So krempelt KI gemäss TD Synnex den Büroalltag um
Wie wirkt sich der Wandel zum KI-gestützten Büro auf die Mitarbeitenden aus? Welche Kompetenzen nun gefordert sind und inwiefern der Effizienzdruck einen neuen Vendor-Lock-in oder Einbussen bei der digitalen Souveränität provoziert, sagt Oliver Bachmann, Senior Director Endpoint Solutions von TD Synnex Switzerland.
Wie verändert KI die Anforderungen an den IT-Arbeitsplatz
von heute? Wie viel KI benötigt ein moderner IT-Arbeitsplatz wirklich?
Oliver Bachmann: Die KI wird zum Taschenrechner des digitalen Arbeitsplatzes. Der moderne IT-Arbeitsplatz entwickelt sich zur lokalen KI-Plattform: NPU, Security und interne Richtlinien bestimmen, welche KI-Anwendungen direkt auf dem Gerät laufen. Dabei zählt nicht maximale, sondern passende KI. Für viele Aufgaben bieten Copilot+-PCs bereits den richtigen Umfang an KI-Unterstützung, denn nicht jede Rolle benötigt dieselben KI-Funktionen.
Welche Fähigkeiten müssen Mitarbeitende entwickeln, um KI am Arbeitsplatz sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen zu können – und wer trägt die Verantwortung dafür, diese Kompetenzen aufzubauen?
Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden mit den richtigen KI-Kompetenzen und Werkzeugen ausstatten, werden einen klaren Wettbewerbsvorteil erzielen. Dafür braucht es ein Grundverständnis für die Möglichkeiten, Eigenschaften und Grenzen von KI sowie die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch auf Verzerrungen, Fehler und Halluzinationen zu prüfen. Ebenso wichtig sind ein verantwortungsvoller Umgang mit Daten und das Bewusstsein dafür, wo und wie Informationen verarbeitet werden. Die Verantwortung für den Kompetenzaufbau liegt bei Unternehmen, Führungskräften und Mitarbeitenden gleichermassen: Unternehmen müssen Schulungen, Richtlinien und Zeit für Weiterbildung bereitstellen, Führungskräfte müssen als Vorbilder vorangehen und Mitarbeitende müssen sich aktiv mit den neuen Werkzeugen auseinandersetzen. Eines bleibt dabei unverändert: Die Verantwortung für Entscheidungen trägt stets der Mensch. KI-Fluency wird damit zu einer zentralen Schlüsselkompetenz der Arbeitswelt von morgen.
KI soll Mitarbeitende produktiver machen und von Routineaufgaben entlasten. Gleichzeitig bestehen Ängste vor Arbeitsplatzverlust und einer stärkeren Automatisierung. Wie sollten Unternehmen mit diesem Spannungsfeld umgehen?
KI soll Produktivität und Qualität steigern, nicht Menschen ersetzen. Richtig eingesetzt, entlastet sie Mitarbeitende von repetitiven und administrativen Aufgaben und schafft Freiräume für wertschöpfende, kreative und strategische Tätigkeiten. Dadurch werden sich viele Jobprofile verändern, oft mit einem stärkeren Fokus auf qualitative Arbeit und menschliche Stärken wie Kreativität, Empathie und Urteilsvermögen. Gleichzeitig müssen Unternehmen transparent kommunizieren, wo und wie KI eingesetzt wird, und offen für Fragen und Rückmeldungen der Belegschaft sein. Entscheidend sind zudem Schulungen, Coaching und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden in den Wandel. Denn auch im KI-Zeitalter gilt: Die Verantwortung für Entscheidungen bleibt beim Menschen. Wer seine Mitarbeitenden auf dieser Reise mitnimmt, schafft Vertrauen und kann die Potenziale von KI nachhaltig nutzen.
Was bedeutet die steigende KI-Nutzung in Bezug auf die digitale Souveränität? Inwiefern erhöhen Unternehmen ihre Abhängigkeit von ausländischen Anbietern aufgrund eines KI-bedingten Effizienzdrucks?
Digitale Souveränität im KI-Zeitalter hängt vor allem davon ab, wo Daten verarbeitet werden und wer die Kontrolle darüber behält. Werden KI-Dienste von Drittanbietern genutzt, gelten deren technische und vertragliche Rahmenbedingungen. Bei eigenen Anwendungen oder kontrollierten Plattformen verbleiben Daten hingegen in der eigenen Infrastruktur und unter den eigenen Governance-Vorgaben. Entscheidend sind daher klare Verträge, die eine Nutzung der Unternehmensdaten für das Training von Modellen ausschliessen, sowie die Freiheit, zwischen verschiedenen KI-Modellen und Anbietern wählen zu können. Effizienzgewinne durch KI dürfen nicht zu einem Verlust von Kontrolle führen. Kurz gesagt: Our Data, our Rules. Unternehmen sollten KI so einsetzen, dass sie von den Vorteilen profitieren, ohne ihre digitale Souveränität aus der Hand zu geben.
Was sind aktuell die grössten Hürden bei der Einführung von KI am Arbeitsplatz?
Die grössten Hürden bei der Einführung von KI sind meist nicht technischer, sondern organisatorischer Natur. Unternehmen müssen zunächst klären, welche KI-Tools eingesetzt werden dürfen und welche Daten verarbeitet werden können. Gleichzeitig hängt der Nutzen von KI massgeblich von der Qualität der verfügbaren Daten ab. Eine weitere Herausforderung ist der kritische Umgang mit Ergebnissen, da KI auch überzeugend formulierte Fehler oder Halluzinationen erzeugen kann. Hinzu kommen Kosten – Stichwort: Token – sowie der notwendige Zeitaufwand für Schulung und Veränderungsmanagement. Denn ein Training allein reicht nicht aus, um KI nachhaltig im Arbeitsalltag zu verankern.
Genügen Monitor, Laptop, ein Collaboration-Tool und ein gutes Netzwerk? Was darf an einem modernen IT-Arbeitsplatz auf keinen Fall fehlen?
Ein moderner IT-Arbeitsplatz braucht heute mehr als Laptop, Monitor und Collaboration-Tools. Unverzichtbar sind ein sicherer Zugang mit SSO und MFA, freigegebene KI-Werkzeuge, die Anbindung an interne Datenquellen sowie ausreichend Rechenleistung für KI-Anwendungen. Genauso wichtig sind Governance und Schulungen, damit KI sicher und effektiv genutzt werden kann. Gleichzeitig werden die benötigten Kapazitäten sowohl auf den Endgeräten als auch in Rechenzentren, Netzwerken und im Security-Bereich weiter wachsen.
Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:
- Karin Bühler, Adnovum: "Transparenz, Weiterbildung und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden sind zentrale Erfolgsfaktoren."
- Ann Jameson, Microsoft: "Entscheidend ist nicht das Pilotprojekt, sondern die nachhaltige Verankerung im operativen Alltag."
- Tobias Quelle, Brack Alltron: "Wer Mitarbeitende aktiv zu Gestaltern macht, nimmt Ängste und setzt Innovationskraft frei."
- Patrice Steiner, Procloud: "Der beste Start ist ein klar abgegrenzter Use Case."
- Peter Zanoni, HP: "KI-Kompetenz umfasst dabei nicht nur die Nutzung von Tools, sondern auch kritisches Denken."
Urs Bürgisser, Managing Director, NorthC Schweiz
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