Telegram boomt bei Cyberkriminellen
Telegram boomt als Plattform für den Untergrund-Datenhandel und als Alternative zum klassischen Dark Web, denn der Messenger ist schlichtweg bequemer.
Einer Untersuchung von Cyberint und der "Financial Times" zufolge nutzt ein schnell wachsendes Netzwerk an Hackern den beliebten Messenger für illegale Aktivitäten wie den Verkauf gestohlener Daten. Dafür gibt es demnach Channels, die teils zehntausende Abonnenten haben. Zum Konkurrenten für klassische Kanäle des Cyber-Untergrunds wird Telegram aber nicht nur dank Verschlüsselung. "In letzter Zeit haben wir einen Anstieg der Telegram-Nutzung durch Cyber-Kriminelle um mehr als 100 Prozent beobachtet», sagt Tal Samra, Analyst bei Cyberint gegenüber der "Financial Times". Telegram sei "bequemer zu nutzen als das Dark Web". Denn der Dienst ist zugänglicher und bietet mehr Funktionalität. Zudem stehe er noch nicht so im Visier von Behörden wie das klassische Dark Web.
Cyberint zufolge hat sich auf Telegram die Anzahl der Erwähnungen von "Email:pass" und "Combo" – Hacker-Begriffe, die auf geklaute E-Mail-Zugangsdaten hindeuten – innerhalb eines Jahres vervierfacht. Ein öffentlicher Kanal namens "combolist", in dem Hacker Listen hunderttausender Zugangsdaten handeln, hatte über 47’000 Abonnenten – wurde aber von Telegram entfernt, nachdem die "Financial Times" um einen Kommentar bat. Neben Zugangsdaten werden auf Telegram auch diverse andere Dinge wie Kreditkartendaten, Netflix-Accounts und Hacker-Werkzeuge feilgeboten.
Boom im Untergrund
Wie stark die Bedeutung von Telegram für Cyber-Gangster wächst, zeigt auch ein Blick ins klassische Dark Web. Denn 2020 gab es in einschlägigen Foren noch 172'035 Links auf Telegram-Gruppen und -Kanäle. Dieses Jahr waren es laut Cyberint bereits über eine Million solcher Verweise. Dafür dürften die Anonymität des verschlüsselten Dienstes sowie eine bislang eher lasche Moderation des in Dubai beheimateten Dienstes mitverantwortlich sein.
Allerdings betont die Plattform in einem Kommentar gegenüber der "Financial Times", dass es eine Richtlinie gäbe, ohne Einverständnis geteilte Daten zu entfernen. Eine "ständig wachsende Truppe professioneller Moderatoren" entferne jeden Tag aufgrund von User-Beschwerden über 10'000 öffentliche Communitys wegen Verstössen gegen die Nutzungsrichtlinien.
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