KI belastet Arbeitnehmende in der ICT-Branche
Künstliche Intelligenz ist in der ICT-Branche ein fester Teil des Arbeitsalltags geworden - die meisten Arbeitnehmenden nutzen KI bereits für diverse Tätigkeiten. Doch diese Entwicklung führt auch zu einer höheren Arbeitsintensität, Unsicherheit bezüglich KI-Fehlern sowie Angst vor Jobverlust. Syndicom fordert Entlastungsmassnahmen.
ICT-Fachkräfte arbeiten mittlerweile fast täglich mit KI, viele fühlen sich jedoch von der neuen Technologie zunehmend unter Druck gesetzt. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage, die Syndicom bei Ecoplan in Auftrag gegeben hat, wie die Gewerkschaft mitteilt. Dafür wurden 492 Personen aus der ICT-Branche befragt, wobei die meisten bei grossen IT- oder Telekommunikationsunternehmen arbeiten und 87 eine Führungsfunktion innehaben.
Laut Umfrage kommt KI besonders bei bestimmten Tätigkeiten zum Einsatz, etwa bei entwicklungs-, wissens-, text- und datenbezogenen Aufgaben. Bei solchen Tätigkeiten reduziere die KI denn auch oftmals den erforderlichen Zeitaufwand. Gleichzeitig gibt die Mehrheit an, dass sich die mit den Aufgaben verbundenen Anforderungen nicht veränderten. So geben 52 Prozent der Befragten an, dass KI ihre Produktivität erhöhe, während 46 Prozent eine höhere Arbeitsintensität wahrnehmen. 44 Prozent seien zudem häufig unsicher, ob KI-Ergebnisse fehlerhaft seien.
Hinzu kommen Bedenken bezüglich der beruflichen Zukunft. Gemäss Umfrage machen sich 68 Prozent öfter darüber Gedanken, wie sich KI auf ihren Beruf auswirkt - das können aber sowohl positive als auch negative Gedanken sein.
Kompetenzaufbau im Arbeitsalltag
87 Prozent der Befragten gaben an, sich ihre KI-Fähigkeiten durch Ausprobieren bei der Arbeit angeeignet zu haben - viele würden sich jedoch entsprechende Workshops oder Kurse vonseiten des Arbeitgebers wünschen. Aber laut Umfrage sind übergeordnete KI-Strategien "sichtbarer als konkrete Vorhaben zur Anpassung von Arbeitsprozessen und zur Entwicklung der benötigten Kompetenzen."
Als Teil dieser Strategien hätten die meisten Unternehmen bereits Regelwerke für den KI-Einsatz entwickelt. Dennoch wünschen sich gemäss Umfrage viele Mitarbeitende transparentere Informationen zu Chancen und Risiken sowie rechtliche und ethische Leitplanken. Zudem erachten 74 Prozent der Befragten betriebliche Mitwirkungsmöglichkeiten wie etwa Feedback-Runden als wichtig, während 71 Prozent gerne die Sozialpartner mit einbeziehen würden, wenn KI-Anwendungen die Mitarbeitenden direkt betreffen.
Forderungskatalog von Syndicom
Syndicom fordert laut Mitteilung "Mitwirkungsrechte für Arbeitnehmende, Personalvertretungen und Gewerkschaften bei der Einführung und Anwendung neuer Technologien und KI-Systeme" sowie Entlastungsmassnahmen angesichts der Arbeitsverdichtung. Zudem will die Gewerkschaft Bestimmungen zum Datenschutz in Gesamtarbeitsverträgen und betrieblichen Regelwerken festhalten.
Eine weitere Forderung betrifft KI-Fehler: Die Verantwortung für solche dürfe "nicht einseitig auf die Arbeitnehmenden abgewälzt werden", heisst es in der Mitteilung - ausser die Mitarbeitenden hätten genügend Zeit gehabt, um die KI-Ergebnisse zu überprüfen. Ferner macht Syndicom ein Recht auf Aus- und Weiterbildung geltend und fordert eine Gewinnbeteiligung für Arbeitnehmende aufgrund der erhöhten Produktivität.
Laut einer Studie von Monda Futura wünscht sich übrigens die Schweizer Bevölkerung eine Zukunft ohne KI. Lesen Sie hier mehr dazu.
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