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Was Skyguide von seinen Partnern erwartet

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Skyguide sorgt für einen sicheren und effizienten Flugverkehr im Schweizer Luftraum. Für die technologische Strategie und den Betrieb der dafür nötigen Systeme ist CTO Ardey Götz verantwortlich. Im Interview sagt er, was er von IT-Partnern ­erwartet, welche Bereiche die Flugsicherungsgesellschaft nie auslagern würde und wo sie bereits KI einsetzt.

Götz Ardey, CTO, Skyguide. (Source: zVg)
Götz Ardey, CTO, Skyguide. (Source: zVg)

Was beinhaltet Ihre tägliche Arbeit und wo kommen Sie mit IT-Dienstleistern in Berührung?

Götz Ardey: Als CTO verantworte ich die technologische Strategie von Skyguide und den verlässlichen Betrieb der Systeme, mit denen wir den Schweizer Luftraum sicher und effizient managen. Die Sicherheit ist unsere höchste Priorität und nicht verhandelbar. Mein Alltag ist eine Mischung aus strategischen Entscheidungen, Steuerung grosser Modernisierungsprogramme und engem Austausch mit unseren operativen Teams, denn unsere Systeme laufen 24/7 ohne Unterbrechung. Mit IT-Dienstleistern komme ich praktisch überall in Berührung: bei Infrastruktur, spezialisierter Software für Flugsicherung, Cloud- und Cybersecurity-Themen, in der Beschaffung und bei Spezialisten, die wir intern nicht in voller Breite halten. Gerade in dieser Bandbreite zeigt sich, wie wichtig gute Partnerschaften für uns sind.

Welches sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die Ihre IT-Dienstleister mitbringen müssen?

Erstens ein echtes Verständnis für unser Umfeld: Wir sind kritische Infrastruktur, sicherheits- und regulatorisch geprägt, das ist kein klassischer IT-Kontext. Zweitens Verlässlichkeit, also halten, was zugesagt wurde, in Qualität, Termin und Budget. Und drittens partnerschaftliches Denken: Ich erwarte Partner, die mit uns Verantwortung übernehmen, kritisch mitdenken und auch unbequeme Wahrheiten ansprechen. Wer nur Aufträge abarbeitet, kommt bei uns nicht weit.

Was sollten (potenzielle) IT-Partner tunlichst vermeiden?

Leere Versprechen und generische Sales-Pitches, die nicht auf unsere Realität eingehen. Ebenso problematisch sind «One-size-fits-all»-Ansätze, bei denen dieselbe Standardlösung mit minimalen Anpassungen verkauft wird, oder ein bewusst aufgebauter Vendor-Lock-in, der uns langfristig die Handlungsfreiheit nimmt. Und ganz grundsätzlich gilt: Wer bei uns punkten will, sollte nicht zuerst über Tools, sondern zuerst über unsere Aufgabe sprechen können. Ohne dieses Verständnis funktioniert die Zusammenarbeit auf Dauer nicht.

Wie kaufen Sie IT-Hardware und -Software beziehungsweise komplette Lösungen ein? Direkt beim Hersteller oder bei einem Händler?

Wir nutzen einen Mix, je nach Kategorie. Standardisierte Hardware und gängige Software beschaffen wir typischerweise über etablierte Partner und Reseller, oft im Rahmen längerfristiger Rahmenverträge. Strategische, sicherheitskritische Plattformen und spezialisierte Air-Traffic-Management-Lösungen (ATM) kaufen wir direkter beim Hersteller oder OEM ein, ergänzt durch Systemintegratoren. Da Skyguide beschaffungsrechtlichen Vorgaben unterliegt, sind unsere Ausschreibungsprozesse formal und transparent. Darauf sollten sich Anbieter einstellen. Bevorzugt sind Partner, die uns über Jahre begleiten können, ohne dass wir in einseitige Abhängigkeiten geraten.

Welche Bereiche Ihrer Unternehmens-IT haben Sie ausgelagert? Welche Bereiche würden Sie hingegen nie auslagern?

