Unterschriftensammlung läuft

Update: Komitee lanciert Referendum gegen Epic-Lösung der Waadtländer Spitäler

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von Yannick Chavanne und Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet, Elia Ferrari, nki, dwi, jor

Ende September 2026 gab der Waadtländer Grosse Rat grünes Licht für ein neues Klinikinformationssystem auf Basis der US-Software Epic. Nun hat ein Komitee dagegen ein Referendum lanciert. Die Gegner haben bis zum 5. Dezember 2026 Zeit, 12'000 Unterschriften zu sammeln.

Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) will gemeinsam mit elf weiteren Waadtländer Spitälern auf ein KIS von Epic umsteigen. (Source: Gzzz / ©CC0)
Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) will gemeinsam mit elf weiteren Waadtländer Spitälern auf ein KIS von Epic umsteigen. (Source: Gzzz / ©CC0)

Update vom 2.11.2026: Der Entscheid, das Klinikinformationssystem des Universitätsspitals Lausanne (CHUV) und elf weiterer Waadtländer Spitäler durch die US-amerikanische Software-Lösung Epic zu ersetzen, ist nun Gegenstand eines Referendums. Ein Komitee aus Bürgerinnen und Bürgern sowie Mitgliedern mehrerer Parteien hat eine Unterschriftensammlung gestartet, mit dem Ziel, bis zum 5. Dezember 2026 12'000 Unterschriften zu sammeln, wie einer Meldung von "Keystone-SDA" zu entnehmen ist. 

Ende September gab der Waadtländer Grosse Rat nach mehrwöchigen Debatten grünes Licht für das Projekt mit einem Budget von 207 Millionen Franken. Die Gegner kritisieren insbesondere die Risiken einer finanziellen und technischen Abhängigkeit von einem US-amerikanischen Anbieter. Zudem stellen sie wegen der Wahl von Epic die digitale Souveränität und den Schutz medizinischer Daten infrage.

Das Referendumskomitee sei der Ansicht, dass die Vertraulichkeit solcher Informationen nicht allein auf vertraglichen Verpflichtungen beruhen dürfe. Es bedaure zudem, dass bei einer Investition dieser Grössenordnung eine lokale Lösung gar nicht erst zur Debatte gestanden habe.

Die Initianten des Referendums betonen, dass sie die Notwendigkeit einer Modernisierung der IT-Infrastruktur der betroffenen Einrichtungen nicht infrage stellen. Sie wünschen sich jedoch, dass die Bevölkerung über diese strategische Entscheidung abstimmen kann. Dem Komitee gehören insbesondere die drei Waadtländer Grossräte Yann Glayre (SVP), Vincent Keller (PdA) und Graziella Schaller (Grünliberale) an. 

 

Update vom 12.10.2026:

Warum der Kanton Waadt Epic gegenüber der Genfer Spitallösung bevorzugt

Ende September 2026 gab der Waadtländer Grosse Rat grünes Licht für ein neues Klinikinformationssystem auf Basis der US-Software Epic. Nun erklärt der Waadtländer Staatsrat, weshalb die Spitäler Epic gegenüber dem DPI+ der Genfer Universitätsspitäler bevorzugen: Ausschlaggebend seien vor allem der Integrationsgrad und die Einführbarkeit der Lösung.

Der Waadtländer Staatsrat hat erklärt, weshalb das Universitätsspital Lausanne (CHUV) und andere Waadtländer Spitäler ihr Klinikinformationssystem durch die US-Software Epic ersetzen. In seiner am 7. Oktober verabschiedeten Antwort auf eine Anfrage von Grossrat Fabrice Moscheni nennt die Regierung vor allem zwei Kriterien als ausschlaggebend: der Integrationsgrad der Lösung und deren Einführbarkeit. 

Einen detaillierten Funktionsvergleich zwischen Epic und dem DPI+ der Genfer Universitätsspitäler (HUG) gab es laut dem Staatsrat nicht. Die HUG reichten im Rahmen der Ausschreibung kein Angebot ein. Sie hätten lediglich eine allgemeine Präsentation ihrer Lösung geschickt - und das erst nach Ablauf der Frist.

Weniger Drittanwendungen

Nach Angaben der Regierung benötigen 6 der 21 spezialisierten Funktionsgruppen des DPI+ zusätzliche Anwendungen von Drittanbietern, etwa für die Anästhesie, die Operationssäle und die Intensivpflege. Epic biete hingegen den Vorteil einer integrierten Lösung und reduziere so den Bedarf an Anwendungen von Drittanbietern, heisst es.

Zudem hebt der Waadtländer Staatsrat die bewährte Methodik von Epic hervor, mit der sich das System in mehreren Spitälern innerhalb von zwei bis drei Jahren einführen lasse. Für eine Co-Entwicklung mit den HUG hätten die Waadtländer Spitäler laut Regierung ihre IT-Strategie ändern müssen. Dies lässt sich aus ihrer Sicht nicht mit dem Zeitplan für die Ablösung des bisherigen Systems von Soarian vereinbaren. Ausserdem hätten die Spitäler die Verantwortung für die Zertifizierung jener Module tragen müssen, die als Medizinprodukte gelten.

 

Update vom 24.09.2026: 

Waadtländer Parlament bewilligt Mittel für Epic-Projekt 

Der Waadtländer Grosse Rat hat das neue Klinikinformationssystem auf Basis der Epic-Software genehmigt. Das Parlament passte zugleich die Finanzierung an und verschärfte die Vorgaben zu Datensouveränität, Datenschutz und Governance.

