickler und SEO-Spezialist Vincent Schmalbach entdeckte, dass das US-Magazin mehreren Bots von KI-Anbietern eine vereinfachte Version seiner Seiten im Markdown-Format ausliefert. Darin können gesponserte Inhalte auftauchen, die Menschen beim Besuch derselben Seite nicht sehen.

Bei seinen Tests rief Schmalbach die Website mit unterschiedlichen Browser- und Bot-Kennungen auf. Gab er sich als Chrome, Safari oder Googlebot zu erkennen, erhielt er die gewöhnliche HTML-Version der jeweiligen Seite. Simulierte er dagegen einen Zugriff durch Claudebot, Perplexitybot oder OAI-Searchbot, lieferte die Website eine deutlich reduzierte Markdown-Version aus. OAI-Searchbot ist der Webcrawler von OpenAI für die ChatGPT-Suche.

Auf einigen Seiten der Onlineausgabe des "Time"-Magazins enthalten diese für KI-Bots bestimmten Versionen beispielsweise eine gesponserte FAQ für die US-Bank Ally Bank. Darin finden sich Fragen wie "Who is Ally Bank?" oder "Can you deposit cash at Ally Bank?". Die Antworten enthalten Informationen über Ally Bank und übernehmen dabei auch Werbeaussagen der Bank. Schmalbach stiess zudem auf gesponserte Inhalte für das Project Management Institute.

Das britische IT-Nachrichtenmedium "The Register" bestätigte die Ergebnisse mit eigenen Tests. Die Werbung für Ally Bank erschien dabei auf mehreren Seiten mit längerfristig relevanten Inhalten, nicht aber in den untersuchten Nachrichtenartikeln.

Das "Time"-Magazin will KI-Bot-Traffic zu Geld machen

Laut dem US-Fachmedium für Medien und Marketing "Digiday" arbeitet das "Time"-Magazin seit Juni mit dem Adtech-Unternehmen Mobian zusammen, um das neue Werbeangebot zu entwickeln. Mark Howard, COO des Magazins, sagt, das neue Werbeangebot richte sich unter anderem an Unternehmen, die ihre Websites bereits für KI-Systeme im Markdown-Format aufbereiten.

Das Ziel geht über Werbung für KI-Crawler hinaus. Jonah Goodhart, Mitgründer und CEO von Mobian, sagt gegenüber "Digiday", sein Unternehmen wolle beeinflussen, was KI-Assistenten über die beworbenen Marken sagen. Wenn etwa ChatGPT solche Inhalte aufgreife und dadurch seine Aussagen über eine Marke verändere, könne dies laut Goodhart weit über einen einzelnen Werbekontakt hinaus Wirkung entfalten.

 

Übrigens: Auch Cloudflare beschäftigt sich mit dem Geschäft rund um KI-Crawler und will Websitebetreibenden ermöglichen, Bots für den Zugriff zur Kasse zu bitten - mehr dazu lesen Sie hier

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