IFZ-Studie zur Banken-IT

Banken modernisieren ihre IT um den Kern herum

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von Joël Orizet und NetzKI Bot und jme

Schweizer Banken verlagern Innovationen zunehmend in Anwendungen ausserhalb ihrer Kernbankensysteme. So entwickeln sie ihre IT weiter, ohne das technische Fundament auszutauschen - obwohl sie dessen Trägheit kritisieren. Eine HSLU-Studie zeigt, dass die Bereitschaft zum Systemwechsel deutlich gesunken ist.

(Source: Emiliia / stock.adobe.com)
(Source: Emiliia / stock.adobe.com)

Neue Funktionen und Dienstleistungen entstehen bei Schweizer und Liechtensteiner Banken zunehmend ausserhalb der zentralen Bankensoftware. 68 Prozent der teilnehmenden Institute realisieren Innovationen eher oder überwiegend mit ergänzenden Anwendungen, wie aus einer Studie (PDF) des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern (HSLU) hervorgeht.

Diese Umsysteme übernehmen beispielsweise Aufgaben im Mobile Banking, in der Datenanalyse oder in der Kundenbetreuung. Die Kernbankensysteme bilden hingegen weiterhin das technische Fundament: Sie verwalten unter anderem Konten, verbuchen Transaktionen und wickeln den Zahlungsverkehr ab.

Ein Wechsel des Kernbankensystems ist für die meisten Banken inzwischen in weite Ferne gerückt. 65 Prozent rechnen damit, auch in zehn Jahren noch beim bisherigen Anbieter zu bleiben. Bei einer Befragung 2022 waren es erst 32 Prozent. Nur jede zehnte Bank hält einen Wechsel innerhalb der nächsten fünf Jahre für wahrscheinlich.

Als mögliche Gründe nennt das Forschungsteam unter anderem das gewachsene Vertrauen in die etablierten Softwareunternehmen und den Mangel an Alternativen. Neue Kernbankensysteme hätten sich in der Schweiz bislang kaum durchgesetzt. Ihnen fehlten unter anderem wichtige Funktionen für das Wertschriften- und Hypothekargeschäft, merken die Studienautoren an. 

Zuverlässig, aber wenig innovativ

Die geringe Wechselbereitschaft bedeutet allerdings nicht, dass die Banken mit ihrer Software rundum zufrieden wären. Zwar bewerten 64 Prozent ihr Kernbankensystem insgesamt positiv, die Bestnote vergeben aber nur 5 Prozent.

Besonders schätzen die Institute die Zuverlässigkeit: 95 Prozent zählen Stabilität und Ausfallsicherheit zu den grössten Stärken. Am häufigsten kritisieren die Institute dagegen die User Experience (64 Prozent) und die Innovationsfähigkeit (61 Prozent), gefolgt von mangelnder Flexibilität (51 Prozent) und hohen Kosten (47 Prozent).
Balkendiagramm zu den Schwächen von Kernbankensystemen. Am häufigsten nennen die 59 befragten Banken die User Experience (64 Prozent), die Innovationsfähigkeit (61 Prozent), die Flexibilität (51 Prozent) und die Kosten (47 Prozent). Stabilität nennt niemand.

User Experience und Innovationsfähigkeit sind die meistgenannten Schwächen der Kernbankensysteme. (Source: "IFZ Studie Zukunft der
Kernbankensysteme 2026" / HSLU)

Gerade diese Schwächen sollen ergänzende Anwendungen ausgleichen. Doch deren Anbindung bereitet vielen Banken Schwierigkeiten: 62 Prozent beurteilen sie als aufwändig oder sehr aufwändig. Denn auch mit standardisierten Schnittstellen bleiben der Datenaustausch und das Zusammenspiel der verschiedenen Systeme anspruchsvoll.

KI könnte die Karten neu mischen

Für die kommenden drei bis fünf Jahre sehen die Banken vor allem bei offenen Schnittstellen und künstlicher Intelligenz Handlungsbedarf. 66 Prozent zählen standardisierte Schnittstellen zu den drei wichtigsten Anforderungen an ihre Kernbankensoftware, 41 Prozent nennen die Integration von KI.

In einem Blogbeitrag zur Studie skizzieren die beiden Mitautoren Urs Blattmann und Thomas Fischer ein mögliches Zukunftsszenario: Generative KI könnte die Neuentwicklung komplexer Software erheblich beschleunigen und es einzelnen grösseren Banken ermöglichen, eigene Kernbankensysteme zu entwickeln.

Vorerst bleibt dies allerdings Spekulation. Die interviewten Banken spürten bislang keine Kostenvorteile durch den KI-Einsatz in der Softwareentwicklung, hält die Studie fest. Wie lange die etablierten Softwareunternehmen ihre Kundschaft halten können, dürfte auch davon abhängen, wie rasch sie ihre Systeme modernisieren.

Zur Studie

Für die Studie kontaktierte das IFZ 123 IT-Führungskräfte von Schweizer und Liechtensteiner Banken. 63 Institute beteiligten sich an der Befragung zwischen Mai und Juni 2026, 60 beantworteten die Frage nach einem möglichen Systemwechsel. Ergänzend führte das Forschungsteam 14 vertiefende Interviews. Den grössten Anteil an der Stichprobe hatten Regionalbanken, Sparkassen und Raiffeisenbanken (49 Prozent), gefolgt von Kantonalbanken (24 Prozent). Hinsichtlich der Marktanteile der Kernbankensysteme ist die Stichprobe nicht repräsentativ.

Zu den Sponsoren der Studie gehören Finnova und Finstar, die selbst Kernbankensysteme anbieten, sowie KPMG, PPI, Ergon und Swisscom.

 

Übrigens: Auch die IFZ Fintech Study 2026 beleuchtet den Wandel hin zu modularen Bankenplattformen. Welche Rolle dabei etablierte Softwareunternehmen und neue Anbieter spielen, lesen Sie hier.

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