KI verschärft die Cyberrisiken in der DACH-Region
Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz melden mehr Cybervorfälle und höhere finanzielle Einbussen als der weltweite Durchschnitt. Besonders ins Gewicht fällt KI: Bei fast zwei Dritteln der jüngsten Sicherheitsvorfälle in der DACH-Region trug sie einer Umfrage zufolge zum Vorfall bei.
Unternehmen aus der DACH-Region haben in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich 51 Sicherheitsvorfälle gemeldet. Weltweit waren es 41. Auch die finanziellen Folgen fallen regional höher aus: Den Umsatzverlust durch den grössten einzelnen Vorfall beziffern betroffene DACH-Unternehmen im Schnitt auf 3,23 Prozent, weltweit sind es 2,7 Prozent, wie aus einer globalen Onlinebefragung von 2000 Entscheidungsträgern im Bereich Cybersicherheit hervorgeht. Sapio Research führte die Umfrage im Auftrag des Anbieters von Content Delivery Networks (CDN) Fastly durch. Für die separate DACH-Auswertung befragte die Marktforschungsfirma 200 Cybersecurity-Verantwortliche.
Auch bei der Erholung schneiden Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz schlechter ab: Nach einem Sicherheitsvorfall benötigen sie laut Umfrage durchschnittlich 6,7 Monate, bis sie sich vollständig erholt haben. Weltweit liegt der Mittelwert bei 6,1 Monaten.
KI wird zum Sicherheitsfaktor
Künstliche Intelligenz spielt dabei häufig eine wichtige Rolle. 65 Prozent der DACH-Befragten sagen, KI habe zu ihrem jüngsten Sicherheitsvorfall beigetragen. Weltweit sind es 64 Prozent.

Global sagen 64 Prozent der Befragten, dass KI bei ihrem jüngsten Sicherheitsvorfall eine Rolle spielte. 34 Prozent nennen eine direkte Ausnutzung, 30 Prozent Schatten-KI oder andere blinde Flecken. (Source: Fastly)
77 Prozent der betroffenen Unternehmen aus der DACH-Region berichten zudem von mindestens einem Cyberangriff in den vergangenen zwölf Monaten, bei dem die Angreifer ihrer Einschätzung nach KI einsetzten. Global liegt der Anteil bei 75 Prozent.
Gleichzeitig treiben die Unternehmen den eigenen KI-Einsatz voran. 79 Prozent der Befragten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bezeichnen ihre Organisation als “AI-first”, weltweit sind es 74 Prozent. Dennoch sehen sich 47 Prozent der DACH-Unternehmen nicht ausreichend auf Risiken rund um KI-Anwendungen und Programmierschnittstellen vorbereitet.
Schatten-KI bleibt weit verbreitet
Weit verbreitet bleibt die Nutzung nicht freigegebener KI-Werkzeuge. 92 Prozent der DACH-Befragten gehen davon aus, dass zumindest einzelne Mitarbeitende Anwendungen wie ChatGPT, Copilot oder Midjourney ohne formelle Genehmigung einsetzen. Weltweit liegt der Anteil mit 91 Prozent ähnlich hoch.
Diese sogenannte Schatten-KI steht im Kontrast zum eigenen Sicherheitsgefühl: Zwei Drittel der DACH-Befragten glauben, dass ihr Unternehmen nicht genehmigte KI-Werkzeuge erkennen und kontrollieren kann. Global sind es sogar 75 Prozent.
Auch automatisierte Zugriffe durch KI-Dienste und Bots beschäftigen die Unternehmen. 81 Prozent der DACH-Befragten berichten von Folgen durch das Auslesen ihrer Websites oder Programmierschnittstellen. 43 Prozent nennen Betriebsstörungen, 39 Prozent Sicherheitsvorfälle oder Datenlecks. Weltweit berichten 80 Prozent von Auswirkungen solchen KI-Scrapings.

Weltweit spüren 80 Prozent der Befragten Folgen von KI-Scraping. Am häufigsten nennen sie höhere Infrastrukturkosten und Betriebsstörungen. (Source: Fastly)
KI erhöht den Druck auf die Infrastruktur
Im Zusammenhang mit KI-Scraping berichtet Fastly zudem über steigende Infrastrukturkosten. 89 Prozent der DACH-Befragten geben an, dass ihre Infrastrukturkosten in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen sind. Den durchschnittlichen Anstieg beziffern sie auf rund 324'000 britische Pfund. Weltweit melden 86 Prozent höhere Kosten, im Mittel rund 257'000 Pfund.
Auch die Security-Teams spüren den Wandel. 52 Prozent der Befragten in der DACH-Region sagen, KI habe den Druck auf bestehende Teams erhöht, 51 Prozent sehen einen stärkeren Bedarf an spezialisierten Fähigkeiten. Weltweit nennen 47 Prozent zusätzlichen Druck auf die Teams und 53 Prozent eine höhere Nachfrage nach KI-spezifischem Know-how.
Die Ergebnisse zeigen vor allem einen Zielkonflikt: Unternehmen bauen KI schnell aus, sehen sich zugleich aber mit zusätzlichen Sicherheitsrisiken, steigenden Infrastrukturkosten und höheren Anforderungen an ihre Security-Teams konfrontiert. Aus den Antworten lässt sich allerdings nicht ableiten, dass KI allein die höheren Schäden oder die längeren Erholungszeiten verursacht.
Zur Umfrage
Sapio Research führte die Onlinebefragung im September 2025 per E-Mail-Einladung durch. Weltweit nahmen 2000 Entscheidungsträger aus dem Bereich Cybersicherheit teil, für die separate DACH-Auswertung wurden 200 Personen befragt.
Fastly gibt für die DACH-Auswertung bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall einen Unsicherheitsbereich von ±6,9 Prozentpunkten an, für die globale Auswertung sind es ±2,2 Prozentpunkte. Vereinfacht gesagt fällt die rechnerische Unsicherheit bei den DACH-Ergebnissen somit deutlich grösser aus als bei den weltweiten Zahlen. Allerdings erläutert der Bericht nicht, nach welchem Verfahren Sapio Research die Teilnehmenden auswählte. Ohne diese Angaben bleibt offen, wie aussagekräftig die genannten Konfidenzintervalle tatsächlich sind. Kleinere Unterschiede zwischen den weltweiten und den regionalen Ergebnissen sollte man deshalb nicht überbewerten.
Übrigens: Schweizer Unternehmen treiben KI-Projekte trotz wachsender Sicherheitsbedenken weiter voran - welche Risiken Security-Verantwortliche dabei besonders beschäftigen, lesen Sie hier.
Wenn Sie mehr zu Cybercrime und Cybersecurity lesen möchten, melden Sie sich hier für den Newsletter von Swisscybersecurity.net an. Auf dem Portal lesen Sie täglich News über aktuelle Bedrohungen und neue Abwehrstrategien.
Collana-Gruppe übernimmt Netwise
KI-Agenten erledigen bei Early Adopters jeden dritten IT-Arbeitsschritt
Infinigate Schweiz ernennt neuen Verkaufs-Chef
Update: So rasch will Sphere Entertainment seine Riesen-LED-Kugeln vervielfältigen
Update: Mutmasslicher Cyberkrimineller steht in Zürich vor Gericht
Nutanix verbindet KI-Assistenten mit seiner Cloud-Plattform
Wenn das Game persönliche Informationen sammelt
Claude versieht Texte mit einem Wasserzeichen
NorthC Schweiz ernennt neuen Managing Director