Was die Hostpoint-Gründer für den Schweizer Hosting-Markt planen
Vor 25 Jahren hat Hostpoint den Betrieb aufgenommen. Seitdem prägt das Unternehmen in Rapperswil-Jona den Schweizer Hosting-Markt. Im Interview sprechen Mitgründer Markus Gebert und Claudius Röllin über die Meilensteine der Unternehmensgeschichte, wie KI das Geschäft verändert und wo sie das Unternehmen in den nächsten 25 Jahren sehen.
Wenn Sie auf die vergangenen 25 Jahre zurückblicken: Welcher Moment war aus heutiger Sicht der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte von Hostpoint?
Claudius Röllin: Dazu zählt sicherlich 2004 die Einführung vom «Web-o-mat», unserem ersten Website-Baukasten. Dieser wurde später durch das heutige «Sites» ersetzt. Mit dem «Web-o-mat» konnten Privatpersonen und Unternehmen kinderleicht den eigenen Webauftritt gestalten und verwalten. Dies vereinfachten wir 2007 zusätzlich mit unserem Control Panel. Wir hatten schon zuvor Elemente unserer Benutzeroberfläche selbst entwickelt. Aber nun hatten wir ein komplett inhouse entwickeltes Panel für die Hosting-Verwaltung. Und wir gehen davon aus, dass unser im Juni lanciertes Datentransfer-Tool File Express auch ein wichtiger Wendepunkt sein wird.
Markus Gebert: Was den Website-Baukasten zum Wendepunkt macht, ist, dass wir uns damit auch diversifiziert haben. Am Anfang waren wir ausschliesslich im Bereich Shared Hosting tätig. Ab diesem Punkt begannen wir, auch andere Märkte ausserhalb des klassischen Hostings zu erschliessen.
Sie haben die Entwicklung des Schweizer Hosting-Marktes von Beginn an miterlebt. Welche Prognose aus den frühen 2000er-Jahren hat sich unterdessen als völliger Nonsens erwiesen?
Gebert: Die frühen 2000er-Jahre waren noch vom Platzen der Dotcom-Blase geprägt. Entsprechend erhielten Unternehmen, die sich auf internetbasierte Geschäftsmodelle verlassen haben, nicht so viel Kredit. Die Prophezeiungen begannen eher erst gegen Ende der 2000er-Jahre. Als die grossen Hyperscaler und internationalen Cloud-Anbieter kamen, hatten viele das Gefühl, das Hosting, wie es damals existierte, werde es bald nicht mehr brauchen. Aber das hat sich natürlich als falsch herausgestellt, wie wir heute wissen.
Was würden Sie anders machen, wenn Sie Hostpoint heute neu gründen würden?
Gebert: Das ist eine schwierige, aber spannende Frage. Ich glaube, wir würden alles noch einmal genau gleich machen. Wir haben uns auch schon gefragt, ob es sinnvoll gewesen wäre, externe Geldgeber an Bord zu holen, um schneller wachsen zu können. Wir haben das bewusst nie getan. Wir sind mit je 7000 Franken, die wir von unseren Eltern ausgeliehen hatten, gestartet und haben danach immer wieder reinvestiert. Für das Unternehmen war dieses manchmal etwas langsamere, natürliche Wachstum durchaus gesund.
Wie hat sich die Situation für Start-ups in den vergangenen 25 Jahren verändert? War es früher einfacher, ein Tech-Unternehmen zu gründen?
Röllin: Ich würde sagen, dass es schwieriger geworden ist, weil es heute schon zahlreiche Mitbewerber gibt. Als wir anfingen, gab es allerdings auch bereits andere Hoster. Wir haben wohl einfach das eine oder andere besser oder anders gemacht als unsere Konkurrenz. Nicht alle diese Mitbewerber sind heute noch aktiv. Ich glaube, wer heute in der IT eine Chance haben will, muss viel schneller sein. Das heisst, dass man vielleicht auch schneller Investoren gewinnen muss, wenn man im Markt sichtbar werden und bleiben will. Diese Investoren könnten sich aber natürlich genauso gut für einen der vielen Marktbegleiter entscheiden.