Bei kommerziellen IT-Bereichen wie Workplace, gewissen Infrastrukturthemen oder Teilen der Anwendungsentwicklung arbeiten wir bewusst mit externen Partnern. Das ist effizienter und gibt uns Zugang zu Skill-Pools, die wir intern nicht in voller Breite halten können. Was wir hingegen nicht aus der Hand geben, ist alles, was zum Kern unseres Auftrags gehört: die operativen Flugsicherungssysteme, deren Architektur und das tiefe Wissen um den Betrieb. Dort müssen Kontrolle und Verantwortung zwingend bei uns liegen, sonst könnten wir unseren Auftrag nicht erfüllen.

Was werden in nächster Zeit die grössten technischen Herausforderungen im Bereich IT für Sie sein?

Die grösste Aufgabe ist die Ablösung langjährig gewachsener Legacy-Systeme bei gleichzeitig uneingeschränkter Verfügbarkeit. Wir müssen umbauen, ohne den Verkehr je zu stören. Dazu kommen die Modernisierung unserer Plattformarchitektur, Cloud-Themen im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Souveränität sowie der weiterwachsende Anspruch an Cyberresilienz. Stark verschärft wird das durch den regulatorischen Rahmen: Die EU-Durchführungsverordnungen 2017/373 und insbesondere die neue 2023/1768 zur Zertifizierung von Air-Traffic-Management/Air-Navigation-Services-Systemen und -Komponenten heben die Anforderungen an Nachweisführung, Architektur und Lifecycle-Management deutlich an. Das fliesst direkt in unsere technische Roadmap ein. Auch der sinnvolle Einsatz von KI in einem sicherheitskritischen Umfeld wird uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen. Quer durch all das zieht sich eine eher unsexy, aber sehr reale Herausforderung: der Zugang zu qualifizierten IT-Fachkräften, gerade in den Spezialistenprofilen, die wir wirklich brauchen.

Wie können IT-Dienstleister Sie dabei unterstützen?

Wir suchen Partner mit echter Spezialisierung in den Bereichen, die wir intern nicht in voller Tiefe abdecken können: Cybersecurity, Cloud-Engineering, Architektur, ausgewählte Entwicklungstechnologien. Wertvoll sind Anbieter, die uns nicht nur Kapazität, sondern auch Wissenstransfer liefern und unsere eigenen Mitarbeitenden mitziehen. Wichtig ist zudem ein langer Atem: Projekte in unserem Umfeld dauern Jahre, nicht Quartale. Wer das mitbringt und versteht, dass wir nicht jede Innovation sofort produktiv setzen können, ist klar im Vorteil.

Setzen Sie KI bereits produktiv ein?

Ja, aber sehr gezielt. In nicht-operativen Bereichen, in denen die Flugsicherheit nicht unmittelbar betroffen ist, nutzen wir KI bereits, etwa für Analyseaufgaben, in der Softwareentwicklung, bei der Auswertung grosser Dokumentenmengen und im Service-Umfeld. Im sicherheitskritischen ATM-Betrieb sind wir bewusst zurückhaltend: Modelle müssen erklärbar, prüfbar und zertifizierbar sein, sonst haben sie in unserer Welt nichts verloren. Wir verfolgen aber sehr aufmerksam, wie KI uns mittelfristig bei Lotsen-Assistenz, Anomalie-Erkennung und Kapazitätsplanung unterstützen kann. Für uns zählt nicht der KI-Hype, sondern konkreter Nutzen, der unser «Produkt» Sicherheit unterstützt und effizienter macht.

Mit welchen besonderen Herausforderungen im Bereich IT-Sicherheit hatten oder haben Sie zu tun und wie packen Sie diese an?

Als kritische Infrastruktur stehen wir im Fokus eines Bedrohungsbildes, das sich, auch geopolitisch, rasant verändert. Konkret heisst das für uns: konsequente Segmentierung zwischen den operativen Flugsicherungssystemen und der administrativen IT, Defense-in-Depth, ein durchgängiges Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie laufende Penetrationstests. Ein Thema, das uns zunehmend beschäftigt, ist Supply-Chain-Security. Wir prüfen Lieferanten und deren Vorlieferanten sehr genau. Unser Informationssicherheitsmanagementsystem richten wir an internationalen Standards aus und entwickeln es kontinuierlich weiter, statt im reinen Compliance-Modus zu verharren.

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