Make Boll, not War - Flower Power am Channel Happening 2026
Anfang September hat in der Messe Basel das diesjährige Boll Channel Happening stattgefunden. Der Disti und die Keynote-Speaker sagten - in Flower-Power-Optik -, was es Neues bei Boll gibt und auch, weshalb das klassische Security Operations Center ausgedient hat.
"Hallo Channel!" So begrüsste CEO Thomas Boll die Gäste am Auftakt des diesjährigen Boll Channel Happenings (BCH). Wie es sich gehört, trug Boll weder Krawatte noch Anzug - das BCH ist eine Mottoparty. Stattdessen trug er eine Wildleder-Weste mit langen Fransen, ein Hemd mit psychedelisch wirkendem Blumenprint sowie eine Retro-Sonnenbrille und die langen Haare seiner Perücke waren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Nachdem das BCH im Vorjahr die Goldenen Zwanziger wieder aufblühen liess, ging es an diesem Abend zurück in die Hippie-Zeit.
Die Flower-Power-Party war ein Fest für Kunden, Geschäftspartner, Sponsoren "und natürlich die Hersteller der besten Cybersecurity-Produkte auf diesem Planeten", sagte der CEO auf der Bühne. "Und besonders bedanke ich mich auch bei den Zürchern, die es geschafft haben, nach Basel zu kommen", scherzte er. Der Anlass sei ja so eine Art Wanderzirkus - jedes Jahr an einem anderen Standort. Und 2026 fand das BCH in der Messe Basel statt - auf dem von Strandsand bedeckten Boden des Bambusnests.
Das Motto passte - damals wie heute sieht sich die Welt mit unsicheren Zeiten konfrontiert, wie der CEO erläuterte. "Auch unsere Zeit ist voller Gegensätze, geopolitischer Unsicherheiten, veränderter Lieferketten, wirtschaftlicher Schwankungen und enormer technologischer Fortschritte." Dazu zähle er etwa KI und die fortschreitende Vernetzung der Welt sowie die steigende Komplexität.

Das BCH 2026 fand im Bambusnest in der Messe Basel statt. (Source: Netzmedien)
Die Neuheiten bei Boll
Beim Disti laufen die Geschäfte derzeit gut, sagte Boll. Mit der Vertriebspartnerschaft mit F5 hätte der Distributor einen sehr tollen Start hingelegt. Wie der CEO stolz verkündete, sei das Unternehmen bereits Marktführer, obwohl es erst in diesem Jahr angefangen habe, das Produkt zu vertreiben. "Ich habe selbst ziemlich viele Firewalls in Schränke eingeschraubt. Und deshalb wissen wir, was es braucht, um in diesem Geschäft erfolgreich zu sein."
Eine weitere Neuheit seit dem vorherigen BCH ist Hornetsecurity. "Hornetsecurity ist uns eigentlich zugeflogen", erklärte Boll im Gespräch am BCH. "Wir hatten Proofpoint bereits im Sortiment; und als Proofpoint 2025 Hornetsecurity übernahm, war es der Vollständigkeit halber natürlich sinnvoll, auch Hornetsecurity zu listen."
"Microsoft nutzen wir selbst nicht - vielleicht war dieses Ökosystem deshalb bisher etwas unterrepräsentiert bei uns", ergänzte er. "Mit den Cloud-basierten Security-Lösungen von Hornetsecurity können wir diese Lücke nun füllen." Ein weiterer Vorteil sei, dass der Disti mit Hornetsecurity sein MSP-Geschäft stärken könne.

Darf bei keiner Flower-Power-Party fehlen ... (Source: Netzmedien)

