Wie KI das Geschäft mit Managed Services beeinflusst
Der globale Markt für Managed Services wächst auch im KI-Zeitalter weiter. Doch die künstliche Intelligenz verändert Umfang, Struktur und strategische Ausrichtung von Sourcing-Deals. So geben Unternehmen immer mehr Geld für einzelne Deals aus, während die jährlichen Ausgaben nur geringfügig zunehmen.
Der KI-Boom schürt generell die Erwartung, dass die Produktivität steigt und Dienstleistungen dementsprechend günstiger werden. Dies hat auch einen Einfluss auf das Sourcing-Geschäft: Viele Unternehmen konsolidieren ihr Leistungsspektrum bei wenigen (grossen) Anbietern, um Kosten zu sparen. Einzig für sehr spezialisierte Dienstleistungen wird auf kleinere Managed Service Provider (MSPs) zurückgegriffen, wie eine internationale Analyse des Marktforschers ISG zeigt.
Demnach geben 61 Prozent der untersuchten Unternehmen die Kostenreduktion als wichtigsten Grund für die Konsolidierung von Anbietern an. Von kleineren Anbietern würden sich hingegen jeweils 35 Prozent eine höhere Flexibilität beziehungsweise den Zugang zu Spezialisten erhoffen. Dabei gerieten insbesondere mittelgrosse MSPs unter Druck, da sie weder die tiefsten Preise noch hochspezialisierte Expertise bieten könnten.
Längere Verträge
Eine weitere grosse Veränderung betrifft die durchschnittliche Vertragsdauer. Laut ISG dauern Verträge für Managed Services heute rund 50 Prozent länger als noch 2022. Dies zeigt sich beim Total Contract Value (TCV), also dem gesamten für Sourcing-Deals ausgegebenen Betrag. Dieser betrug im zweiten Quartal 2026 weltweit beinahe 200 Milliarden US-Dollar – über 40 Milliarden, respektive rund 25 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Vergleich dazu stieg der Annual Contract Value (ACV) im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur um rund 2,7 Prozent.
Auch hier nennt ISG Kosteneinsparungen im Zusammenhang mit KI als Grund. Unternehmen würden Verträge so aufsetzen, dass die antizipierten Kostenreduktionen durch KI mit eingerechnet seien – mit dem Ziel, so lange wie möglich von diesen Konditionen profitieren zu können.
Mehr Offshoring
Im Zuge dieser Kosteneinsparungen spielt laut dem Marktforscher auch Offshoring eine zentrale Rolle. Man beobachte im breiteren internationalen Sourcing-Markt, "dass globale Delivery-Modelle und Global Capability Centers weiter ausgebaut und aufgewertet werden", sagt Matthäus Kaeppeler, Managing Director bei ISG. Der wichtigste Offshore-Standort sei Indien.
Diese Beobachtungen widersprechen einer Einschätzung von Inacta. Das IT-Beratungsunternehmen aus Zug vertritt die Meinung, dass kleine Teams in der Schweiz dank KI dieselben Leistungen erbringen könnten wie grosse Offshoring-Teams. Bei gleichen Kosten würde dann der Standort Schweiz dank anderer Vorteile gewinnen, wodurch jährlich Wertschöpfung von bis zu 1,5 Milliarden Franken in die Schweiz zurückfliessen könnte. Doch gemäss Käppeler findet bisher keine solche Entwicklung statt: "Unsere aktuellen Informationen bestätigen bislang nicht, dass der Einsatz von KI zu einer Rückverlagerung von Managed-Services-Wertschöpfung in die Schweiz führt."
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