Gebert: Ich glaube eher, dass es gleich geblieben oder vielleicht ein wenig schwieriger geworden ist. Die künstliche Intelligenz bringt jetzt eine Veränderung ins Spiel. Man kann mit ihr etwa schneller Software entwickeln oder einen Internetauftritt schaffen. Auf der anderen Seite wird der Einstieg auch für alle anderen niederschwelliger, weswegen der Konkurrenzdruck zunimmt. Am Ende haben wir wohl ein Nullsummenspiel. Es sind einfach andere Zeiten und das Geschäft funktioniert ein wenig anders. Die Schwierigkeit ist, dass man eine einzigartige Idee haben muss, mit der man sich vom Wettbewerb abheben kann. Diese Herausforderung mussten wir damals anpacken und sie bleibt auch heute noch für Start-ups bestehen.
Heute gibt es viel mehr Regulierungen, die Aufwand und Zeit kosten
Was war schwieriger: sich als Jungunternehmen einen Platz im Markt zu sichern oder diesen Platz als bereits etablierte Marktgrösse zu verteidigen?
Röllin: Beides hat Vor- und Nachteile. Als wir noch kleiner waren, hatten wir weniger Möglichkeiten, Neukunden zu gewinnen. Jetzt haben wir natürlich ganz andere Optionen, wenn es etwa um Werbekampagnen geht. Heute gibt es aber viel mehr Regulierungen, die Aufwand und Zeit kosten. Auch das Unternehmen selbst ist komplexer geworden, weil wir nun über 130 Personen beschäftigen. Somit ist die Verantwortung, die wir tragen, grösser geworden.
Gebert: Manche Regulierungen sind auch so gestaltet, dass grössere Unternehmen eher davon betroffen sind als kleinere. Es gibt also eine Abwägung: Als Start-up hat man gewisse Vorteile, aber dafür fehlt die Masse, die einen treibt. Man hat keine bestehende Kundenbasis und kein Marketingbudget. Das kann ein junges Unternehmen zurückhalten. Als grosses Unternehmen hat man hingegen mit organisatorischen und regulatorischen Themen zu kämpfen, um die man sich als Start-up noch nicht kümmern muss.
Welche Marktveränderung hat Sie in den vergangenen 25 Jahren am meisten überrascht?
Röllin: Eigentlich nicht wahnsinnig viele (lacht). Was uns aber überrascht hat, war der plötzliche Wechsel, wenn es um Übernahmen ging. Zunächst wollte eigentlich keiner unserer Mitbewerber, mit denen wir gesprochen haben, verkaufen. Aber dann wurden innert kürzester Zeit – im Rahmen von rund einem Jahr – gleich vier Konkurrenten aufgekauft: Hoststar, Metanet, Switchplus – die heutige Swizzonic – und Webland. Dass das so plötzlich ging, hat uns wirklich überrascht.
Gebert: Dass der eine oder andere Konkurrent übernommen wird, hatten wir schon gedacht. Aber dieser Dominoeffekt überraschte uns.
Gab es einen Zusammenhang zwischen diesen Übernahmen? Einen Grund, warum diese Akquisitionen so schnell aufeinander folgten?
Röllin: Es war wohl eine Geldfrage – auch aufgrund der damaligen Negativzinsen. Das heisst, dass viele wohlhabende Menschen in Europa und auf der ganzen Welt ihr Geld irgendwie anlegen wollten. Damals wurde alles gekauft – von Wein, der vielleicht irgendwann viel Wert haben könnte, bis hin zu – offenbar – Hosting-Anbietern.
Gebert: Verstärkt wurde dieser Umstand dadurch, dass es für mittelgrosse Hoster immer schwieriger wurde. So hatte man auf der einen Seite gute Verkaufsgelegenheiten und auf der anderen Seite hatte man ein Umfeld, das zu einem Verkauf drängte.
Hostpoint ist in einem hart umkämpften Markt gross geworden, in dem viele Anbieter inzwischen übernommen wurden oder verschwunden sind. Wie schwierig ist es heute noch, langfristig unabhängig zu bleiben?