... ein Tie-Dye-Stand. (Source: Netzmedien)
Ebenfalls neu ist Halcyon - "das ist etwas ganz anderes", sagte der CEO. "Was dieses Unternehmen macht, ist technisch faszinierend und sehr spannend." Wenn er einen Kunden frage, ob dieser schon eine Firewall habe, laute die Antwort vermutlich "Ja" und das Verkaufsgespräch sei somit zu Ende. Aber wenn es darum gehe, was bei Ransomware abgesehen von MDR noch alles möglich sei oder was im Ernstfall passiere, habe man mit Halcyon einen Fuss in der Tür.
Im Prinzip gehe es darum, zu versuchen, Ransomware zu verhindern oder im schlimmsten Fall, wenn es sich nicht verhindern liess, die Daten wieder zurückzuerhalten. Zu diesem Zweck hackt Halcyon auch die Hacker, um beispielsweise die Verschlüsselungs-Codes von Ransomware-Betreibern zu erhaschen.
Wieso SOCs ausgedient haben
Halycon hatte anschliessend auch einen Auftritt auf der Bühne des BCH 2026. Sebastiaan Bäck, Senior Solutions Architect beim Security-Unternehmen, hielt eine der Keynotes. Bäck war nach eigenen Angaben etwa 20 Jahre lang als "Nation State Defensive Engineer" tätig - "oder anders gesagt: ein Hacker im Auftrag eines Staates."
In seiner Keynote ging es um die Auswirkungen der KI auf die Cybersecurity. Dabei kam er zu dem Schluss, dass manche klassischen Ansätze nicht mehr funktionieren. So erwähnte er beispielsweise das Security Operations Center (SOC). Dieses aggregiert Telemetriedaten in einem Netzwerk zentral im SOC und hält so Ausschau nach Anzeichen eines Eindringlings.
Die durchschnittliche Breakout-Zeit, also die Zeit, die ein Hacker benötigt, um aus einer ersten infizierten Maschine auszubrechen und sich frei im Netzwerk zu bewegen, sinkt jedoch dramatisch. Von 98 auf 29 Minuten zwischen 2021 und 2026 - und in diesem Jahr sei eine Attacke registriert worden, bei der die Breakout-Zeit lediglich 27 Sekunden betragen habe.

Sebastiaan Bäck, Senior Solutions Architect bei Halcyon, am BCH 2026. (Source: Netzmedien)
Vom eigentlichen Vorfall auf dem Endgerät bis zu dem Zeitpunkt, an dem dieser im SOC erkannt wird, vergehen weit mehr als 27 Sekunden. "KI-gestützte Angriffe sind so viel schneller als diese Architektur, die uns 30 Jahre lang gute Dienste geleistet hat", sagte Bäck. Ein SOC könne dies gar nicht bewältigen. "Das muss sich ändern."
Die Erkennung von Angriffen müsse also auf dem Endpoint geschehen. "Die Aufgaben, die wir heute im SOC erledigen - die übergreifende Korrelation von Daten und SIEM-ähnliche Analysen -, müssen künftig direkt auf dem Endgerät stattfinden, und zwar genau dann und dort, wo ein Angriff geschieht", sagte er. Dafür muss sich auch die Hardware ändern, und genau das geschehe bereits. Die Threat Detection Technology (TDT) von Intel sei ein Beispiel, aber auch die GPU-Architektur, wie sie auch in Macs vorkommt, eigne sich für solche Aufgaben.
Dennoch schaut er der weiteren Entwicklung der KI mit einem wachsamen Auge entgegen. "Wir sind die dominante Spezies auf der Erde. Der Grund dafür ist, dass wir ein grösseres Hirn haben als alles um uns herum; wir wissen, wie wir kooperieren können, um gemeinsam stärker zu sein." Mit reiner Muskelkraft könnte er ja keinen Löwen, Tiger oder Elefanten besiegen, sagte Bäck - aber gemeinsam sei dies möglich. "Und nun bauen wir etwas, das intelligenter ist als wir."

Das Motto der Party war eindeutig erkennbar an den bunten Farben und omnipräsenten Blumenmotiven. (Source: Netzmedien)
Evangelisieren in der Fabrik
Thomas Boll nannte noch ein weiteres Thema, das der Disti derzeit pusht; dabei handelt es sich um IoT- und OT-Security. Ein Thema, das in den nächsten Jahren stark an Relevanz gewinnen wird, zeigt sich Boll überzeugt. Security in diesen Bereichen zu adressieren, sei aktuell vielleicht "noch ein wenig mühsam", erklärte der CEO auf der Bühne. "Die Verantwortlichen in den Fabriken sind noch nicht ganz so überzeugt, dass sie Security auf jeden Fall wirklich brauchen", sagte er. Hier müsse man noch ein wenig evangelisieren. "Aber das ist ein ganz grosser Wachstumsmarkt!" Vielleicht werden OT und IT in den nächsten 15 Jahren zusammenwachsen, mutmasste er. "Das wissen wir nicht. Aber in der Zwischenzeit gibt es viel zu tun."
Und mit den Klängen der Woodstock Revival Band liess Boll Engineering das diesjährige BCH ausklingen. "Nun müssen wir wieder coole Ideen für das nächste BCH zusammenbringen", scherzte er im Gespräch. "Die Denkarbeit beginnt wieder (lacht)."

CEO Thomas Boll (rechts) zusammen mit dem designierten Head of Sales, Christophe Macherel, am BCH 2026. (Source: Netzmedien)
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Thomas Boll kündigte am BCH 2026 noch eine weitere News an: Christophe Macherel tritt am 15. September neu die Stelle als Head of Sales an. Lesen Sie hier mehr dazu.
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