Digimonitor 2026

KI setzt ihren Siegeszug fort

Uhr
von René Jaun und ahu

Vier von fünf Personen aus der Schweizer Bevölkerung nutzen 2026 KI-Dienste. Die Anwendungsfälle reichen von der Texterstellung bis zur Einkaufsberatung. Was Anbieter angeht, behält der alte Favorit seinen Spitzenplatz.

(Source: Horizon - Stock.Adobe.com)
(Source: Horizon - Stock.Adobe.com)

KI wird 2026 zum Massenphänomen. Dies stellen die Interessengemeinschaft elektronische Medien (IGEM) und die WEMF AG für Werbemedienforschung im Digimonitor 2026 fest. Die diesjährige Studie zur Nutzung digitaler Medien in der Schweiz basiert auf einer von Intervista im Frühling durchgeführten Umfrage unter 1957 Personen im Alter zwischen 15 und 75 Jahren.

Grafik 1: Nutzungshäufigkeiten diverse Medien und Plattformen bei Bevölkerung 15-75 Jahre.

Nutzungshäufigkeiten diverser Medien und Plattformen bei der Bevölkerung (Alter: 15-75 Jahre). (Source: IGEM-Digimonitor 2026)

80 Prozent dieser Befragten gaben dieses Jahr an, KI zu verwenden. Das sind 20 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und entspricht einer Verdoppelung der 40 Prozent von 2024, wie die IGM mitteilt. Fast jede dritte Person nutzt KI-Tools demnach bereits täglich. Besonders hoch ist die Verbreitung bei den 15- bis 34-Jährigen (91 Prozent nutzen gelegentlich KI, 44 Prozent täglich).

Grafik 2: Positionierung diverse Medien, Plattformen und Trends nach Alter und Geschlecht.

Positionierung diverser Medien, Plattformen und Trends nach Alter und Geschlecht. (Source: IGEM-Digimonitor 2026)

Und längst werde KI nicht mehr nur zum Schreiben von Texten oder für Übersetzungen eingesetzt, hebt die IGEM hervor. 57 Prozent nutzen KI für Recherchen, knapp 40 Prozent für die Einkaufsberatung. Auch für das Lernen mit Tutorials gewinnt KI an Bedeutung. Bei einer Nutzungsrate von 76 Prozent liege die private KI-Nutzung der Bevölkerung derzeit deutlich vor der Anwendung im Beruf oder in der Ausbildung (61 Prozent).

Noch ist KI nicht das meistgenutzte Tool im Internet. Diese Rolle ist nach wie vor klassischen Suchmaschinen vorbehalten, wie aus der Studie hervorgeht. 98 Prozent der befragten Internet-User gaben demnach an, sie mindestens gelegentlich zu verwenden, mehr als zwei Drittel täglich. Allerdings gewinne KI bei der Suche stark an Bedeutung, wie die Autoren bemerken: Bereits 77 Prozent nutzen den KI-Modus in klassischen Suchmaschinen, 57 Prozent suchen gezielt über KI-Plattformen. Damit erfolge die KI-Nutzung häufiger innerhalb etablierter Suchmaschinen als über eigenständige KI-Angebote, fasst die IGEM zusammen. Für die Suche würden KI-Plattformen bereits häufiger genutzt als Youtube (34 Prozent) oder Social Media (28 Prozent). 

Grafik 3: Veränderung KI-Nutzung und KI-Nutzungszwecke 2024-2026 bei Bevölkerung 15-75 Jahre.

Veränderung bei der KI-Nutzung und KI-Nutzungszwecke von 2024-2026 bei der Schweizer Bevölkerung (Alter: 15-75 Jahre). (Source: IGEM-Digimonitor 2026)

Alter Favorit

Was die genutzten KI-Plattformen angeht, ist und bleibt die Schweiz ein ChatGPT-dominiertes Land: Zwei Drittel der Bevölkerung (67 Prozent; 4,3 Millionen Personen) verwenden den OpenAI-Dienst zumindest gelegentlich, 17 Prozent täglich, wie aus dem Digimonitor hervorgeht. Keine andere Plattform habe seit 2024 einen vergleichbaren Reichweitenzuwachs erzielt, ergänzen die Autoren. Mit deutlichem Abstand folgen Googles Gemini (32 Prozent) und Microsofts Copilot (30 Prozent). Weitere Angebote wie Meta AI (13 Prozent), Anthropics Claude und Perplexity (je 10 Prozent) sowie Mistral (3 Prozent) spielten derzeit eine deutlich kleinere Rolle. 

Grafik 4: Nutzungshäufigkeiten einzelne KI-Plattformen bei Bevölkerung 15-75 Jahre.

Nutzungshäufigkeiten einzelner KI-Plattformen bei der Schweizer Bevölkerung (Alter: 15-75 Jahre). (Source: IGEM-Digimonitor 2026). 

Onlineshopping am liebsten per Handy

Der gesamte Digimonitor deckt weit mehr Themen ab als die schlichte KI-Nutzung. So ist etwa zu erfahren, dass Instagram die beliebteste Social-Media-Plattform ist (64 Prozent der Befragten nutzen sie gelegentlich), während X im Vergleich zu 2024 an Relevanz verliert (von 17 auf 10 Prozent gelegentlicher User).

93 Prozent der Befragten nutzen gelegentlich News-Websites; allerdings seien tendenziell weniger Befragte bereit, für News zu bezahlen. Und: Bei jüngeren Befragten etabliere sich Social Media zunehmend als Newsquelle.

54 Prozent der Befragten schauen täglich klassisch fern. 47 Prozent wiederum geben an, täglich TV- oder Videoinhalte zu streamen. Für Audioinhalte sei es genau umgekehrt: Hier gaben 45 Prozent an, täglich klassisches Radio zu konsumieren, während 60 Prozent sagen, sie hörten täglich Musik oder Radio über Streaming-Dienste. Podcasts hören 65 Prozent der Befragten gelegentlich, jedoch nur 11 Prozent täglich an.

Schliesslich liefert der Digimonitor noch einige Erkenntnisse zum Onlineshopping. 66 Prozent kaufen demnach über das Smartphone ein, 64 Prozent über den PC oder Laptop. Besonders aktiv sind die 30- bis 49-Jährigen. Für Produktinformationen sind Online-Shops die erste Anlaufstelle: 91 Prozent informieren sich mindestens gelegentlich dort. Auch hier könnte KI in den kommenden Jahren noch einen Siegeszug antreten. Laut der Studie nutzen 39 Prozent der Befragten KI als Einkaufsberatung. Damit etabliere sich die Technologie bereits auf Augenhöhe mit Youtube (40 Prozent) und vor Social Media (36 Prozent). Als direkter Shopping-Kanal würden KI-Plattformen (6 Prozent) und Youtube (2 Prozent) dagegen bislang nur selten genutzt, schreibt die IGEM.

Auffällig sei die Verbreitung chinesischer Shopping-Plattformen: Bereits 36 Prozent der Bevölkerung kaufen laut der Umfrage auf Temu, Shein oder Aliexpress ein. Besonders hoch sei die Nutzung im Tessin (48 Prozent) und in der Romandie (43 Prozent).

 

Lesen Sie auch: Laut dem im Herbst 2025 veröffentlichten E-Commerce-Stimmungsbarometer verdrängte Digitec Galaxus unlängst Google erstmals als häufigste Startadresse für die Produktsuche. Die KI-Nutzung wächst demnach nur langsam und Kreditkarten sind beliebter als Twint.

Webcode
74H7BQfH