Röllin: Natürlich erhalten wir – wie andere Hoster ebenfalls – immer wieder Anfragen, ob wir das Unternehmen verkaufen wollen. Das spielt uns aber auch in die Hände. Denn in der Regel wollen diese Investoren das ausgegebene Geld möglichst schnell wieder reinholen und die gekauften Unternehmen nach ein paar Jahren wieder verkaufen. Um den Gewinn zu maximieren, werden oft die Preise laufend erhöht und der Service zurückgefahren. Privatpersonen und KMUs wollen jedoch einen guten Support sowie faire Preise – und wir bieten weiterhin beides.
Gebert: Wir sind inhabergeführt. Es ist also unsere Entscheidung, ob wir unabhängig bleiben wollen. Niemand zwingt uns, zu verkaufen oder uns einer Gruppe anzuschliessen. Dank dieser Unabhängigkeit können wir gewisse Marktentwicklungen sogar zu unserem Vorteil nutzen.
Welche Rolle wird ein Schweizer Anbieter wie Hostpoint künftig in einem Markt spielen, der zunehmend von globalen Hyperscalern dominiert wird?
Röllin: Ich glaube, es gibt nicht so viele Überschneidungen. Ja, man kann eine Website auch bei AWS oder Google unterbringen. Aber es ist nicht dasselbe. Wenn man beispielsweise Wordpress nutzen will, ist dies über unsere Dienste günstiger, und zudem profitiert man noch von unserem Support. Für einen Hyperscaler ist so ein Kunde weniger interessant. Entsprechend ist Support auch nur über sehr teure SLAs möglich. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist der Datenstandort und die Rechtssicherheit hier in der Schweiz. Die grossen US-amerikanischen Hyperscaler haben diesbezüglich einfach einen Beigeschmack.
Gebert: Der Cloud Act.
Röllin: Aber der wichtigste Unterschied ist doch, dass wir trotz gewisser Überschneidungen letztlich unterschiedliche Produkte anbieten.
Digitale Souveränität ist derzeit eines der grossen Themen der Branche. Glauben Sie, dass Schweizer Anbieter im Vergleich zu internationalen deswegen eine verstärkte Nachfrage erfahren werden?
Gebert: Schweizer Anbieter werden sicher spüren, dass mehr auf Themen wie den Datenstandort geschaut wird.
Röllin: Im Bereich E-Mail sehen wir absolut, dass viele Kunden ihre Daten in der Schweiz haben wollen. Beim Hosting vereinzelt auch – insbesondere wenn es um Webapplikationen geht, die sensible Kundendaten speichern und verarbeiten. Bei einer einfachen Website mit Inhalten, die sowieso öffentlich sind, ist die digitale Souveränität wohl kein grosses Thema.
Gebert: Ferner gibt es natürlich auch Firmen, die aus Compliance-Gründen darauf achten müssen.
Was bedeutet digitale Souveränität für Hostpoint?
Gebert: Das Thema ist für uns nicht erst, seitdem es in aller Munde ist, relevant geworden. Den Datenstandort in der Schweiz zu behalten, ist für uns schon seit der Gründung eines der wichtigsten Alleinstellungsmerkmale. Wir wollten von Anfang an unsere eigene Infrastruktur im eigenen Land unter unserer Kontrolle betreiben. Das ist Teil des «Swissness»-Versprechens, das wir unseren Kunden abgeben. Die Besitzverhältnisse und der Rechtsstandort sind bei Hostpoint klar. Deshalb sind wir beim Thema digitale Souveränität gut aufgestellt und können auch davon profitieren, dass Kunden vermehrt darauf achten.
Welche strategischen Ziele verfolgen Sie aktuell mit Hostpoint?
Gebert: Derzeit ist KI für uns das grosse Thema; es tangiert uns in verschiedenen Bereichen. Dazu gehört natürlich einerseits die Produktentwicklung. Wir wollen unsere Angebote sinnvoll mit KI ergänzen oder auch Produkte auf Basis von KI lancieren. Und andererseits ist KI für uns als Tech-Unternehmen auch intern von grosser Bedeutung. So sehen wir KI beispielsweise in der Softwareentwicklung als eine riesige Chance, die wir nutzen wollen.
Was für KI-Produkte planen Sie derzeit?
