Swico fordert realistische Beschaffungen und offene Märkte

Wie die Schweiz auf die Preissteigerungen bei Speicherchips reagieren soll

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von Coen Kaat und vgr

Swico hat ein Positionspapier veröffentlicht; darin adressiert der Wirtschaftsverband die steigenden Preise auf dem Speichermarkt und formuliert vier Forderungen, um wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen.

(Source: Kamil / stock.adobe.com)
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Seit Ende 2025 sind die Preise für Speicherkomponenten weltweit deutlich gestiegen. Der Ausbau von KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur, die hohe Marktkonzentration, lange Investitionszyklen und fragile globale Lieferketten treiben die Preise in die Höhe, wie der Wirtschaftsverband Swico in einem aktuellen Positionspapier schreibt. 

Hersteller würden die etwa für KI-Training und -Inferenz benötigten High-End-Produkte zunehmend priorisieren. Dies geschieht auf Kosten klassischer Marktsegmente wie Consumer‑Geräte, Standard‑SSDs oder günstige Serverkomponenten.

Ein weiteres Problem ist laut dem Verband, dass nur wenige globale Anbieter den Grossteil von DRAM und NAND produzieren. "Neue Fabriken kosten Milliarden und benötigen Jahre bis zur vollen Auslastung. Steigt die Nachfrage schnell, reagieren Märkte daher nicht mit mehr Angebot, sondern mit höheren Preisen", heisst es im Positionspapier. Der Verband bezeichnet diese Preissteigerungen daher als "ein importiertes Marktphänomen". 

Swico-Geschäftsführer Jon Fanzun. (Source: zVg)

Swico-Geschäftsführer Jon Fanzun. (Source: zVg)

Für die Schweiz sei die Entwicklung besonders relevant, betont Swico. Denn sie verfügt zwar über starkes Know‑how im ICT‑Bereich. Aber als kleine, offene Volkswirtschaft ist das Land bei standardisierten Speicherkomponenten weitgehend Preisnehmerin und auf internationale Lieferketten angewiesen, erklärt das Positionspapier. Durch die wachsende Bedeutung von Rechenzentren im Inland erhöhe sich zudem die Abhängigkeit von Servern, DRAM, NAND, HBM, Spezialgasen und Energieinfrastruktur. 

"Steigende Speicherpreise betreffen damit die digitale Leistungsfähigkeit der Schweiz insgesamt", schreibt der Verband deutlich. "Wer den Digitalstandort Schweiz stärken will, muss diese Realität anerkennen und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen."

Die Gegenmassnahmen

Der Wirtschaftsverband erklärt auch, was zu tun ist, um diese Rahmenbedingungen zu schaffen. Insgesamt enthält das Papier vier Empfehlungen: 

  • Beschaffungen realitätsnah ausgestalten: Öffentliche und private Beschaffungen müssen die volatilen Preise besser abbilden. Starre Festpreise über lange Laufzeiten seien bei DRAM, NAND, SSDs, Servern und speicherintensiven IT-Systemen herausfordernd. Flexible, transparente und vergaberechtskonforme Modelle könnten helfen. Der Verband nennt hier etwa Preisgleitklauseln, listenpreisbasierte Rabatte, klare Liefervorbehalte, Mindestabnahmemengen und Anpassungsmechanismen bei ausserordentlichen Marktverwerfungen.
  • Wettbewerb und Versorgungssicherheit zusammendenken: Zudem sollten Beschaffungen nicht allein auf den tiefsten Anfangspreis zielen. Andere Faktoren werden zunehmend entscheidend; diese sind unter anderem Lieferfähigkeit, Lebenszykluskosten, Wartbarkeit und Energieeffizienz. "Wer Anbieter zwingt, unkalkulierbare Weltmarktpreise über Jahre zu garantieren, schwächt den Wettbewerb und provoziert Risikoaufschläge." 
  • Digitalisierung konsequent vorantreiben: "Steigende Speicherpreise sind kein Argument für weniger Digitalisierung." Die IT ist die Grundlage wirtschaftlicher Produktivität und keine Kostenstelle. Der Verband fordert daher, dass Energie-, Raumplanungs-, Bewilligungs-, Bildungs- und Innovationspolitik stärker zusammengedacht werden.
  • Offene Märkte und Schweizer Stärken gezielt ausbauen: Die Schweiz bleibt bei standardisierten Speicherkomponenten auf internationale Lieferketten angewiesen. Lokalisierungszwang und pauschale Autarkieziele würden Beschaffung verteuern, Innovation bremsen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen. Statt Abschottung plädiert der Verband daher für offene Märkte, regelbasierten Handel und diversifizierte Lieferbeziehungen.

Das vollständige Positionspapier können Interessierte hier auf der Website von Swico (PDF) lesen.

 

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