Der Waadtländer Grosse Rat hat die vier Dekrete zum neuen Klinikinformationssystem für das Universitätsspital Lausanne (CHUV) und elf weitere Waadtländer Spitäler angenommen. Somit genehmigte das Parlament die nötigen Kredite und den Governance-Rahmen für die Einführung der Software des US-Anbieters Epic.

Die Gesamtkosten bleiben bei 207,6 Millionen Franken, das Parlament änderte jedoch die Finanzierung. Ein zusätzlicher Kredit von 63 Millionen Franken erhöht den Anteil des Kantons für die Umsetzung auf insgesamt 113 Millionen Franken. Dafür sinkt der Investitionskredit für das CHUV auf 62,5 Millionen Franken und die Staatsgarantie für die elf weiteren Spitäler auf 32 Millionen Franken.

Zudem verschärfte der Grosse Rat die Vorgaben zu Datensouveränität und Datenschutz. Das Projekt soll unter anderem Empfehlungen des Bundes zur souveränen Datenhaltung berücksichtigen, eine auf Datenschutz spezialisierte juristische Fachperson in die Governance einbinden und jährlich extern geprüft werden.

 

Originalmeldung vom 27.08.2026: 

Epic-Projekt nimmt trotz Kritik erste Hürde im Waadtländer Parlament

Das neue Klinikinformationssystem (KIS) von Epic für das Universitätsspital Lausanne (CHUV) und elf weitere Waadtländer Spitäler hat im Grossen Rat eine erste Hürde genommen. Mit 93 zu 43 Stimmen bei 5 Enthaltungen ist der Waadtländer Grosse Rat auf den ersten von vier Dekretentwürfen zum Epic-Projekt eingetreten, wie "RTS" berichtet. Damit hat das Parlament das Vorhaben noch nicht genehmigt: Laut Sitzungsprotokoll setzt es die erste Beratung zu einem späteren Zeitpunkt fort.

Epic soll das bisherige System Soarian beim CHUV und bei den elf Spitälern der Fédération des hôpitaux vaudois (FHV) ablösen. Der Hersteller stellt Support und Wartung für Soarian 2027 ein. Der Kanton bezeichnet die Nachfolgelösung als "Dossier patient informatisé" (DPI). Gemeint ist damit das intern genutzte KIS, nicht das schweizweite elektronische Patienten- beziehungsweise Gesundheitsdossier (EPD/EGD).

Ausschreibung führte zum Rechtsstreit

Die Beschaffung beschäftigt den Kanton seit 2024. Der Genfer Softwarehersteller Kheops wehrte sich gegen die Ausschreibung und zog den Streit bis vor Bundesgericht. Kheops kritisierte unter anderem Anforderungen, die aus seiner Sicht Epic bevorzugten. Das Bundesgericht wies die Beschwerden 2025 ab und machte damit den Weg für die Fortsetzung der Beschaffung frei.

Im November 2025 erteilten das CHUV und die beteiligten Waadtländer Spitäler schliesslich Epic den Zuschlag. Die Vergabe stand allerdings von Anfang an unter dem Vorbehalt, dass der Grosse Rat die nötigen Mittel bewilligt. Die inzwischen vorliegende Finanzierungsvorlage beziffert das Angebot von Epic für Lizenzen und Dienstleistungen auf 90,8 Millionen Franken.

Im Februar legte die Waadtländer Regierung dem Parlament die Finanzierung vor. Insgesamt veranschlagt sie 207,6 Millionen Franken. Davon entfallen 104,5 Millionen Franken auf einen Investitionskredit für das CHUV. Für die elf FHV-Spitäler ist eine Staatsgarantie von bis zu 53,1 Millionen Franken vorgesehen, hinzu kommen 50 Millionen Franken für das gemeinsame Projektteam und die Umsetzung.

Abhängigkeit und Datenschutz geben zu reden

Neben den Kosten sorgt vor allem die langfristige Abhängigkeit von Epic für Kritik. Mehrere Ratsmitglieder warnten vor einer finanziellen und technologischen Bindung an das US-Unternehmen über mindestens 15 Jahre.

Dabei ging es unter anderem um den US Cloud Act. Dieser kann US-Technologieunternehmen unter bestimmten Voraussetzungen dazu verpflichten, Daten an US-Behörden herauszugeben, auch wenn die Unternehmen sie ausserhalb der Vereinigten Staaten speichern. Die Befürworterinnen und Befürworter des Projekts verweisen darauf, dass die Gesundheitsdaten in der Schweiz gehostet werden sollen. Das allein schliesst einen möglichen Zugriff auf Grundlage des Cloud Act allerdings nicht aus. Zur Debatte steht ausserdem, ob sich dasselbe System für ein Universitätsspital wie das CHUV und kleinere Regionalspitäler gleichermassen eignet. 

Parlament setzt Beratung fort

Bevor der Grosse Rat endgültig über das Projekt entscheidet, muss er die laufende erste Beratung abschliessen. Ein von der zuständigen Kommission gutgeheissener Antrag sieht vor, 63 Millionen Franken aus einer Gewinnausschüttung der Schweizerischen Nationalbank für das Projekt einzusetzen. 

Auch nach einer Zustimmung des Parlaments könnte die Vorlage noch vors Stimmvolk kommen. Die Waadtländer Grünliberalen stellen laut "RTS" ein Referendum in Aussicht, sollte der Grosse Rat das Epic-Projekt endgültig gutheissen.

 

Übrigens: Auch am Universitätsspital Zürich sorgte die Vergabe des KIS an Epic für politischen Widerstand; weshalb der unterlegene Anbieter Cistec seine Beschwerde später zurückzog, lesen Sie hier.

Webcode
UPLM7CCu