Röllin: Wir sehen ganz einfache Möglichkeiten beim Webshop oder in unserem Website-Baukasten «Hostpoint Sites». Auch bei Cloud Office prüfen wir, wo sich KI sinnvoll integrieren lässt. So könnten wir uns etwa vorstellen, KI-Vorschläge beim Schreiben und Beantworten von E-Mails zu integrieren, sofern die Kunden dafür ihr Einverständnis geben.
Gebert: KI ist sehr stark, wenn es darum geht, Content zu erstellen. Wir sind zwar keine Webagentur und daher auch keine Content-Ersteller. Aber wir bieten Hosting, Infrastruktur und die Tools an, um Websites zu erstellen. Und in all diesen Bereichen wird KI den Komfort für Kunden steigern.
In welchen weiteren Bereichen – abgesehen von KI – investieren Sie derzeit?
Gebert: Unser Ziel ist sicher, weiter zu wachsen und dabei innovativ zu bleiben.
Röllin: Und zugleich wollen wir unsere bestehenden Produkte weiterentwickeln. Wir wollen das, was wir machen, einfach richtig machen.
Eine Domain ist das Eintrittsticket in unsere Welt
In den vergangenen 25 Jahren haben Sie die Geschäftsbereiche von Hostpoint laufend ausgebaut. Welche Bedeutung haben Ihre ursprünglichen Kerngeschäfte wie Domains und E-Mail heute noch im Vergleich zu anderen Bereichen?
Röllin: Eigentlich ist dieses Geschäft sehr ähnlich geblieben. Domains, E-Mails, Webhosting – das gibt es alles noch immer. So ziemlich jede Firma braucht einen Webauftritt. Deshalb ist dies weiterhin sehr relevant für uns. Auch für Privatpersonen ist es wieder interessanter geworden, eine eigene Website zu haben. So kann man besser kontrollieren, was eine KI so findet, falls jemand nach einem Namen sucht.
Gebert: Wir haben unseren Tätigkeitsbereich über die Jahre zwar diversifiziert und verschiedene Standbeine aufgebaut. Aber gerade Hosting, E-Mail und Domains bleiben wichtig. Eine Domain ist das Eintrittsticket in unsere Welt. Entsprechend gehört eine Domain zu den häufigsten Diensten, die wir anbieten, einfach dazu. Das macht sie zu einem strategisch sehr wichtigen Produkt für uns.
Welche Rolle sollte die Politik spielen, um die digitale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schweiz zu stärken?
Röllin: Das ist eine sehr aktuelle Frage. Das sieht man etwa an den aktuellen Debatten zum Überwachungsgesetz oder auch daran, dass Proton Teile des Geschäfts ins Ausland verlagert. Eine Überregulierung und somit einen Standortnachteil für die Schweiz sollten wir vermeiden, denn der Wettbewerb würde darunter leiden.
Gebert: Das Internet macht nicht Halt an der Landesgrenze. Wenn die Politik versucht, in einem so kleinen Land wie der Schweiz zu viel zu regulieren, können die Nutzer einfach ausweichen und sich einen anderen Weg suchen. Für lokale Firmen würde dies bedeuten, dass sie einen Nachteil gegenüber den internationalen Anbietern einstecken müssen. Der Missbrauch, den die Regulierungen verhindern sollten, findet dann woanders statt – aber er findet weiterhin statt.
Was wäre stattdessen die Lösung?
Gebert: Die Politik sollte bei diesen Themen vor allem internationale Lösungen anstreben. Die Schweiz als Insel zu betrachten und eigenständig zu stark zu regulieren, ist nicht zielführend. Wie gesagt, ist dies am Ende nicht wirksam und schadet bloss den lokalen Unternehmen.
Röllin: Aktuell meinen es viele Politiker zwar gut. Sie wollen eigentlich weniger harte Gesetze als in der EU, aber am Ende wird hierzulande strikter angepackt. Ein gutes Beispiel dafür ist NIS-2. Wenn jemand in der EU eine Domain registriert, ist nur beim Verdacht auf Missbrauch eine Verifizierung dieser Person vorgesehen. Die Stiftung Switch, die diesen Bereich sehr gut überwacht, macht dies bereits heute schon so. In der Schweiz wird gerade eine Verifizierungspflicht für sämtliche neuen .ch-Domains diskutiert, obwohl .ch-Domains zu den sichersten Domains weltweit zählen. Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen Regulierungen. Aber Massnahmen, die nur Kosten verursachen, sind nicht der richtige Weg.
