Schweizer Firmen bleiben bei der Cyberabwehr im Reaktionsmodus
Viele Schweizer Unternehmen kommen bei der Cyberabwehr kaum über die Reaktion auf Angriffe hinaus. Eine Befragung von IT-Sicherheitsfachleuten sieht die Schweiz im Vergleich zu acht weiteren europäischen Ländern am Ende. Nahezu alle Befragten geben an, ihr Unternehmen habe im vergangenen Jahr einen geschäftsschädigenden Cybervorfall erlebt.
Fast drei Viertel der Schweizer Unternehmen erreichen laut einer Cisco-Umfrage unter 200 IT-Sicherheitsfachleuten nur ein reaktives oder lückenhaftes Schutzniveau. Damit landet die Schweiz im Vergleich von neun europäischen Ländern auf dem letzten Platz.
Der US-Netzwerkausrüster leitet aus den Selbstauskünften einen Score ab und teilt die Unternehmen in vier Gruppen ein. 32 Prozent fallen in die schwächste Kategorie der "Exposed Defenders", weitere 40 Prozent zählt Cisco zu den "Reactive Defenders". Letztere verfügen zwar über Fähigkeiten zur Cyberabwehr, setzen diese aber nicht unternehmensweit ein.
26 Prozent gelten als "Established Defenders" mit soliden Grundlagen und einer guten Wiederherstellungsfähigkeit. Nur 2 Prozent zählt Cisco zur Spitzengruppe der "Relentless Defenders", die ihre Abwehr kontinuierlich weiterentwickeln.
Schweiz liegt im Vergleich hinten
Im europäischen Vergleich weist die Schweiz mit 72 Prozent den höchsten Anteil an Unternehmen in den beiden schwächsten Kategorien auf. In Grossbritannien sind es 40 Prozent, in Italien 48 und in Frankreich 50 Prozent.
Auch tatsächliche Vorfälle sind laut der Befragung weit verbreitet: 94 Prozent der Teilnehmenden aus der Schweiz geben an, ihr Unternehmen habe im vergangenen Jahr einen geschäftsschädigenden Cybervorfall erlebt.

Christopher Tighe, Geschäftsführer von Cisco Schweiz. (Source: zVg)
"Die Schweiz ist ein hochvernetztes und international ausgerichtetes Wirtschaftssystem - genau das macht sie zu einem attraktiven Ziel für Cyberkriminelle", sagt Christopher Tighe, Geschäftsführer von Cisco in der Schweiz. "Cyberresilienz darf nicht erst im Ernstfall eine Priorität werden, sondern braucht eine dauerhaft proaktive Herangehensweise."
Die Ergebnisse beruhen allerdings auf Selbstauskünften. Cisco bewertet dabei unter anderem, wie umfassend Unternehmen ihre IT-Umgebung schützen, wie schnell sie auf Bedrohungen reagieren und welche organisatorischen Hindernisse ihre Abwehr bremsen.
Interne Strukturen bremsen die Abwehr
Ein Problem sieht Cisco in der Zusammenarbeit innerhalb der Unternehmen. Nur 30 Prozent geben an, dass Security-, Netzwerk- und IT-Teams mit gemeinsamen Werkzeugen und einer gemeinsamen Sicht auf die Systeme arbeiten.
Auch beim Umgang mit Sicherheitsdaten hapert es. 47 Prozent verbringen nach eigenen Angaben mehr Zeit damit, Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammenzutragen und abzugleichen, als mit der eigentlichen Bedrohungsabwehr. 41 Prozent sagen, wichtige Erkenntnisse gingen verloren, weil Daten nicht ausreichend zugänglich seien.
Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Erfolgsmessung. 38 Prozent verfügen den Ergebnissen zufolge über keine einheitliche Methode, um ihre Sicherheitsleistung zu messen. Mehr als die Hälfte bekundet Mühe damit, technische Erkenntnisse in entscheidungsrelevante Geschäftsinformationen zu übersetzen.
KI spielt bislang eine Nebenrolle
KI-gestützte Sicherheitsfunktionen kommen laut Cisco erst bei 19 Prozent der erfassten Schweizer Unternehmen zum Einsatz. Als Hindernisse nennen die Teilnehmenden unter anderem Sicherheits- und Datenschutzbedenken gegenüber Drittanbietern, möglichen Missbrauch durch Mitarbeitende sowie die Gefahr, dass Angreifer die KI-Systeme selbst kompromittieren.
Nur 41 Prozent zeigen sich sehr zuversichtlich, einen kompromittierten KI-Agenten erkennen und darauf reagieren zu können.
Für den "Relentless Defense Report" liess Cisco im April und Mai 2026 weltweit 8000 IT-Sicherheitsfachleute in 30 Märkten befragen, darunter 200 in der Schweiz. Cisco gab die Befragung in Auftrag. Satori Experience führte sie durch, Sandpiper wertete die Ergebnisse aus.
Übrigens: Auch eine PwC-Umfrage zeigt Lücken in der Schweizer Cyberabwehr. Welche Risiken Unternehmen insbesondere bei Angriffen auf KI-Systeme sehen, lesen Sie hier.
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