Diese Regulierung hat keinen Nutzen?
Röllin: Genau das macht es ja noch schlimmer: Eigentlich sollte man mit solchen Vorschriften doch die Sicherheit erhöhen. Aber wenn man beispielsweise in den Berichten des Bundesamts für Cybersicherheit (BACS) nachsieht, fällt auf, dass .ch-Domains beim Phishing und bei Malware-Attacken eigentlich gar keine Rolle spielen. Das läuft über andere Domain-Endungen. Auch die Switch sieht hier keinen Handlungsbedarf.
Weshalb werden .ch-Domains nicht oder nicht in demselben Ausmass für cyberkriminelle Zwecke missbraucht?
Röllin: Angreifer bevorzugen vermutlich Domain-Endungen, die ihnen vermutlich geläufiger sind, und erwerben diese bei ausländischen Registraren. Ein weiterer Grund ist, dass Switch bereits einen sehr guten Job macht und relativ schnell erkennt, ob etwas mit einer Domain nicht stimmt, sowie natürlich die Mehrheit der Schweizer Registrare bereits heute die Domain-Registranten in einer gewissen Form auf deren Echtheit prüft. Problematische Domains kann sie auch rasch sperren. Ein Domain-Inhaber hat 24 Stunden Zeit, sich zu verifizieren, falls Switch dessen Domain auf eine Sperrliste setzt.
Was unternimmt Hostpoint, um die Kunden zu schützen?
Gebert: Wir und auch unsere Kunden sind natürlich immer wieder von Phishing betroffen. Hier sind wir sehr aktiv in der Prävention und in der Kommunikation mit unseren Kunden. Wir haben interne Teams, die für die Sicherheit unserer Kunden zuständig sind. Sie analysieren Missbrauchsfälle und helfen betroffenen Kunden möglichst zu verhindern, dass sie erneut Opfer eines Angriffs werden.
Röllin: Wir haben beispielsweise beim DNSSEC-Programm der Switch schon früh eine Vorreiterrolle eingenommen und so einen grossen Teil der .ch-Domains mit dem Dienst geschützt. Im E-Mail-Bereich fördern wir Systeme und Protokolle wie DKIM, DMARC und SPF. Ferner achten wir darauf, dass wir keine uralten PHP-Versionen mehr unterstützen, die bereits End-of-Life sind.
Ist das nicht auch immer ein wenig ein Trade-off?
Röllin: Das stimmt schon. Es kann natürlich immer Kunden geben, die dann möglicherweise zu einem Anbieter wechseln wollen, der die alte Version noch unterstützt. Dann verlieren wir zwar einen Kunden, aber dieser Kunde geht so einfach das Risiko ein, früher oder später gehackt zu werden. Wer PHP nicht aktualisiert, macht in der Regel auch die nötigen CMS-Updates nicht – und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis etwas schiefgeht. Ein Hacker könnte beispielsweise die Website verunstalten, missbrauchen oder Spam über dieses Hosting versenden.
Als wir ins Hosting-Geschäft eingestiegen sind, gab es noch sehr viel mehr Hoster als heutzutage
Sie haben im Juni File Express lanciert. Sie positionieren es selbst als Alternative zum bekannten File-Sharing-Dienst Wetransfer. Was für Erwartungen haben Sie an das Marktpotenzial dieses Produkts – vor allem, wenn man bedenkt, dass es nicht die erste Schweizer Alternative zu Wetransfer ist?
Röllin: So war es doch schon immer: Als wir ins Hosting-Geschäft eingestiegen sind, gab es noch sehr viel mehr Hoster als heutzutage. Ein grosser Unterschied ist, dass wir mit File Express ein Login anbieten und man sich kostenlos registrieren kann. So können User ihre Transfer-History anschauen; sie können prüfen, ob ihre Dateien heruntergeladen wurden, und sie können auch die Download-Fristen verlängern. Klar, wir sind hier nicht die Vorreiter, aber es ist auch spannend, für einmal die Jäger, statt die Gejagten zu sein (lacht).
Gebert: Zu unseren Alleinstellungsmerkmalen gehört sicher auch die End-2-End-Verschlüsselung. Und um unseren technologischen Vorsprung zu behalten, werden wir File Express sehr aktiv weiterentwickeln. Wir sind überzeugt von diesem Produkt und wir glauben, dass wir File Express mit unserer Kundenbasis zum Durchbruch verhelfen können.
Wie ist das Produkt entstanden?
Röllin: Vor vier Jahren übernahmen wir Swiss Cyber Gate als 100-prozentige Tochterfirma. Das Unternehmen war vor allem für seine Enterprise-Business-Transferlösung bekannt, betrieb jedoch auch bereits eine Applikation für Endbenutzer. Obwohl diese eine gute und einfache Lösung war, fehlte es Swiss Cyber Gate an der Power, um sie grossflächig zu verbreiten. Nach der Übernahme haben wir das Tool neu aufgelegt, zusätzliche Funktionen hinzugefügt, die Usability angepasst und das Design aufgefrischt. Zudem haben wir die Lösung bei uns eingebunden.
Haben Sie das Produkt mit klaren Vorstellungen zur Anzahl der Datenübertragungen in den nächsten Monaten lanciert, oder wollen Sie einfach schauen, was Sie damit erreichen können?
Gebert: Natürlich haben wir alle so unsere Vorstellungen, wenn wir Produkte lancieren. Welche Vorstellung richtiger ist, wissen wir natürlich erst im Nachhinein (lacht). Strategisch ist File Express ein spezielles Produkt, es geht uns hierbei unter anderem auch um Branding. Wir haben also Ziele, die über unmittelbare kommerzielle Interessen wie Nutzerzahlen, Verkäufe und Downloads hinausgehen. Und selbstverständlich haben wir zudem den Anspruch, den bestehenden Alternativen den Markt streitig zu machen. Die Ambitionen sind also da, aber lassen sich kaum mit einzelnen quantitativen Zielwerten abbilden.
Röllin: Unsere Ziele sind auch eher langfristig. Wenn wir am Ende des laufenden Jahres noch nicht da sind, wo wir hinwollen, ist dies nicht so schlimm. Aber wir haben viel Zeit, Ressourcen und Geld in dieses Produkt investiert und wollen uns deshalb in den nächsten Jahren natürlich einen Platz in diesem Markt sichern. Aber ich bin schon sehr gespannt darauf, wie sich File Express entwickeln wird.
Wenn wir uns 2051 wieder treffen und über das 50-Jahre-Jubiläum von Hostpoint sprechen: Welche Rolle wünschen Sie sich dann für Hostpoint im Schweizer digitalen Ökosystem?
Gebert: Vermutlich werden dann ein paar KIs um den Tisch hocken und das Interview führen (lacht). Was da für Antworten kommen werden, weiss ich nicht. Aber ernsthaft: Hostpoint hat bereits eine tragende Rolle im Schweizer Internet. Wenn man sich die Zahlen anschaut, sieht man, wie relevant wir sind. Wir stehen vielleicht mehr im Hintergrund – Hosting und E-Mail-Providing drängen sich selten in die vordere Reihe. Aber damit das gesamte Ökosystem funktioniert, sind wir essenziell. Diese Relevanz wollen wir auch 2051 noch haben – und hoffentlich bis dann sogar noch weiter ausbauen.
Röllin: Dem kann ich nur zustimmen.
Zu den Personen
Markus Gebert ist Co-Founder und CEO von Hostpoint. Bereits als junger Gymnasiast sammelte er erste unternehmerische Erfahrungen und gründete 2001 gemeinsam mit zwei weiteren Jungunternehmern in Rapperswil-Jona Hostpoint. Als CEO prägt er die strategische Ausrichtung des grössten Schweizer Webhosting-Anbieters massgeblich mit.
Claudius Röllin ist Co-Founder und CPO von Hostpoint. Seit den Anfangsjahren prägt er die geschäftliche Entwicklung des Unternehmens mit und übernimmt die Verantwortung für Vermarktung und Vertrieb. Gemeinsam mit Markus Gebert ist er Eigentümer des bis heute vollständig inhabergeführten Unternehmens.
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